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Beschlagnahmte Kunst : Genug gereist!

  • -Aktualisiert am

Könnte das Fabergé-Ei bergen: Die beschlagnahmte Jacht „Amadea“ gehört offiziell einer Briefkastenfirma, tatsächlich aber wohl einem russischen Oligarchen. Bild: dpa

Was in diesem Sommer schon alles beschlagnahmt wurde: ein mutmaßlicher Picasso, ein angebliches Fabergé-Ei und ein Artemisia Gentileschi zugeschriebenes Gemälde. Heiße Ware – oder nur heiße Luft?

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          Nicht nur Menschen, auch Kunstwerke sind dieser Tage reiselustig, und manches entpuppt sich dabei als sommerlich heiße Ware, die ihren Weg nicht fortsetzen darf. Etwa eine Picasso zugeschriebene Zeichnung, für die wegen Schmuggel-Verdachts Endstation auf dem Flughafen Ibiza war. Ein Schweizer Passagier hatte das Bild mitgeführt und dem Zoll eine handschriftliche Rechnung über 1500 Schweizer Franken vorgelegt. Rührender Versuch, mögen die von eidgenössischen Kollegen gewarnten iberischen Beamten gedacht haben, denn im Gepäck fanden sie eine zweite Rechnung – über 450.000 Franken. Das liegt weit oberhalb der Grenze für nicht deklarationspflichtige Waren. Ausgestellt war das Dokument von einer Schweizer Galerie, die das Bild als „Trois personnages“ von 1966 bezeichnet. Der Zoll beschlagnahmte das Werk, nun wird es geprüft.

          Auf womöglich noch Wertvolleres im mehrstelligen Millionenbereich sind derweil amerikanische Ermittler gestoßen. Sie fanden auf einer russischen Oligarchen-Yacht, die in den Gewässern der Fidschi-Inseln festgesetzt und vor die Küste Kaliforniens gebracht worden war, ein womöglich echtes Fabergé-Ei. Welches Luxusschiff es barg, verrät die stellvertretende Generalstaatsanwältin nicht, doch es spricht viel dafür, dass sie es mit der 235-Millionen-Dollar-Yacht „Amadea“ zu tun hat, die womöglich Suleiman Abusaidowitsch Kerimow gehört. Sicher ist das nicht: Offiziell gehört das Schiff einer Briefkastenfirma auf den Kaimaninseln.

          Picasso im Gepäck? Die Zeichnung „Trois personnages“ wird nun geprüft.
          Picasso im Gepäck? Die Zeichnung „Trois personnages“ wird nun geprüft. : Bild: EPA

          Aus altapulischen Familienbesitz stammt hingegen ein Gemälde, das von Carabinieri eskortiert die Rückreise aus Wien nach Bari antreten musste. Die Barockmalerin Artemisia Gentileschi soll die Darstellung der „Caritas Romana“ um 1643 geschaffen haben, die beim Dorotheum hätte verkauft werden sollen. Das Werk kam weder zur Auktion, noch wurde es in einem „Private Treaty“ angeboten, wie das Auktionshaus in einer Stellungnahme unterstreicht. Inzwischen ist an solcherlei ohnehin nicht mehr zu denken: Die italienischen Behörden beschlagnahmten es wegen womöglich illegaler Ausfuhr. Medien im Belpaese jubeln über die „Rettung“ des Kulturguts, dabei hatte das Bild 2019 – als in der Zuschreibung noch Onofrio Palumbo als möglicher Schöpfer oder Mitschöpfer auftauchte – eine Ausfuhrgenehmigung erhalten, die ein Jahr später widerrufen wurde. Doch wer weiß? Vielleicht ist der mutmaßliche Picasso nur eine Kopie, das angebliche Fabergé-Ei ein Fake und die sogenannte Gentileschi ein Palumbo. Nicht nur im Sommer muss man damit rechnen, dass Erwartungen sich in heiße Luft auflösen können.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

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