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Benefiz-Auktion bei Grisebach : In ihrem Kern soll Kunst Ermutigung sein

F.C. Gundlach, „Mudra Afrique“, 1980, Silbergelatine Abzug, signiert, 30,2 × 40,3 cm, ab 3.600 Euro. Bild: F.C. Gundlach

Mit dem Erlös einer Benefiz-Auktion in Berlin soll im größten Slum von Kenia ein Kunstzentrum entstehen.

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          Der Name Kibera oder Kibra bedeutet ursprünglich „Wald“ oder „Dschungel“, aber mit dem idyllischen Bild eines grünen Urwalds hat Kenias größter Slum Kibera nichts zu tun: In Süden von Nairobi, nicht weit vom Nationalpark und den dortigen Luxushotels entfernt, leben fast 200000 Menschen auf gerade mal 2,5Quadratkilometern. Für Zigtausende stehen, laut UN-Angaben, nur fünfzehn Bäder und hundert Toiletten zur Verfügung; Großfamilien leben in drei Quadratmeter kleinen Hütten ohne Strom und Fenster.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Warum man in diesem unfassbaren Elend nicht nur Wasserleitungen, sondern auch ein Kunstzentrum bauen sollte, versteht man sofort, wenn man sich anschaut, was die Künstlerin Marie Steinmann-Tykwer und ihr Mann, der Regisseur Tom Tykwer, hier seit zehn Jahren vor allem mit Kindern und Jugendlichen veranstalten. Seit sie 2007 ihren Verein „One Fine Day“ gegründet haben, unterrichtet ein Team von Künstlern, Tänzern, Akrobaten und Musikern jede Woche Kinder in den Slums Kibera und Mathare – was umso wichtiger ist, als die kenianische Regierung den Kunstunterricht aus den Lehrplänen gestrichen hat. Dabei ist es ja nicht die Versorgung mit dem Nötigsten, sondern vor allem die Erfahrung, etwas Schönes herzustellen oder beim Tanz mit dem ansonsten im Slum-Alltag geschundenen Körper freudvoll umzugehen, die den Kindern von Kibera und Mathare Selbstbewusstsein und Zuversicht gibt.

          Katja Aufleger, „EGO“, 2015, Glas, Kunststoff, Messing, Magnet, ca. 42 × 25 × 4 cm, ab 1.300 Euro. Bilderstrecke

          Nebenher sorgt das Kunstprogramm von „One Fine Day“, das bildende Kunst, Musik, kreatives Schreiben, Schauspiel, Ballett, Akrobatik und Tanz umfasst und an dem mittlerweile jede Woche 1500 Schüler teilnehmen, auch dafür, dass Kibera und Mathare überhaupt international sichtbar werden. Und dass dort eine der interessantesten jungen afrikanischen Film-Kulturen entstand und schließlich sogar Teile der Fernsehserie „Sense8“ in Kibera gedreht wurden, verdankt sich auch dem Engagement der Tykwers. Um nicht auf improvisierte Räume angewiesen zu sein, hat der Verein jetzt ein Grundstück im Slum erworben, auf dem ein kleines Kunstzentrum gebaut werden soll.

          Für das Projekt haben viele Künstlerinnen und Künstler Werke gestiftet, die am 14.Dezember in einer Benefiz-Auktion bei Grisebach in Berlin versteigert werden. Wer noch ein schönes, hilfreiches Weihnachtsgeschenk sucht, findet da eine Arbeit von Jorinde Voigt, eine Hollywood-Diva von Thomas Ruff (31 mal 27 Zentimeter; Mindestgebot 13500 Euro) oder F.C.Gundlachs Fotografie „Mudra Afrique“ von 1980 (3600). Es gibt eine Keramik von Isa Melsheimer, die an das Modell einer utopischen Architektur, aber auch an ein künstliches Herz erinnert (5500), und eine aparte Bronze-Schachfigur von Gregor Hildebrandt (4,7 mal 3,1 Zentimeter; 950); die Bleistiftzeichnung eines Käfigs von He Xiangyu (4600) und ein abstrakt hingetuschtes „Chinatown“ der gerade heftig gefeierten, afghanischen Künstlerin Tamina Amadyar (3500) – und noch mehr Gutes.

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