https://www.faz.net/-gqz-reuk

Bücher und Autographen : Kaminfeuer: Ergebnisse der Auktion bei Bassenge in Berlin

Briefe expressionistischer Maler sind gefragt: Franz Marcs um „5 Uhr am Kaminfeuer“ hinter den Schützengräben der Westfront geschriebener Brief an seine Frau Maria erreichte 5300 Euro (Taxe 2500 Euro).

          2 Min.

          Aufschlußreiche Handschreiben expressionistischer Maler sorgten in der Autographen-Versteigerung bei Bassenge in Berlin für bemerkenswerte Preissteigerungen. Vom Basler Erasmushaus übernommen, erzielte ein für 1800 Euro angebotener Brief von Paul Klee, in dem der Künstler seinen Rückzug aus Nazi-Deutschland ankündigt, 4600 Euro. Derselbe Bieter investierte 5300 Euro (Taxe 2500) in Franz Marcs „5 Uhr früh am Kaminfeuer“ hinter den Schützengräben der Westfront formulierten Brief an seine Ehefrau Maria. Konrad Felixmüllers Klage über die Unmöglichkeit, kostspielige Materialien zur Herstellung von Druckgraphik zu erwerben, stieg von 600 auf 1400 Euro, Karl Schmidt-Rottluffs euphorische Reaktion auf den geplanten Ankauf eines Gemäldes für das Museum in Hagen von 300 auf 1300 Euro.

          Camilla Blechen
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Als kulturhistorische Kostbarkeit erkannt und vom Berliner Handel mit 10 000 Euro (4500) honoriert wurden 180 lavierte Federzeichnungen, die der Architekt Gottlieb von dem Knesebeck zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Schlössern, Kirchen und Nutzbauten im nordeuropäischen Raum angefertigt hatte. Das Düsseldorfer Goethe-Museum erwarb für 1800 Euro (600) einen zornerfüllten Brief Daniel Chodowieckis, in dem sich der Berliner Zeichner gegen ehrenrührige Unterstellungen eines Verlegers wehrt. Das Potsdamer Fontane-Archiv wurde bei einem Porträtfoto mit angeschlossenem Zweizeiler Chodowieckis für 2600 Euro (1200) fündig. Dem Marbacher Deutschen Literatur-Archiv fiel für 1300 Euro (750) ein mit originalen Federzeichnungen von Erich Ohser (E. O. Plauen) geschmücktes Typoskript des „Gesang zwischen den Stühlen“ von Erich Kästner zu.

          Gegen hartnäckige Gebote der Wolfenbütteler Herzog-Anton-Ulrich-Bibliothek ersteigerte Berliner Handel für 10 000 Euro (5000) ein Exemplar des 1630 von Matthäus Merian in Frankfurt herausgebrachten Mitgliederverzeichnisses der „Fruchtbringenden Gesellschaft“. Bei 24 000 Euro (28 000) nach London verkauft wurde die erste italienische Ausgabe von Vitruvs Hauptwerk „De Architectura“. Die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz bewarb sich erfolgreich um die Dokumentation des ersten Aufstiegs eines Fesselballons in den Himmel über Mailand für 4000 Euro. Um „Die Fischreise“, ein Kinderbuch der Nichte Sigmund Freuds, stritten als fünf Interessenten: Von 1200 auf 5000 Euro gestiegen, fiel das unter dem Namen Tom Seidmann-Freud 1923 in Berlin veröffentlichte „Buch für eine andere Welt“ einem Münchner Sammler zu.

          Bei der Versteigerung von Künstlerbüchern erzielten Joseph Beuys' lithographierte Zeichnungen zu den „Codices Madrid“ von Leonardo (Manus presse, Stuttgart, 1975) mit 10 000 Euro (12 000) den Höchstpreis der Sektion. Ein Exemplar der „Alpinen Architektur“ von Bruno Taut, der die epochale „Hufeisensiedlung“ in Berlin-Britz entwarf, stieg von 1300 auf 3000 Euro. George Rodenbachs symbolistische Texte von 1895, „Les Tombeaux“ und „Les Vierges“, von Originalgraphik Pitcairn-Knowles' und Rippl-Ronais begleitet, wurden bei 5000 Euro (7000) vom amerikanischen Handel übernommen. Zum Schätzpreis von 2200 Euro wanderte Alfons Muchas „Ilsée, Prinzessin von Tripolis“ nach Turin ab.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Dortmunder sind alles andere als einverstanden mit den Entscheidungen von Schiedsrichter Felix Zwayer.

          Schiedsrichterdebatte beim BVB : Die Lehren aus dem Spitzenspiel

          Nach dem Sieg des FC Bayern beklagen die Dortmunder eine Ungleichbehandlung durch Schiedsrichter Felix Zwayer. Aus der Diskussion um seine Entscheidungen sollten nun zwei Überlegungen folgen.
          Demonstranten knien in Frankfurt vor einer Polizeikette

          Impfgegner und Anthroposophie : Höhere Einsichten dank Rudolf Steiner?

          Nach eigener Einschätzung verfügen sie über Spezialwissen, das allen anderen abgeht. Die Milieus der Anthroposophen und der „Querdenker“ haben viele Berührungspunkte. In der Pandemie macht das vieles schwerer.