https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunstmarkt/botticellis-portraet-eines-jungen-mannes-bei-sotheby-s-versteigert-17169520.html

Auktion in New York : Botticellis Jüngling hält, was er verspricht

Bereit für die Versteigerung: Botticellis „Porträt eines jungen Mannes mit einem Medaillon“ Bild: AFP

Mehr als 80 Millionen Dollar hat Sotheby’s in New York für Sandro Botticellis „Porträt eines jungen Mannes mit einem Medaillon“ erhofft. In einer Live-Auktion erfüllt er die Erwartung, übertrifft sie aber auch nicht.

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          Bevor er Losnummer fünfzehn zum Aufruf bringt, nimmt der Auktionator vorsorglich einen Schluck Wasser. Mit der Erwartung von „mehr als achtzig Millionen Dollar“ hat Sotheby's in New York die 58,7 mal 39,4 Zentimeter große Tafel versehen. Es geht um eines der wenigen Sandro Botticelli fest zugeschriebenen Bildnisse: das „Porträt eines jungen Mannes mit einem Medaillon“, Experten zufolge um 1480 gemalt, in Tempera auf Pappelholz. Weite Wegen hat der schöne Jüngling, der im Dreiviertelprofil den Betrachter mit heiterer Gelassenheit anblickt, hinter sich. Von Florenz zog er erst in britischen, dann amerikanischen Privatbesitz, von wo aus er Ausflüge in Ausstellungen wie die Botticelli-Schau im Frankfurter Städel unternehmen durfte. Nun kommt er auf den Markt für Alte Meister, wo Atemberaubendes wie der Verkauf von Leonardos „Salvator Mundi“ (zugeschlagen 2017 für 400 Millionen Dollar 2017 bei Christie`s in New York) sich mit der der von Stars aus dem Pop- und Mode-Business auf Instagram kultivierten neuen Begeisterung für die Renaissance und den Barock kreuzen. Perfekte Voraussetzungen für eine wenigstens kleine Sensation, möchte man meinen.

          Vier Minuten bis zum Zuschlag

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Doch es kommt anders. Vielleicht hat man es schon als nicht so gutes Omen nehmen müssen, dass das zweite Spitzenlos der live gestreamten Auktion „Master Paintings & Sculpture I“ in New York zurückgezogen worden war: Rembrandts kleinformatiges Tafelgemälde aus amerikanischem Privatbesitz, das „Abraham und die Engel“ zeigt, immerhin auf zwanzig bis dreißig Millionen Dollar taxiert, war nicht mit dabei.

          Als nach einer guten halben Stunde der Auktion das Botticelli-Bildnis präsentiert wird, geht alles recht schnell. Aufgerufen bei siebzig Millionen Dollar entspinnt sich binnen Sekunden ein transatlantisches Gefecht zwischen den in New York und von London aus bietenden Sotheby's-Experten. Das Gemälde springt auf 78 Millionen in New York und landet gleich darauf mit achtzig Millionen Dollar in London. Kaum vier Minuten sind vergangen, als der Hammer fällt. Mit Aufgeld zahlt der ungenannte Käufer rund 92,2 Millionen Dollar. Für ihn am Telefon war Liija Sitnika, die für Russland zuständige Repräsentantin des Auktionshauses.

          Damit sichert sich das Bildnis immerhin den Platz des teuersten bei Sotheby's je versteigerten Alten Meisters und einen Rang im vorderen Bereich der Top Ten in diesem Segment bei Auktionen insgesamt. Doch man hat sich wohl mehr erhofft.

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