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Bei Phillips in New York : Churchill unter Jungstars

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Ordentlich gesprengt: „A Neat Lawn“ von David Hockney, 1967, Acrylfarbe auf Leinwand, 243,2 mal 246,4 Zentimeter. Bild: Phillips

Auktion mit Moderne und Zeitgenossen: Das Programm dominieren Nachwuchstalente, an der Spitze steht ein Hockney und mittendrin ein Gemälde des einstigen britischen Premierminister Winston Churchill.

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          Die New Yorker Saison mit zeitgenössischer Kunst findet bei Phillips in diesem Halbjahr erst jetzt statt, einen Monat später als bei den Rivalen Christie’s und Sotheby’s; denn der neue Hauptsitz an der Park Avenue wird eingeweiht. Mit fünfzig Losen ist der „20th Century & Contemporary Art Evening Sale“ am 23. Juni vergleichsweise umfangreich; dafür hat Phillips keinen Sommertermin mit Zeitgenossen in London geplant.

          Das Abendprogramm dominieren Nachwuchstalente, die ihre Zugkraft in den vergangenen zwei Jahren unter Beweis gestellt haben: zuletzt Anfang des Monats bei Phillips’ Versteigerung in Hongkong, in Kollaboration mit dem chinesischen Auktionshaus Poly. Dort wurden Werke von Matthew Wong, Emily Mae Smith und Salman Toor zum Vielfachen ihrer Taxen in den asiatischen Markt vermittelt. Smiths Besen mit Sonnenbrille auf einem Eiswürfel, „Broom Life“, mit einer oberen Taxe von umgerechnet 76.700 Dollar, stieg auf sagenhafte 1,6 Millionen Dollar (mit Aufgeld). In New York hat Phillips Emily Mae Smiths Porträt „Waiting Room“ (Taxe 40.000/60.000 Dollar) und von Matthew Wong das 220 Zentimeter hohe „Field in a Dream“ (1,5/2 Millionen) im Programm. Beide sollten ihre Schätzungen übertreffen: In Hongkong erzielte ein Bild Wongs von ähnlicher Größe umgerechnet 4,7 Millionen Dollar (mit Aufgeld).

          Musste sich bereits neben Van Gogh und Vermeer beweisen: „The Moat, Breccles“ von Winston Churchill, 1921, Öl auf Leinwand, 76 mal 63,3 Zentimeter, Taxe 1,5/2 Millionen Euro. Bilderstrecke
          Bei Phillips in New York : Churchill unter Jungstars

          Von der bei asiatischen Sammlern ebenso beliebten Dana Schutz bietet Phillips das Gruppenporträt einer „Swiss Family Travelling“ (1,2/1,8 Millionen), dessen frohe Farben in Kontrast zu den verkniffenen Gesichtern der Familie stehen. Auch die Französin Julie Curtiss sieht die Welt humorvoll, jedoch eher surreal-makaber mit ihren drei Witwen „Three Widows“ (110.000/150.000). Für Mickalene Thomas wurde im Mai von Christie’s ein Rekord von 1,8 Millionen Dollar (mit Aufgeld) aufgestellt, ihr „Portrait of Jessica“ ist jetzt konservativ auf 200.000 bis 300.000 Dollar taxiert. Zu den jüngsten Künstlern gehört der 1983 geborene südafrikanische Maler Cinga Samson, der 2020 bei Perrotin in New York eine Soloschau hatte; er macht mit dem Porträt „Two Piece 1“ (25.000/35.000) den Auktionsauftakt.

          Das Spitzenlos ist die Ansicht eines grauen Apartmentblocks im Stil der Fünfzigerjahre mit akkurat geschnittenen Hecken und sattgrünem Rasen inklusive Rasensprenger von David Hockney. „A Neat Lawn“ entstand 1967, wirkt in der Katalogabbildung eher wie eine kleine Arbeit auf Papier, doch es handelt sich um ein fast sechs Quadratmeter großes Gemälde auf Leinwand. Der Einlieferer kaufte es 2006 bei Christie’s in New York für 3,6 Millionen Dollar; nun liegt die Erwartung bei zwölf bis achtzehn Millionen.

          Zu den Spitzen gehören außerdem Werke von Wayne Thiebaud, Gerhard Richter, Basquiat und der in New York lebenden Lettin Vija Celmins. Thiebauds „Winding River“ (6/8 Millionen), ein Fluss zwischen Feldern und Obstplantagen, spielt mit verschiedenen Luftperspektiven. Mit Wasser verbunden ist auch Celmins Ölgemälde einer zart bewegten Meeresoberfläche, „Untitled (Ocean)“ (5,5/6,5 Millionen), aus den achtziger Jahren. Es war im vorigen Jahr in ihrer Soloausstellung im Metropolitan Museum of Art ausgestellt.

          Das frühe 20. Jahrhundert wird nur vom einstigen britischen Premierminister Winston Churchill repräsentiert, dessen neoimpressionistischer Wassergraben von 1921 im Goldrahmen „The Moat, Breccles“ (1,5/2 Millionen) formal aus dem Programm fällt. Churchill schenkte das Gemälde in den sechziger Jahren Aristoteles Onassis, auf dessen Yacht Christina er zuvor mehrfach Gast gewesen war. Auf der Yacht hing es viele Jahre neben Werken von Van Gogh und Vermeer und wurde nun von dem Onassis-Clan bei Phillips eingereicht.

          Die Gesamterwartung für die fünfzig Lose in der Abendauktion liegt bei 81 bis 113 Millionen Dollar. Fünfzehn Werke wurden mit Garantien abgesichert, fast alle durch dritte Parteien finanziert; diese Zahl wird bis zum Auktionsbeginn allerdings weiter steigen. Die folgenden Tagesauktionen sollen mit 327 Losen weitere 22 bis 32 Millionen Dollar einspielen.

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