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Bücher bei Reiss & Sohn : Alles Wissen der Zeit

  • -Aktualisiert am

Bei Reiss & Sohn in Königstein werden wertvolle Bücher versteigert. Darunter ist auch ein Exemplar der berühmten „Encyclopédie“ von Diderot und d’Alembert.

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          Die aktuelle Situation sorgt auch bei Reiss & Sohn in Königstein für eine Neuerung. Das Haus hat sich entschieden, für seine Frühjahrsauktionen den Termin vom 28. bis zum 30. April beizubehalten, aber die Versteigerung wird ohne Saalpublikum stattfinden. Neben der Möglichkeit, telefonische oder schriftliche Gebote abzugeben, können die Bieter zum ersten Mal über das Internet in Echtzeit mitsteigern. An der Spitze des Angebots mit rund 1350 Losen an Büchern, Handschriften und Drucken am 28. April steht eine Erstausgabe des „Discours de la methode“ von René Descartes. Das Werk, in dem das berühmte Zitat „Je pense donc je suis“ steht, erschien im Jahr 1637; die Schätzung liegt bei 60.000 Euro. Ein im selben Jahr ebenfalls bei Jan Maire in Leiden gedrucktes Exemplar, einst im Besitz des königlichen Bibliothekars Pierre Du Puy, wurde Anfang April bei Bassenge in Berlin für 75.000 Euro zugeschlagen.

          In der „Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ von Diderot und D’Alembert wollten die französischen Philosophen das gesamte Wissen ihrer Zeit versammeln. Für eine, bis auf die zwei Indexbände, vollständige Sammlung des 35 Bände umfassenden Mammutprojekts werden 20.000 Euro erwartet. An den kunstvollen Holzschnitten der „Schedelschen Weltchronik“ von 1493 soll auch der junge Albrecht Dürer mitgearbeitet haben: Es gibt sowohl eine lateinische Ausgabe in altem Kolorit (Taxe 30.000 Euro) als auch eine der selteneren deutschen Ausgaben, in teilweise altem Kolorit (50.000). Ebenfalls aus dem späten 15. Jahrhundert stammen zwei Stundenbücher, wahrscheinlich aus Rouen. Eines mit vierzehn großen und elf kleineren Miniaturen war für das Bistum Noyon bestimmt (12.000), das andere enthält neben einer blattfüllenden Miniatur fünf kleinere Miniaturen und prächtige Bordüren (10.000).

          Japanische Handschrift mit zoologischer Malerei, ca. 1. Hälfte 19. Jh. (8.000 Euro).
          Japanische Handschrift mit zoologischer Malerei, ca. 1. Hälfte 19. Jh. (8.000 Euro). : Bild: Reiss & Sohn, Königstein

          Für die Liebhaber botanischer und zoologischer Illustrationen des 18. Jahrhunderts sind einige Klassiker im Angebot: Darunter ist die vom deutschen Arzt und Apotheker Christoph Jacop Trew revidierte und erweiterte Ausgabe des „Kräuterbuchs“ von Elizabeth Blackwell, die 1750 bis 1773 erschien und 615 kolorierte Kupfertafeln in drei Bänden enthält (20.000). Eine holländische Ausgabe der „Insekten Surinams“ von Maria Sibylla Merian stammt aus dem Jahr 1730 mit neuerem Kolorit (15.000). Einen „Beytrag zur Naturgeschichte der Vögel“ leistete Joachim Spalowsky mit exotischen und einheimischen Vögeln vor landschaftlicher Staffage; zwei von sechs Bänden der einzigen Ausgabe 1790/92 enthalten neunzig kolorierte Kupfertafeln (15.000). Bemerkenswert ist eine japanische Handschriftenrolle der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Abbildungen von Fischen, Vögeln, Muscheln und Schlangen, samt ihren japanischen Bezeichnungen in Katakana kalligraphiert (8000).

          Am 29. April folgt die zweite Auktion mit etwa 1600 Losen zu Geographie, Reisen und Fotografie. Darunter finden sich der erste moderne Atlas von Abraham Ortelius, das „Theatrum orbis terrarum“ in der siebten lateinischen Ausgabe von 1584 (40.000) oder die 1615 erschienene Erstausgabe eines Berichts des französischen Diplomaten Henri de Beauvau über seine 1604 unternommene Reise in den Mittleren Osten (30.000).

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