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Brafa in Brüssel : Eklektizistisch und elegant

  • -Aktualisiert am

Paul Delvaux, „Le Balcon“, Öl auf Leinwand, 120,6 mal 90,2 Zentimeter, 2,9 Mio Euro bei Galerie Stern Pissarro, London. Bild: Stern Pissarro, London/VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Die Werke stammen aus den unterschiedlichsten Epochen, gezeigt wird Kunst, Kunsthandwerk und Design. Trotz der Vielfalt ist sie dabei schön überschaubar: Die Brafa spielt an der Spitze der Messen mit.

          Die Brafa ist eine der ältesten Kunstmessen der Welt. Sie wurde 1956 vom belgischen Antiquitätenverband gegründet – vor der ehrwürdigen Pariser Biennale, der hochkarätigen Maastrichter European Fine Art Fair (Tefaf) oder den Londoner Frieze Masters und Masterpiece. Nach und nach internationalisierte sich die ursprüngliche „Brussels Antiques& Fine Art Fair“, bis sie 2014 etwas nüchtern in „Brussels Art Fair“ umbenannt wurde. Das Akronym Brafa blieb bestehen, aber die Namensänderung sollte doch als ein Tribut an den Zeitgeist und an die Expansion der Messe gelten. Ihre Ausstellungsstücke umspannen wirklich Jahrtausende, gezeigt wird Kunst, Kunsthandwerk und Design aller Kulturen, von der Prähistorie bis zur Gegenwart. Seit 2013 leitet der Brüsseler Kunsthändler Harold t’Kint de Roodenbeke die Messe und setzt auf eine behutsame, aber stetige Weiterentwicklung. Von Jahr zu Jahr wächst die Zahl der Besucher, zuletzt 2018 waren es 65000, wobei mit gut 130 Händlern ein optimales Maß noch überschaubarer Vielfalt erreicht worden ist. Für ihre 64. Ausgabe kann die Brafa auch ganz gelassen von den Turbulenzen der Pariser Biennale profitieren und rückt im Spitzenfeld um eine Position nach vorn.

          Traditionell liegt das Übergewicht der Teilnehmer natürlich bei den Belgiern – in diesem Jahr 51 von 133 Galerien –, allerdings dicht gefolgt von immerhin 44 französischen Händlern. Aus Deutschland sind fünf Galeristen angereist. Die Ausstellungsfläche in den restaurierten Tour&Taxis Industriegebäuden wird nicht nach Kunstbereichen unterteilt: Denn eine Spezialität der Brafa ist der eklektizistische Mix, der Dialog zwischen den Kulturen und Zeiten. Axel Vervoordt, Spezialist für Inszenierungen aus Antwerpen, hat seinen offenen Stand mit antiken Fundstücken und zeitgenössischer Möblierung geschmückt. Der imposante Torso einer weiblichen römischen Figur in Tunika (290.000 Euro) wird dort mit einer „Compression“ in Wohnzimmergröße des französischen Bildhauers César konfrontiert (220.000 Euro).

          Pieter Breughel d. J., „Der König trinkt", ca. 1616, Öl auf Holztafel, 28.8x41.2inch
um 1 Mio. Euro bei Galerie Florence de Voldere, Paris. Bilderstrecke

          Am Stand der Brüsseler Händlerin Lin Deletaille hat jedes Werk eine starke Ausstrahlung für sich, dennoch funktioniert der Dialog, der zwischen den zeitgenössischen Masken aus Pappkarton von Lilian Daubisse, den Feder-Skulpturen von Carole Solvay – die wie eine Meereskoralle wirkende „Cnidaire“ kostet 14.500 Euro – und den präkolumbischen oder afrikanischen Objekten entsteht. Ein figürliches Maya-Gefäß aus Guatemala (um 250.000 Euro) wahrt seine kraftvolle Aura neben der Gips-Skulptur „Girl Walking out of the Ocean“ von George Segal (ebenfalls um 250.000 Euro).

          Altertum, Antiken und Stammeskunst sind seit jeher stark auf der Brafa vertreten. In der zum ersten Mal aus Marrakesch angereisten Galerie Ibis steht ein fein gemeißelter Kopf der mächtigen Löwen-Göttin Sachmet im Mittelpunkt; das große steinerne Fragment von etwa 1400 vor Christus kostet um die drei Millionen Euro. Die Galerie Eberwein aus Göttingen und Paris ist ebenfalls auf Ägyptologie spezialisiert. Wer ein Faible für Textilien hat, wird sich für die koptischen Stoffstücke begeistern, die mit wundervollen Mustern in ursprünglichem Farbzauber und vollendeter Webkunst aus dem 3. bis 8.Jahrhundert überkommen sind (von 1000 bis 10.000 Euro).

          Die weltweit höchste Konzentration an Sammlern

          Rund um Brüssel gäbe es, so sagt es vertraulich ein belgischer Kunsthändler im Gespräch, wahrscheinlich die weltweit höchste Konzentration an Sammlern. Immerhin feiert auf der aktuellen Brafa auch der nationale Kunsthändlerverband „Royal Chamber of Art Dealers“ sein hundertjähriges Bestehen. Die Galerie Florence de Voldère aus Paris ist auf alte nordische Meister spezialisiert und jedes Jahr in Brüssel dabei: Am Stand fällt eine großformatige turbulente Szene mit dem unmissverständlichen Titel „Der König trinkt“ von Pieter Bruegheld.J. auf; der Preis beträgt um eine Million Euro. Bei Stefan Brenske aus München lassen sich russische und griechische Ikonen-Gemälde bewundern und ihr Einfluss auf moderne Maler wie Kandinsky, Chagall oder Serge Poliakoff diskutieren. Die Preise für solche Ikonen können schon unter 5000 Euro beginnen und klettern, etwa für eine um 1500 gemalte, kretisch-italienische Jungfrau Glykophilousa, auf 50.000 Euro.

          In Brüssel finden sich belgische Maler, die man sonst nicht häufig zu sehen bekommt. Firmin Baes (1874 bis 1943) zum Beispiel, mit dem Porträt eines strickenden Mädchens für 38.000 Euro bei der Pariser Galerie Alexis Bordes. Der dem Surrealismus nahestehende Paul Delvaux erreicht längst Preise im Millionenbereich: Die Stern Pissarro Gallery aus London bietet das große Ölgemälde „Le Balcon“ aus dem Jahr 1948 für 2,9 Millionen Euro an.

          Die Moderne in Kunst und Design, längst auch die zeitgenössische Kunst, bilden einen Schwerpunkt der Brafa. Die Galerie aus Frankfurt feiert in diesem Jahr ihren 40.Geburtstag und bringt, neben ihren angestammten Surrealisten und Malern der Cobra-Gruppe, eine große figurative Leinwand von Jean Dubuffet für 2,2 Millionen Euro mit. Auf der Messe sollte man sich aber auch einmal auf einem Stand mit Kunstkammer-Stücken verlieren, etwa bei Porfirius aus Neerijse. Und Kuriositäten sind schließlich, das gehört zur Sammelleidenschaft, belgische Spezialität.

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