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Bauhaus-Jubiläum : Der Sturm macht sich stark für das Bauhaus

  • -Aktualisiert am

Paul Klee: Maske, 1921, Aquarell. Das Blatt fand 1921 erst im Nachverkauf einen Abnehmer. Bild: Berlinische Galerie

Eine Benefiz-Auktion in Herwarth Waldens Berliner Galerie bietet im Dezember 1921 Werke heute berühmter Künstler auf

          Die heute nahezu mythische Aura, die das Bauhaus umgibt, lässt fast vergessen, mit welchen Widrigkeiten die Reformhochschule in ihren ersten Jahren nach der Gründung im April 1919 in Weimar zu kämpfen hatte: Konservative Kräfte polemisierten und intrigierten, der thüringische Freistaat jammerte, dass er „kulturelle Lasten trage in einer Höhe wie kein anderes deutsches Land“, und den Bauhäuslern fehlten finanzielle Mittel an allen Ecken und Enden. Der Bauhausgründer und -direktor Walter Gropius schlug daher 1921 eine Benefiz-Auktion vor, um die akute Finanznot zu lindern. Jeder der Bauhaus-Meister sollte dazu eigene Werke spenden, die meistbietend versteigert werden sollten. Als Ort der Auktion war Herwarth Waldens legendäre Galerie „Der Sturm“ in der Potsdamer Straße in Berlin vorgesehen.

          Mit Lothar Schreyer, der seit 1921 in Personalunion Schriftleiter der von Walden herausgegebenen gleichnamigen Zeitschrift und Bauhaus-Meister in Weimar war, hatte Gropius einen idealen Vermittler gefunden. „Herr Schreyer war so freundlich, mit Ihnen direkt unsere Versteigerungs-Angelegenheit zu besprechen, deren Ergebnis dem Bauhaus zufließen soll“, wandte sich Gropius Anfang November 1921 an Walden: „Ich möchte Ihnen nun heute unseren ganz besonderen Dank dafür aussprechen, dass Sie in so freundschaftlicher und großzügiger Weise helfen wollen. Seit zwei Jahren versuche ich es, Kapitalisten für unsere Sache zu gewinnen – überall mit demselben Misserfolg. Darauf wendeten wir uns an die Künstler, und siehe da, es gaben alle.“

          Oskar Schlemmer: Relief JG, I, 1919/21, Gips, farbig gefasst, Nationalgalerie Berlin: Der Dresdner Sammler Fritz Glaser erwarb das Relief 1921 für 1.500 Mark

          Innerhalb weniger Wochen wurde die Auktion vorbereitet. Die Bauhaus-Meister Lyonel Feininger, Johannes Itten, Paul Klee, Gerhard Marcks, Georg Muche, Oskar Schlemmer und Lothar Schreyer stifteten Werke. Walter Gropius übernahm die Pressearbeit. An die dem Bauhaus wohlgesinnten Kulturredakteure der „Frankfurter Zeitung“, des „Berliner Tageblatts“, des „Berliner Börsencouriers“, der „Vossischen Zeitung“ und des „Vorwärts“ schrieb er ausführliche Briefe mit der Bitte, auf die bevorstehende Versteigerung hinzuweisen: „Wir haben uns seit Jahr und Tag bemüht, zu Stützung des Staatlichen Bauhauses Kapital heranzuschaffen. Die Kapitalisten haben im allgemeinen versagt.“ Und in der Hoffnung auf Unterstützung legte er einen Pressetext bei: „Das Staatliche Bauhaus zu Weimar eröffnet am 27.November eine Versteigerungsausstellung in der Kunstausstellung Der Sturm Berlin, Potsdamer Straße134a. Es gelangen Gemälde, plastische und graphische Werke der Meister des Bauhauses (...) zur Ausstellung. Der gesamte Erlös der Versteigerung, die am 15.Dezember vormittags 10Uhr stattfindet, wird den gemeinnützigen Zwecken des Staatlichen Bauhauses gewidmet.“

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