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Pariser Kunstmarkt : Nichts ist so schön, wie in Frankreich auf den Markt zu geh’n

  • -Aktualisiert am

In Paris bestätigt das erste Halbjahr einen florierenden Auktionshandel mit weiterhin steigenden Umsätzen: Es gab Überraschungen und neue Rekordpreise.

          Im letzten Jahr konnte Christie’s mit Alberto Giacomettis „Grande Femme II“, die bei 22 Millionen Euro zugeschlagen wurde, das Toplos im französischen Auktionsmarkt bescheren. Mit einem Rekordumsatz ließ das Londoner Unternehmen von François Pinault die Mitstreiter im Spitzenfeld, Sotheby‘s und Artcurial, ein Stück weit hinter sich. Im ersten Halbjahr 2018 wendet sich nun – vorerst – das Geschick. Sotheby‘s rückt wieder vor und steigert seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent auf 127 Millionen Euro.

          Vor allem aber sorgte das amerikanische Auktionshaus für siebzehn Weltrekorde und mindestens eine große Überraschung. Im vergangenen Juni entbrannte bei der Asiatika-Auktion ein zwanzigminütiges Bietergefecht um eine Vase der Qing-Dynastie, die bei Sotheby’s in einem Schuhkarton eingeliefert worden war, und trieb das wundervoll bemalte Porzellangefäß auf stolze 14,2 Millionen Euro. Die Taxe hatte zwischen 500.000 und 700.000 Euro gelegen. Das Auktionswunder trug mit dazu bei, dass Sotheby’s nun das beste Semester seit seinem Einstieg in den französischen Markt im Jahr 2001 feiern kann.

          An zweiter Stelle folgt Artcurial mit einer Steigerung von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einem Umsatz von 118 Millionen Euro, wobei allerdings die Automobil-Auktionen inbegriffen sind, während die Juli-Auktionen nicht einbezogen wurden. Christie’s folgt mit knapp 100 Millionen Euro auf dem dritten Platz.

          Ein performenceartiger Farb-Tanz

          Bei den Juni-Auktionen für zeitgenössische Kunst lag Sotheby’s ebenfalls an der Spitze und erreichte mit 45,5 Millionen Euro das bislang höchste Ergebnis in Frankreich. Zum überraschenden Toplos wurde ein Gemälde von Kazuo Shiraga aus dem Jahr 1959. Elf Bieter aus neun verschiedenen Ländern ließen die Zahlen an der Preistafel wirbeln, bis das Gemälde „Takao“ beim Rekordpreis von 7,6 Millionen Euro abgegeben wurde und damit die Schätzung von 1,8 bis 2,5 Millionen weit übertraf.

          Der japanische Künstler Shiraga entwickelte mit der Avantgarde-Gruppe Gutai – der Name setzt sich aus „Gu“ für Instrument und „Tai“ für Körper zusammen – Mitte der fünfziger Jahre eine neue Annäherung an die Malerei. Gutai ging es, ähnlich wie den amerikanischen Expressionisten, darum, den gesamten Körper in die Geste des Malens einzubeziehen. Kazuo Shiraga breitete seine Bildunterlagen auf dem Boden aus und malte mit den Füssen dickflüssige Farbspuren in spontanen, intuitiven Bewegungen auf Papier oder Leinwand. So entstand ein performanceartiger Farb-Tanz auf dem Gemälde. „Takao“ ist nicht nur wegen seiner Größe ein außergewöhnliches Werk, es gehört vor allem zu den ersten auf Leinwand.

          Auch das Gemälde „21.03.69“ von Zao Wou-Ki, dem derzeit eine beeindruckende Ausstellung im Musée d’Art Moderne de la ville de Paris gewidmet wird, überflügelte bei Sotheby’s mit 3,5 Millionen Euro die obere Taxe. Ein Gemälde von Nicolas de Staël, das seit seinem Entstehen im Jahr 1953 immer in derselben Sammlung verblieben war, verdoppelte nahezu seine obere Erwartung. „Pot à raies“, eine türkis-blau und weiß gestreifte Tonvase vor einem changierenden rot-orangen Hintergrund, kletterte auf 1,85 Millionen Euro.

          Inspiriert durch van Gogh

          Ein anderes Meisterwerk von Nicolas de Staël kam im Juni bei den Gegenwartsauktionen bei Christie’s zur Versteigerung. „Fleurs“ gehört zu den ersten und größten einer Reihe von einunddreißig Blumenstillleben, die der Künstler 1952 und 1953 malte. Er hatte zuvor im Pariser Musée de l’Orangerie eine Van-Gogh-Ausstellung gesehen. Das Gemälde einer Vase mit Rosen packte ihn derart, dass er sich ganz entgegen dem abstrakten Mainstream seiner Zeit an das klassische Sujet der Blumenstillleben wagte. Allerdings ganz im de Staëlschen Sinne: Im Vordergrund steht weniger der figurative Gegenstand als vielmehr die durchaus abstrakte Frage der Farbe als Konsistenz und Lichtvibration. Bei einer Taxe von 3,5 bis 5,5 Millionen Euro erzielte das außergewöhnliche Gemälde 7,2 Millionen Euro.

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