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Christie's und Sotheby's : 730 Millionen Dollar

  • -Aktualisiert am

Die New Yorker Auktionen mit Impressionismus und Moderne setzen neue Maßstäbe: Für 78,5 Millionen Dollar wurde ein Klimt-Gemälde versteigert und Kirchners „Berliner Straßenszene“ brachte 34 Millionen. Lisa Zeitz über diesen „historischen Abend“.

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          Nach zweieinhalb Stunden am Auktionspult war Christie's-Auktionator Christopher Burge ausgelaugt und glücklich: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Es war vom Anfang bis zum Ende außerordentlich.“ Mit einem Gesamtvolumen von 491,472 Millionen Dollar für 84 Lose wurde das bisherige Spitzenergebnis für eine New Yorker Abendauktion mit Impressionismus und Moderne aus dem Jahr 1990 um mehr als 220 Millionen Dollar übertroffen, und alle Erwartungen waren in den Schatten gestellt: Das, obwohl wenige Stunden vor der Auktion eines der Spitzenlose, Picassos auf vierzig bis sechzig Millionen Dollar taxiertes Bildnis seines Freundes Angel Fernandez de Soto, „Der Absinth-Trinker“, aus der Sammlung des Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber aufgrund einer Restitutionsklage zurückgezogen wurde.

          Der Berliner Historiker Julius H. Schoeps, Nachkomme des ehemaligen Besitzers Paul Mendelssohn-Bartholdy, erhebt Anspruch auf das Gemälde, da es in den dreißiger Jahren verfolgungsbedingt verkauft worden sei. Ein amerikanischer Bundesrichter hatte die Klage in der vergangenen Woche zurückgewiesen und die Versteigerung erlaubt. Doch Schoeps' amerikanischer Anwalt kündigte eine Klage auf bundesstaatlicher Ebene an, woraufhin sich Webber und Christie's entschieden, das Bild erst zu verkaufen, wenn die juristischen Hürden aus dem Weg geräumt seien. Sie erwägen ihrerseits eine Schadenersatzklage gegen Schoeps.

          Videoübertragung

          Der Andrang zur Rekordauktion des Hauses Christie's an diesem verregneten Spätnachmittag war so groß, daß das Publikum neben dem Auktionssaal auf zwei weitere Räume mit Videoübertragung verteilt wurde. Mehr als 75 Journalisten, aus gegebenem Anlaß viele darunter aus Österreich und Deutschland, waren zuvor zu einer Pressekonferenz mit Maria Altmann geladen worden, der die fünf Klimt-Bilder - die goldene „Adele Bloch-Bauer I“ und die vier weiteren Gemälde, die danach zur Auktion kamen - von Österreich restituiert worden waren.

          Die neunzigjährige Dame war aus Kalifornien angereist und erschien, elegant in schwarzer Hose und einer Jacke mit paillettenglitzerndem Kragen, am Arm des lächelnden Christie's Chairman Stephen Lash. Sie gab gern auch in Deutsch Auskunft, doch auf die Frage, wie sie sich an diesem Abend vor der Auktion fühle, antwortete Frau Altmann in stark wienerisch gefärbtem Englisch „totally happy“. Trotzdem war ein leises Bedauern zu spüren: Die Entscheidung zum schnellen Verkauf der vier Gemälde hat sie nicht allein getroffen.

          Nicht enden wollende Bietgefechte

          Über jegliches Bedauern mögen sie aber im Lauf des Abends die sensationellen Ergebnisse hinweggetröstet haben. Vielleicht inspiriert von den 135 Millionen Dollar, die Ronald Lauder, der Mitbegründer der „Neuen Galerie für deutsche und österreichische Kunst“ in New York, vor wenigen Monaten in einem privaten Deal für Klimts „Goldene Adele“ gezahlt haben soll, kamen Gebote telefonisch aus aller Welt: So erzielte Klimts flimmernder „Birkenwald“ 36 Millionen Dollar (Taxe 20/30 Millionen), die bunten „Häuser in Unterach am Attersee“ 28 Millionen (18/25 Millionen) und der erntereife „Apfelbaum I“ in einer Blumenwiese 29,5 Millionen Dollar (15/25 Millionen).

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