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Berlin Art Week : Die Messe als Mitte des Netzwerks

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Vor allem eine gute Zeit haben: Berlin stürzt sich wieder in seine Art Week. Und abc heißt Art Berlin Contemporary – und ist durchaus ein Angebot.

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          In der Berlinischen Galerie konnte man am Dienstagabend einen spürbar gelösten und beglückten René Block erleben. Der dreiundsiebzigjährige Ausstellungsmacher, der von 1964 an in der Schöneberger Frobenstraße Sigmar Polke, Gerhard Richter und Joseph Beuys zeigte und 1967 den Kölner Kunstmarkt mitbegründete, die weltweit erste Messe für zeitgenössische Kunst, der Beuys nach New York brachte und Fluxus auf den Kunstmarkt, der internationale Biennalen kuratierte und bis heute Unterstützer und Mitgestalter der türkischen Kunstszene ist, wurde von seinem Weggefährten Kasper König in einer sehr persönlichen Rede gewürdigt. „Hier könnt ihr noch was lernen!“, rief König den Jüngeren zu.

          Selbst in Berlin ist der stille, zurückhaltende Block kaum bekannt, und so ist es ein Glücksfall, dass die Berlinische Galerie und der Neue Berliner Kunstverein Blocks Sammlung und Archiv öffnen, und damit auch die Geschichte des Kunststandorts Berlin. Die lebendig inszenierte Archivausstellung in der Berlinischen Galerie bietet Einblick in das Leben einer Szene, die ohne Geld zwischen Berlin, Düsseldorf und New York agierte, bevor ihre Mitglieder zu Klassikern wurden. Dort findet sich auch eine großformatige, nachlässig ausgeführte Skizze von Allan Kaprow für seine „Sweet Wall“, eine provisorische Mauer mit Toast und Marmelade als Mörtel, die der Schöpfer des Begriffs Happening als DAAD-Stipendiat im November 1970 nahe der Berliner Mauer aufbauen und umstürzen ließ.

          Dreißig Sammler auf zehntausend Künstler

          Zwei Dutzend Menschen packten damals an und waren ihr eigenes Publikum. Wenn heute ein paar hundert Meter weiter, auf der Terrasse der wegen Renovierung ruhenden Neuen Nationalgalerie, zur Eröffnung der Berlin Art Week freiwillige Helfer Kaprows temporäre Skulptur „Fluids“ aus Eisblöcken errichten, dann kommt halb Berlin vorbei. In den sechziger Jahren sollte die Ware Kunstobjekt im Ereignis aufgehen. Heute ist das Event selbst zur Ware geworden auf einem immateriellen Markt der Markenwerte, dessen Umfang den Handel mit Kunst übersteigt – zumindest in Berlin, wo auf zehntausend Künstler vielleicht dreißig Sammler kommen.

          Die im dritten Jahr stattfindende Berlin Art Week soll zur Messe abc (Art Berlin Contemporary) die Kunststadt fest im Reiseplan der internationalen Kunstwelt einschreiben. Die 280.000 Euro, die der Wirtschaftssenat einst der Messe Artforum zuschoss, gehen in Koordination und Marketing, und 500.000 Euro werden auf drei öffentliche Institutionen verteilt, um zusammen mit der Deutsche-Bank-Kunsthalle Beiträge für das diesjährige Thema „Stadt/Bild“ zu realisieren. Die Nationalgalerie ließ jeden Tag Berliner Künstler Kaprows Eisblock-Arbeit interpretieren. Am schönsten gelang das einer Gruppe um die Malerin Antje Majewski, die auf einer Rasenfläche am Hauptbahnhof unbenutzte Haushaltsgegenstände aufstapelte, um sie von Anwohnern und Flüchtlingen abtragen zu lassen.

          Die Konzentration des internationalen Markts, der Galerien zwingt, entweder zu wachsen oder vor sich hinzudümpeln, zeigt sich auch in Berlin, wo Esther Schipper nach ihrer Übernahme der Johnen Galerie auf der abc den ersten gemeinsamen Messeauftritt hat und wo die Galerie Sprüth/Magers, die gerade nach Los Angeles expandiert, mit dem Sammler Thomas Olbricht ein international besetztes Riesenessen schmeißt. Der Architekt Arno Brandlhuber feiert mit James Franco in einer Berliner Eckkneipe gleich um die Ecke von Werner Düttmanns Betonkirche St.Agnes, die Brandlhuber für Johann König zur Galeriehalle umgebaut hat. Der zeigt eine riesige Rauminstallation der Künstlerin Camille Henrot, die sich die Sammlerin Julia Stoschek [...] gesichert hat. Stoschek, frisch im Vorstand der Kunst-Werke, will in Berlin neue Räume eröffnen und erwägt, zu bauen. Berlin 2015, das heißt: Eine Galerie kann zwei Abende hintereinander in den besten Restaurants die Künstler dieser Stadt neben Sammler setzen, während deren Galeristen selbst sich gerade so den Sektempfang leisten können.

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