https://www.faz.net/-gqz-9kwff

Bauhaus-Jubiläum : Der Sturm macht sich stark für das Bauhaus

  • -Aktualisiert am

Eine Benefiz-Auktion in Herwarth Waldens Berliner Galerie bietet im Dezember 1921 Werke heute berühmter Künstler auf

          4 Min.

          Die heute nahezu mythische Aura, die das Bauhaus umgibt, lässt fast vergessen, mit welchen Widrigkeiten die Reformhochschule in ihren ersten Jahren nach der Gründung im April 1919 in Weimar zu kämpfen hatte: Konservative Kräfte polemisierten und intrigierten, der thüringische Freistaat jammerte, dass er „kulturelle Lasten trage in einer Höhe wie kein anderes deutsches Land“, und den Bauhäuslern fehlten finanzielle Mittel an allen Ecken und Enden. Der Bauhausgründer und -direktor Walter Gropius schlug daher 1921 eine Benefiz-Auktion vor, um die akute Finanznot zu lindern. Jeder der Bauhaus-Meister sollte dazu eigene Werke spenden, die meistbietend versteigert werden sollten. Als Ort der Auktion war Herwarth Waldens legendäre Galerie „Der Sturm“ in der Potsdamer Straße in Berlin vorgesehen.

          Mit Lothar Schreyer, der seit 1921 in Personalunion Schriftleiter der von Walden herausgegebenen gleichnamigen Zeitschrift und Bauhaus-Meister in Weimar war, hatte Gropius einen idealen Vermittler gefunden. „Herr Schreyer war so freundlich, mit Ihnen direkt unsere Versteigerungs-Angelegenheit zu besprechen, deren Ergebnis dem Bauhaus zufließen soll“, wandte sich Gropius Anfang November 1921 an Walden: „Ich möchte Ihnen nun heute unseren ganz besonderen Dank dafür aussprechen, dass Sie in so freundschaftlicher und großzügiger Weise helfen wollen. Seit zwei Jahren versuche ich es, Kapitalisten für unsere Sache zu gewinnen – überall mit demselben Misserfolg. Darauf wendeten wir uns an die Künstler, und siehe da, es gaben alle.“

          Innerhalb weniger Wochen wurde die Auktion vorbereitet. Die Bauhaus-Meister Lyonel Feininger, Johannes Itten, Paul Klee, Gerhard Marcks, Georg Muche, Oskar Schlemmer und Lothar Schreyer stifteten Werke. Walter Gropius übernahm die Pressearbeit. An die dem Bauhaus wohlgesinnten Kulturredakteure der „Frankfurter Zeitung“, des „Berliner Tageblatts“, des „Berliner Börsencouriers“, der „Vossischen Zeitung“ und des „Vorwärts“ schrieb er ausführliche Briefe mit der Bitte, auf die bevorstehende Versteigerung hinzuweisen: „Wir haben uns seit Jahr und Tag bemüht, zu Stützung des Staatlichen Bauhauses Kapital heranzuschaffen. Die Kapitalisten haben im allgemeinen versagt.“ Und in der Hoffnung auf Unterstützung legte er einen Pressetext bei: „Das Staatliche Bauhaus zu Weimar eröffnet am 27.November eine Versteigerungsausstellung in der Kunstausstellung Der Sturm Berlin, Potsdamer Straße134a. Es gelangen Gemälde, plastische und graphische Werke der Meister des Bauhauses (...) zur Ausstellung. Der gesamte Erlös der Versteigerung, die am 15.Dezember vormittags 10Uhr stattfindet, wird den gemeinnützigen Zwecken des Staatlichen Bauhauses gewidmet.“

          Weitere Themen

          Meister Rabe überm Meer

          Auktion bei Lempertz : Meister Rabe überm Meer

          Eine verstimmte Dame von Pierre Bonnard, „Blockfarben“ von Ernst Wilhelm Nay und an der Spitze eine Collage von Max Ernst: Ein Blick auf die Auktion mit Moderne und Zeitgenossen bei Lempertz in Köln.

          2,9 Millionen für Mona-Lisa-Kopie Video-Seite öffnen

          Bei Auktion : 2,9 Millionen für Mona-Lisa-Kopie

          Auf einer Versteigerung wurden 2,9 Millionen Euro für eine Kopie des Meisterwerks von Leonardo da Vinci gezahlt. Nach Angaben des Auktionshauses Christie's handelt es sich dabei um einen Rekordpreis für eine derartige Replik.

          Churchill unter Jungstars

          Bei Phillips in New York : Churchill unter Jungstars

          Auktion mit Moderne und Zeitgenossen: Das Programm dominieren Nachwuchstalente, an der Spitze steht ein Hockney und mittendrin ein Gemälde des einstigen britischen Premierminister Winston Churchill.

          Topmeldungen

          Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD, am 20. Juni 2021 auf dem Digitalen Zukunftscamp seiner Partei in Berlin

          Olaf Scholz : Der 15-Prozent-Mann

          Der Finanzminister baut auf den Durchbruch bei der Mindeststeuer. Doch etwas zu viel Vertrauen in die eigene Person und ein Blick in die Vergangenheit trüben das Bild. Hilft ihm das Thema noch im Wahlkampf?
          Aktivisten der Bewegung Fridays for Future in Berlin

          F.A.Z. Frühdenker : Lässt sich die Erderwärmung über 1,5 Grad noch verhindern?

          Armin Laschet und Markus Söder stellen das Wahlprogramm der Union vor. Deutschland bereitet sich auf die Ausbreitung der Delta-Variante vor. Und in Frankfurt wird der Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels verkündet. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.