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Auktionen bei Bassenge : Else räumt auf

Wie es dann doch zum vierten Teil von Nietzsches „Zarathustra“ kam und wer vom „übermenschlichen Arbeiten“ schreibt, erzählt die Vorschau auf die Auktionen mit Büchern und Autographen bei Bassenge in Berlin.

          Privat und geheim arrangierte Drucke von Schriften existentiell verunsicherter Dichter und Denker, eingebettet in die Offerte von 4000 Büchern und Autographen, erhoffen zwischen dem 15. und 18. April bei Bassenge in Berlin die Aufmerksamkeit der Fachwelt. Als Friedrich Nietzsches Chemnitzer Verleger Ernst Schmeitzner nicht bereit war, den umsatzschwachen ersten drei Teilen von „Also sprach Zarathustra“ den vierten und letzten Teil folgen zu lassen, entschloss sich der Autor für eine selbstfinanzierte Veröffentlichung in nur vierzig Exemplaren. Eines davon, der „verehrungswürdigen Freundin Malwida von Meysenbug“ - sie war eine Gönnerin des Philosophen - zugeeignet, dürfte bei einer Taxe von 15.000 Euro zahlreiche Sachkenner auf den Plan rufen.

          Gottfried Benn, den nach dem Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer 1938 ein Publikationsverbot ereilt hatte, riskierte 1943 eine illegale Edition von „Zweiundzwanzig Gedichten“, die er größtenteils an enge Freunde verteilte. „Den lieben Buschis nur zur alleinigen persönlichen Benutzung“ übergeben, soll eines der Widmungsexemplare 18.000 Euro einspielen. Von Else Lasker-Schüler höchstselbst vertrieben wurde die 1925 im Züricher Lago-Verlag erschienene „Anklage gegen meine Verlage - Ich räume auf!“. Zugegeben „auf Pump gedruckt“, wird die Philippika gegen mächtige Verleger wie Cassirer und Flechtheim neunzig Jahre später für tausend Euro angeboten.

          Unverkennbar die Handschrift des Surrealisten Hans Bellmer tragen sechs erotische Radierungen zu Georges Batailles „Nouvelle version“, deren Taxe 8000 Euro beträgt. Ebenfalls für 8000 Euro abrufbar sind zwölf signierte Grano-Lithographien, mit denen Joseph Beuys 1975 auf die Wiederentdeckung der „Codices Madrid“ von Leonardo da Vinci reagierte. Max Liebermanns 1923 im Propyläen-Verlag erschienene Lithographien zu Heinrich Heines „Rabbi von Bacherach“ sollen 3500 Euro einspielen.

          Im wohlbestückten Segment der Alten Drucke fesselt eine um 1280 zu datierende, französische „Perlschriftbibel“ im „Taschenformat“ von 14,7 mal 9,4 Zentimetern, taxiert auf 65.000 Euro. Etwas später entstand in Nordfrankreich ein Stundenbuch mit dreizehn Prachtseiten, auf denen die Darstellungen des Heilsgeschehens von Bordüren aus Akanthus, Dornenblättern und Blütenköpfen gerahmt werden (Taxe 50.000 Euro). Gleich mehrere Autoren, unter ihnen der Deutschordenspfarrer Ludwig Milichius, befassten sich zu Beginn der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Inkarnationen des Teufels in wechselnder monströser Gestalt (5000).

          Mit 4500 Euro beziffert, erscheint bei den Autographen Goethes Auftrag an einen weimarischen Hofbeamten, sich um die Lieferung von sechs Flaschen trockenen Madeiras, des Herrn Staatsministers Lieblingswein, zu kümmern. Kunsthistorische Aufmerksamkeit verdienen die für 6000 Euro angebotenen Briefe des preußischen Hofmalers Anton von Werner, dem Ende 1876 die Fertigstellung des Monumentalgemäldes der „Kaiserproklamierung“ wie ein „Alb auf der Brust lastet“. Im April 1885 berichtet der Archäologe Heinrich Schliemann aus Athen von seiner Erschöpfung durch „übermenschliches Arbeiten“, kündigt jedoch im selben Atemzug eine Reise nach Havanna und eine Grabungskampagne auf Kreta an: Für geschätzte 2500 Euro erfährt man darüber hinaus etwas über eine Medaillenverleihung in London und die Integration von Altertümern in das Berliner Völkerkundemuseum. Einen hohen zeitgeschichtlichen Wert besitzen die für 4500 Euro angebotenen Archivalien aus dem Nachlass des Widerstandskämpfers Friedrich Justus Perels, den der Volksgerichtshof am 2. Februar 1945 zum Tode verurteilt hatte.

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