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Gemälde von Rissa : Bilder mit Botschaften

„Wie lange noch Freiheit?“, 2021, 80 mal 100 Zentimeter (40.000 Euro). Bild: Die Galerie, Frankfurt/VG Bild-Kunst, Bonn 2021

„Ich male wieder“: Neue und ältere Bilder der deutschen Künstlerin Rissa in Frankfurt in der „Galerie“.

          2 Min.

          Es ist eine höchst eigenständige Malerei, die derzeit in Frankfurt zu betrachten ist in der Galerie von Peter Femfert, die schlicht „Die Galerie“ heißt. Die gezeigten Werke stammen von der Künstlerin, die sich seit 1964 einfach „Rissa“ nennt. Geboren wurde sie als Karin Martin 1938 in der Nähe von Chemnitz. 1953 verließ sie mit ihren Eltern aus politischen Gründen die DDR. Sie studierte an der Kunstakademie Düsseldorf von 1960 bis 1965 in der Klasse von K. O. Götz; zu ihren Kommilitonen zählten Sigmar Polke, Gerhard Richter und Franz Erhard Walther. 1965 heiratete sie ihren 24 Jahre älteren Lehrer, mit dem sie bis zu dessen Tod 2017 eine von intensivem geistigen Austausch geprägte Lebensgemeinschaft verband. Von 1969 bis 2007 unterrichte auch Rissa, zunächst als Dozentin, dann als Professorin an der Düsseldorfer Akademie.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Das Erstaunliche und Singuläre an Rissas Schaffen ist die Verbindung vom unbedingten Festhalten an der Figuration mit ihrer speziellen Anverwandlung von Farbfeldmalerei. Die klar voneinander abgesetzten farbigen Felder strukturieren als Binnenflächen ihre Gemälde. Das erinnert mitunter ein wenig an Andy Warhols rare „Paint-by-Number“-Serie von 1962, in der er der Spontanattitüde des Abstrakten Expressionismus mit dem Malen-nach-Zahlen eine erste, nur scheinbar naive Übung der Pop-Art entgegensetzte. Auf ihre Weise suchte Rissa schon Mitte der Sechzigerjahre einen eigenen künstlerischen Ausdruck, mit dem sie sich vom Informel, der Domäne auch von K. O. Götz, absetzte. Die gestischen Elemente erhalten sich bei ihr aber bis heute wie eine freundliche Hommage, in den frei gemalten Partien beleben sie als schwungvolle Elemente gern die farbigen Hintergründe.

          Bei Rissa gehen die Reminiszenzen an die Pop-Art eine höchst ipndividuelle Synthese mit Anklängen an den Surrealismus ein. Das beweisen die Arbeiten aus mehr als fünfzig Jahren, die jetzt in der Galerie versammelt sind — rund dreißig Gemälde, Grafiken und Zeichnungen. Dabei mischt sie sich mit der Wahl ihrer Sujets immer wieder ein in gesellschaftliche Themen, stellt herrschende Ordnungen infrage, Konventionen im Ge­schlechterverhältnis, im Umgang mit anderen Kulturen, mit der Natur oder den Tieren.

          Für „Hunger“ von 1966 beißt vor knallblauem Hintergrund eine Nonne in ein Würstchen; die einschlägigen Assoziationen gehörten zu Rissas Kalkül. „Vanitas“ aus dem Jahr 1997 zeigt einen weiblichen Torso, die Hände an den Oberschenkeln, eingepackt in ein Schnürkorsett; eine gelbe Knochenhand bewegt sich auf Höhe der Scham. Die poppige Anmutung des 160 Zentimeter hohen Gemäldes steht im spannungsvollen Kontrast zur deutlichen Ansage. Ähnlich funktioniert auch das 2021 entstandene „Wie lange noch Freiheit?“. Der freundlich-melancholische Affe, der die Frage zu stellen scheint, befindet sich — noch, so meint es Rissa — vor den drei Gitterstäben, die ihn von uns, den Betrachtern hinter dem Zaun, trennen. Den ganz aktuellen Bezug stellt die Serigraphie „Fledermaus spuckt oder schluckt“ aus diesem Jahr her, die dem Tier das Covid-19-Virus ins offene Maul steckt (Auflage 30; 800 Euro).

          „Ich male wieder“, so der Titel der Schau, bedeutet nicht, dass Rissa während der Ehe mit K. O. Götz nicht künstlerisch tätig war, sondern meint die Wiederaufnahme der Malerei nach der Zeit, in der sie sich seiner Pflege im hohen Alter gewidmet hatte. Begleitet wird Rissas Auftritt von einer Kabinettausstellung mit Gemälden und Papierarbeiten von K. O. Götz. (Preise für Rissas Bilder von 35.000 bis 150.000 Euro. Bis zum 3. November.)

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