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Bücher und Kunst : Gegen Teufel aller Art

Mit zwei Landschaften von Otto Dix und einer kompletten Folge von „Die neue Linksfront“: Vorschau auf die Auktion mit Bücher und Kunst in Berlin bei Hauff & Auvermann.

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          Am 12. Januar wartet das Berliner Auktionshaus Hauff & Auvermann im Rahmen seiner Versteigerung von Kunst und Büchern mit drei bisher unbekannten Arbeiten des Expressionisten Otto Dix auf. Das Porträt eines behelmten Grabenkämpfers in Deckfarben, das unübersehbare Ähnlichkeiten mit dem 1914 datierten Gemälde „Selbstbildnis als Soldat“ in der Städtischen Galerie Stuttgart aufweist, ist mit einer Schätzung auf 45.000 Euro ausgezeichnet. Harmloser muten zwei landschaftliche Motive aus der ersten Schaffensperiode von Otto Dix an, ein „Gartenrestaurant“ für 12.000 Euro und die wohl um 1909 entstandene „Waldstraße“ für geschätzte 20.000 Euro.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Als Spitzenlos der russischen Avantgarde erscheint eine mit 24.000 Euro bezifferte komplette Folge der von Wladimir Majakowskij herausgegebenen Literatur- und Kunstzeitschrift „Die neue Linksfront“, zu deren Mitarbeitern Alexander Rodtschenko, Warwara Stepanowa und Sergej Eisenstein gehörten. Auf 4500 Euro taxiert ist ein 1922 in Den Haag erschienenes Doppelheft von „De Stijl“, an dessen Gestaltung der vielseitige Russe El Lissitzky entscheidend mitwirkte. Einen unwiderstehlichen Blickfang bildet, für 900 Euro angeboten, die Neuausführung des 1923 von Kasimir Malewitsch suprematistisch dekorierten Tee-Services.

          Briefe von Hans Werner Henze

          Zum Geschenk für ranghohe Politchargen der NSDAP vorgesehen war eine in ziegelrotes Maroquinleder gebundene Ausgabe von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ mit handsigniertem Porträt des Verfassers. Die Taxe liegt bei 9000 Euro. Als Jüdin von den Nationalsozialisten verfolgt, emigrierte die expressionistische Schriftstellerin Else Lasker-Schüler 1939 nach Palästina. In Jerusalem kümmerte sich das Ehepaar Grete und Leopold Krakauer intensiv um den psychisch wie physisch erschöpften „Prinzen Jussuf“. Ihre Dankbarkeit gegenüber den hilfreichen Freunden brachte die Dichterin in zahlreichen zeichnerisch kommentierten Briefen zum Ausdruck. Ein Teil dieser bisher unveröffentlichten Autographen war bereits Bestandteil der Herbstauktion bei Hauff & Auvermann. Der aktuelle Nachschub von sieben weiteren Losen soll insgesamt 20.000 Euro einspielen.

          Einblicke in den Lebens- und Werklauf des am 27. Oktober 2012 in Dresden gestorbenen Komponisten Hans Werner Henze erlauben insgesamt 128 Briefe, die der erfolgreiche Opernschöpfer zwischen 1951 und 1968 an den befreundeten Musikkritiker Klaus Geitel richtete. Ebenso wie das parallel angebotene Arbeitsmaterial zur 1961 uraufgeführten „Elegie für junge Liebende“ kostet das Briefkonvolut 7500 Euro.

          Als teuerstes unter einigen verlockend illustrierten Pflanzenbüchern soll die Nürnberger Neuausgabe von Elizabeth Blackwells Kräuterbuch 20 000 Euro bringen. Phantastisch geformten Orchideen gelten Bildbände von James Bateman und Jules Linden, die 6000 Euro beziehungsweise 6500 Euro einspielen sollen. Ein kostbarer Einband von Jules Chadel schmückt die 1927 in Paris edierten Fabeln von Jean de La Fontaine, die auf 9000 Euro geschätzt sind. Furchtlose Naturen könnten Gefallen an einem 1569 in Frankfurt am Main erschienenen „Theatrum Diabolorum“ finden, einem Vademecum zum Kampf gegen Teufel aller Art, abrufbar bei 4000 Euro.

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