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Christie’s und Sotheby’s : Es zählen Marktfrische, Herkunft, Spitzenqualität

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Höhepunkte des Frühjahrs in New York: Impressionismus und Moderne bei Christie’s und Sotheby’s

          Christie’s macht am 13. Mai mit seiner Impressionismus- und Moderne-Abendauktion den Auftakt. Für 64 Lose werden mehr als 292,5 Millionen Dollar erwartet. Picassos „La lettre (La réponse)“, geschätzt auf zwanzig bis dreißig Millionen Dollar, ist eines von drei Porträts, die Picasso 1923 von seiner Frau, der russischem Balletttänzerin Olga Khokhlova, schuf. Es kommt aus der Sammlung der 2006 auf den Bahamas gestorbenen Cecil Amelia Blaffer, der texanischen Erbin gleich zweier Öl-Vermögen, die mit 55 Jahren den österreichisch-ungarischen Prinzen Tassilo zu Fürstenberg heiratete und sich von nun an Prinzessin Cecil Amalia „Titi“ Blaffer von Fürstenberg nannte. Ebenfalls aus ihrer Sammlung kommt André Derains „Les Voiles Rouges“ (Taxe 4/6 Millionen Dollar), ein Seestück mit Segelbooten aus dem Jahr 1906.

          Der 2017 verstorbene Verleger und Milliardär S.I.Newhouse führte vierzig Jahre lang das Medienimperium Condé Nast. Newhouse stellte eine der höchstkarätigen Kunstsammlungen Amerikas zusammen und kaufte regelmäßig auf Auktionen ein, so auch Paul Cézannes leuchtendes Stillleben mit Früchten, „Bouilloire et fruits“, gemalt 1888/90, das eine spannende Vorgeschichte hat: Es wurde 1978 aus dem Haus des Sammlers Michael Bakwin in Massachusetts gestohlen. Als Bakwin es 1999 wiedererlangte, reichte er das Bild bei Sotheby’s ein, wo es Newhouse für 29,3 Millionen Dollar inklusive Aufgeld übernahm. Nun soll es „in the region of“ vierzig Millionen Dollar einspielen. Von seinem langjährigen Händler Larry Gagosian hat Newhouse 2004 Van Goghs herbstliche Landschaft „Arbres dans le jardin de l’asile“ übernommen, die 1889 in Saint-Rémy entstand, jetzt mit um 25 Millionen Dollar ausgepreist.

          Marktfrisch aus der Sammlung

          Ein weiteres Highlight bei Christie’s ist eine „Tête“ von Modigliani, ein 51 Zentimeter hoher Kalkstein-Kopf, der noch nie zuvor versteigert wurde. Beziffert mit dreißig bis vierzig Millionen Dollar, ist die Skulptur, wie sieben weitere Lose, mit einer Garantie abgesichert. „Thérèse sur une banquette“ von Balthus aus dem Jahr 1939 ist auf zwölf bis 18 Millionen Dollar geschätzt; es ist das letzte von zehn Porträts, die Balthus von seiner jungen Pariser Nachbarin Thérèse Blanchard schuf. Das Bild war zuletzt 2014 in der Ausstellung „Balthus: Cats and Girls“ im Metropolitan Museum in New York zu sehen und kommt marktfrisch aus der Sammlung von Dorothy und Richard Sherwood, in der es sich seit 1962 befand.

          Sotheby’s fährt bei seinem Abendtermin am 14.Mai insgesamt 56 Lose mit einer Gesamtschätzung von 255,6 bis 337,2 Millionen Dollar auf – zum Vergleich: Vor einem Jahr wurden mit 32 Losen 318,3 Millionen eingespielt. Das Spitzenstück ist ein in warmes Sonnenlicht getauchter Heuhaufen von Claude Monet. Er widmete den „Meules“ eine ganze Serie und stellte fünfzehn von ihnen im Jahr 1891 bei Durand-Ruel in Paris aus. Der jetzt angebotene, eingeliefert aus einer ungenannten Privatsammlung, soll „in excess of“ 55 Millionen Dollar einspielen. Erst vor zwei Jahren versteigerte Sotheby’s ein anderes Gemälde aus der Serie für 81,4 Millionen Dollar inklusive Aufgeld, das sich ehemals in der Sammlung von Potter Palmer befunden hatte. Aus einer japanischen Privatkollektion, in die es 1990 einging, kommt Picassos verspielte „Femme au chien“ (20/30 Millionen), einer von acht Picassos im Programm.

          Weitere Höhepunkte bei Sotheby’s sind „Femme en rouge“ von Chaïm Soutine (6/8 Millionen) und „Femme à sa toilette (Le peignoir)“ (4/6 Millionen) von Pierre Bonnard. Max Beckmann ist mit einem „Liegenden Akt in starker Verkürzung“ aus der Gerald L.Lennard Foundation Collection vertreten. Das Bild entstand 1948, kurz nach Beckmanns Emigration nach Amerika. Lennard kaufte es 2004 bei Sotheby’s in New York für 2,47 Millionen Dollar inklusive Aufgeld; nun soll es drei bis fünf Millionen Dollar kosten. Aus der Sammlung des 2018 gestorbenen Kupfer- und Aluminium-Magnaten Lennard kommen zudem weitere 36 Werke, die über die Auktionswoche verteilt sind – und die den von Sotheby’s seinen Investoren versprochenen Goldregen bescheren sollen.

          Selten sieht man in Auktionen Werke wie das Monumentalgemälde „La jeunesse de Bacchus“ des französischen Akademiemalers William Bouguereau, für das 25 bis 35 Millionen Dollar erwartet werden. Die bacchantische Szene nackt tanzender und musizierender Männer und Frauen ist mit mehr als sechs Meter Breite eher für ein Museum geeignet. Sie war seit der „Exposition Universelle“ 1889 nur noch einmal – Mitte der achtziger Jahre in Paris und Montreal – öffentlich zu sehen; die Nachkommen des Malers verkaufen sie nun.

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