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Bilanz der Auktionshäuser : Nicht der große Glanz

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Jonas Wood, „The Speller“, 2007, Öl auf Leinwand, 198,1 mal 248,9 Zentimeter. Zuschlag bei Sotheby’s: 1,7 Millionen Dollar Bild: Sotheby’s

Die Jahreszahlen für 2019 von den Auktionshäusern Christie’s, Sotheby’s und Phillips sind immerhin gediegen. Dass 2020 eine Herausforderung neuer Größenordnung bereithält, war unvorhersehbar.

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          Im Dezember sah das Auktionsjahr 2019 im Rückblick wenn nicht besonders erfolgreich, so doch solide aus. Die Auktionsumsätze gingen 2019 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Ein positives Signal lieferten starke Verkaufsraten, bei Christie’s zum Beispiel lagen sie im Durchschnitt bei 81 Prozent. Die Nachfrage nach Spitzenqualität war durchaus da, doch die Akquise gestaltete sich schwierig.

          Es kamen nicht viele herausragende Sammlungen unter den Hammer, und weniger Lose oberhalb der Zehn-Millionen-Grenze wurden vermittelt. Viele Einlieferer waren über die wirtschaftlichen Aussichten und die Stabilität der Finanzmärkte besorgt, nicht nur wegen der volatilen Handelsbeziehungen zwischen Amerika und China oder dem Brexit. Deshalb wählten sie immer öfter die als sicherer erscheinende Option eines private sale. Das wird sich in diesem Jahr bestimmt fortsetzen, angesichts der steigenden Anzahl verschobener oder abgesagter Auktionen.

          Das kleinere Haus Phillips verzeichnete 2019 wohl den geringsten Umsatzrückgang: von 916,5 Millionen im Jahr 2018 auf 908 Millionen Dollar. Christie’s setzte 2019 insgesamt 5,8 Milliarden Dollar um, 2018 waren es stolze sieben Milliarden. Sotheby’s, seit Oktober 2019 in privater Hand, gab seinen Gesamtumsatz zum ersten Mal nicht bekannt.

          Globaler Umsatz gesunken

          Dass er unter dem des Vorjahrs von 6,4 Milliarden Dollar liegt, erscheint klar. Denn im Jahr 2018 setzte Sotheby’s – nur mit Auktionen – 5,3 Milliarden Dollar um, 2019 waren es dagegen 4,8 Milliarden Dollar, während der Umsatz durch private sales in etwa konstant blieb. Auktionsverkäufe machten bei Christie’s 2019 etwa fünf Milliarden Dollar am Gesamtumsatz aus, 2018 waren es noch 6,3 Milliarden Dollar. Phillips spielte mit den Auktionen, ohne Privatverkäufe, 736 Millionen Dollar ein, gegenüber 794,3 Millionen 2018.

          Dem aktuellen „Art Market Report“ von Art Basel und UBS zufolge wurden 2019 weltweit 35 Prozent weniger Kunstwerke (nach Anzahl) oberhalb von zehn Millionen Dollar versteigert als 2018: Der Umsatz in dieser Preiskategorie brach um 29 Prozent ein. Insgesamt sank der globale Umsatz mit Auktionen um siebzehn Prozent auf 24,2 Milliarden. Die Mehrzahl der wenigen substantiellen Sammlungen, die auf den Markt kamen, konnte sich Christie’s sichern; allein die Kollektion von S.I. Newhouse erzielte 237,9 Millionen Dollar. Zu den Erfolgen zählt auch ein neuer Rekord für den teuersten lebenden Künstler: Der Käufer blätterte in New York 91,07 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) für eine silberne „Rabbit“Skulptur von Jeff Koons hin. Die meisten Lose in der Kategorie „Impressionismus und Moderne“ kamen 2019 – erwartungsgemäß – von Picasso.

          Mit insgesamt 502 verkauften Objekten trug Picasso stolze 26 Prozent zum Gesamtumsatz in dieser Kategorie bei. Jean Renoir und Pierre Matisse folgten in weitem Abstand mit 41 und vierzig Werken. Insgesamt 51236 Lose wurden, über alle Abteilungen und Verkaufskanäle verteilt, 2019 von Christie’s verkauft. Das sogenannte „Luxury“Segment – Handtaschen, Schmuck, Uhren und Wein – steuerte 639 Millionen Dollar zum Gesamtumsatz bei.

          Sotheby's bei Privatverkäufern mit Vorsprung

          Sotheby’s konnte dafür das teuerste Los des gesamten Jahres verkaufen und damit einen neuen Weltrekord für ein Werk des Impressionismus aufstellen: Claude Monets Heuhocken „Meules“ von 1890 erzielten 110,7 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld). Rekorde wurden von Sotheby’s außerdem für Charles White, Yoshitomo Nara, Banksy, Lee Krasner und Tamara de Lempicka gemeldet. Auch mit seinem allein in Asien erzielten Auktionsumsatz von 936 Millionen Dollar lag Sotheby’s vorn, zum vierten Jahr in Folge: Asiatische Käufer trugen dreißig Prozent zum weltweit mit Saalauktionen erzielten Umsatz von Sotheby’s bei.

          Zuwächse gab es zudem in den Kategorien Design, Wein und Uhren. Zwar wurden die Zahlen nicht bekanntgegeben, aber es ist anzunehmen, dass der Auktionsumsatz in London wegen des Brexits fiel. Dagegen stieg er für Sotheby’s in Frankreich, um 41 Prozent auf 395 Millionen Dollar. Weltweit versteigerte Sotheby’s insgesamt mehr als 55000 Objekte, verteilt über mehr als 400 Saal- und Online-Auktionen.

          Bei den private sales hinter verschlossenen Türen hat Sotheby’s einen Vorsprung. Die Firma erwirtschaftete in diesem Segment 990 Millionen Dollar, nah an der einen Milliarde Dollar von 2018. Privatverkäufe stiegen bei Sotheby’s zwischen 2017 und 2018 um 37 Prozent, und sie stellten 2019 ganze siebzehn Prozent des Gesamtumsatzes dar. Christie’s erwirtschaftete 2019 mit privaten Vermittlungen 811 Millionen Dollar, das sind fünfzehn Prozent des Umsatzes. Phillips setzte mit private sales 171,8 Millionen Dollar um, ein Anstieg um 34 Prozent; sie machten damit neunzehn Prozent des Jahresumsatzes von Phillips aus.

          Dort hält man – wie bei den beiden Konkurrenten – auch regelmäßig Verkaufsausstellungen mit festen Preisen ab. Sotheby’s veröffentlichte außerdem eine interessante Statistik: Die Hälfte aller private sales sind zeitgenössische Kunstwerke, und die Künstler, die in den letzten drei Jahren am häufigsten privat vermittelt wurden, sind Jonas Wood, Yayoi Kusama, George Condo, Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat, Kaws und Alexander Calder. Auch im digitalen Bereich gab es bei allen drei Häusern Zuwächse. Phillips etwa verkaufte online im Wert von 75 Millionen Dollar, eine Steigerung um fünfzig Prozent. Das Haus plant, die Zahl der Online-only-Auktionen von sieben auf etwa fünfzehn in diesem Jahr auszubauen.

          Wie wird der Rest dieses Jahres aussehen? Die großen Mai-Auktionen in New York stehen – noch – im Kalender; dort wird es auf die Qualität des Programms ankommen. In London wird es keine Sommersaison mit Moderne und Zeitgenossen geben. Die Herbstauktionen in London und New York könnten also vollgepackt sein, wegen der angestauten Nachfrage. Doch sie werden mit den vielen auf den Herbst verlegten Messen konkurrieren müssen.

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