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Benin-Bronze aus Mosse-Besitz : Kopf der Königin

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In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Sammlung Rudolf Mosses zwangsversteigert und in alle Winde zerstreut. In Würzburg kommt nun eine Benin-Bronze aus dieser Sammlung zum Aufruf.

          Vor den Kunstraubzügen der Nationalsozialisten waren auch außereuropäische Artefakte nicht sicher. Unter Tausenden von Bildern, Skulpturen und anderen Objekten, die Rudolf Mosse (1843 bis 1920), der große jüdische Zeitungsverleger und Herausgeber des „Berliner Tageblatts“ gesammelt hatte, stahlen die staatlich beauftragten Räuber auch Bronzewerke aus Benin. Vom Exil aus mussten Mosses Erbin Felicia Lachmann-Mosse und ihr Mann Hans erleben, wie das Verlagsimperium zerschlagen, ihr Besitz konfisziert und die Kunst versilbert wurde. Eine Zwangsversteigerung bei Rudolph Lepke in Berlin zerstreute 1934 rund vierhundert Stücke in alle Winde.

          Auch elf Benin-Bronzen führt der Lepke-Katalog, neben neun Reliefs die Gedenkköpfe eines „Oba“, eines Königs des im heutigen Nigeria liegenden Benin-Reichs, und einer Königinmutter „uhunmwun eloo“. Sie trägt den typischen hoch bis zum Mund reichenden Kragen, Schmucknarben auf der Stirn und ein spitzes Haarnetz aus Korallenperlchen. Jetzt ist dieser weibliche Kopf wieder aufgetaucht. Das auf Stammeskunst spezialisierte Auktionshaus Zemanek-Münster in Würzburg identifizierte ihn als das Mosse-Stück bei Provenienzrecherchen und anhand einer erst vor wenigen Jahren eingerichteten Datenbank für Benin-Kunst. Zu Zemanek gelangte er mit einigen Afrikana aus dem Nachlass der 1995 gestorbenen Gerda Bassenge, sie erwarb ihn 1966 in ihrem eigenen Berliner Auktionshaus.

          Gütliche Einigung zwischen den Erben

          Von Zemanek-Münster in die Wege geleitete Restitutionsverhandlungen brachten eine gütliche Einigung zwischen den Mosse- und den Bassenge-Erben, so dass der Kopf am 10. März in Würzburg versteigert werden kann; die Taxe lautet auf 40 000 bis 80 000 Euro. Benin-Bronzen sind Raritäten auf dem Kunstmarkt. Die Forschung datiert die ältesten königlichen Bronze-Häupter ins frühe 16. Jahrhundert – sie liegen im Millionenbereich, wenn sie denn je auf den Markt kommen. Doch die meisten noch existierenden Köpfe stammen aus dem 19. Jahrhundert und gelangten nach der brutalen Strafexpedition der Engländer von 1897 nach Europa. Spätere Stücke gelten als Kopien oder Fälschungen. Laut einer kürzlich durchgeführten Thermolumineszenz-Analyse sollte der Kopf der Mosse-Sammlung mit einem Alter von etwa 175 Jahren im grünen Bereich liegen. Unter den Stücken, die den amerikanischen Erben Mosses bereits restituiert wurden, waren Werke von Reinhold Begas, Leibl, Menzel oder Carl Blechen und Ludwig von Hofmann (F.A.Z. vom 1. und 29. Juni 2016).

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