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Biographie eines Kunsthändlers : Rosi, Pic & Co.

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Paul Rosenberg war einer der führenden Pariser Galeristen für die Moderne. Seine Enkelin Anne Sinclair hat ein schönes Buch über ihn geschrieben.

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          Von 1860 bis 1960 war Paris unbestritten die weltweit maßgebliche Kunstmetropole. Dennoch wissen wir immer noch wenig über den Pariser Kunsthandel dieser Zeitspanne. Nur nach und nach werden die Spitzengaleristen der Klassischen Moderne - von Courbet und Manet bis zum Surrealismus - in Büchern und Ausstellungskatalogen gewürdigt: Ambroise Vollard oder Berthe Weill, Clovis Sagot oder Daniel-Henry Kahnweiler, die Durand-Ruels, die Bernheim-Jeunes oder die Wildensteins.

          Auch Paul Rosenberg gehörte zu dieser Crème de la Crème, doch erst jetzt wurde ihm ein für ein großes Publikum geschriebenes Buch gewidmet: Es ist in vieler Hinsicht ein sehr persönliches, von ihrem eigenen Leben geprägtes, aus vielerlei Schmerzen geborenes Buch, das Anne Sinclair vorgelegt hat. Mit Bildern aus dem Familienalbum und teils unveröffentlichten Quellen aus Archiven in Frankreich und in den Vereinigten Staaten zeichnet die Pariser Journalistin, die sich im vergangenen Jahr von ihrem Ehemann Dominique Strauss-Kahn getrennt hat, das Leben ihres Großvaters nach.

          Von Pressburg nach Paris

          Als Buchtitel dient die langjährige Pariser Adresse der Galerie Paul Rosenberg - 21, rue La Boétie - an einer Straße zwischen Rue du Faubourg Saint-Honoré und Gare Saint-Lazare im achten Arrondissement, die vor 1920 begann, der bis dahin dominierenden Kunsthändlerstraße Rue Laffitte den Rang abzulaufen. Die Rue La Boétie auf der Rive droite, so hieß es 1930, sei das Gegenstück zur Rue de Seine auf der Rive gauche. Zu ihren etwa zwanzig Galerien gehörten Bignou, Paul Guillaume und Jos.Hessel. Dass Pablo Picasso dort eine Weile lebte und arbeitete, hat weniger mit der ebenfalls dort tätigen Berthe Weill zu tun, die ihn (damals noch in der Rue Victor-Massé) zuerst verkaufte, als vor allem eben mit Paul Rosenberg, der ihn von 1918 an vertrat.

          Die Geschichte der aus Pressburg, dem heutigen Bratislava, stammenden, im 19. Jahrhundert in Paris heimisch gewordenen Familie Rosenberg erzählt Sinclair nach und nach, nicht linear. Ihr Ausgangspunkt ist eine Episode aus der Gegenwart, und es steht verständlicherweise im Vordergrund, was das Leben ihrer Vorfahren und damit deren Galerietätigkeit nachhaltig in Mitleidenschaft zog und erschütterte: Nationalsozialismus und Antisemitismus, Verfolgung und Raubzüge während des Zweiten Weltkriegs.

          Galerieräume mit Geschichte

          Ebenfalls Rosenberg hieß der Reichsleiter, dessen Einsatzstab mit dem berüchtigten Kürzel „ERR“ alles, was den deutschen Machthabern gefiel oder devisenträchtig erschien, mitgehen ließ. In enger Zusammenarbeit zwischen Deutscher Botschaft und dem „Judenreferat“ der Gestapo wurde die besetzte und restlos ausgeraubte Galerie 1941 zum Sitz des „Institut d’Études des Questions juives“, wie sich eine Zentrale für rassistische Propaganda zynisch nannte.

          Wo heute harmloser Einzelhandel betrieben wird, prangten an den Wänden ein Porträt von Maréchal Pétain und widerwärtige Schriftzüge. Zuvor aber hatte dort, seit 1910, die Avantgarde eine ihrer Hochburgen: Fotografien der - erst Anfang der dreißiger Jahre umfassend renovierten - Galerieräume zeigen vornehme Holzvertäfelungen und Wandbespannungen; schwere Ledersessel luden Kunden ein, sich vor einem Werk niederzulassen, um es in Ruhe und bequem zu betrachten - Gemälde des Kubismus oder Zeichnungen von Matisse.

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