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Münchner Ergebnisse : Beckmann auch da

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Die Frühjahrsauktionen bei Ketterer in München mit Kunst des 19. Jahrhunderts, Klassischer Moderne und Gegenwart: Umsatz 21,4 Millionen Euro

          Es waren vor allem Werke der Klassischen Moderne, die bei Ketterer gesetzte Preisziele übertrafen. Auch beim Hauptlos, Beckmanns „Château d’If“, 1936 in Berlin nach Erinnerungen aus Südfrankreich gemalt (F.A.Z. vom 3. Juni), war noch Luft nach oben: geschätzt auf 800 000 bis 1,2 Millionen wechselte das Bild erst mit dem Hammerschlag bei 1,35 Millionen Euro in den Besitz eines Sammlers aus Baden-Württemberg; einschließlich Aufgeld investiert er 1,68 Millionen Euro. Später übernahm er noch Pechsteins „Sommermorgen“ von 1919, die leuchtende Nidden-Landschaft mit Segelbooten bekam er für 280 000 Euro im Taxrahmen, gegen Handel. Pechsteins zwei Jahre ältere Südseeschönheit „Ronmay“ – einst erwarb sie Joseph von Sternberg, als er zu den Dreharbeiten des „Blauen Engels“ in Berlin weilte – spielte sogar 360 000 Euro ein (Taxe 200 000/300 000) und bleibt in Bayern. Wie auch Gabriele Münters 1910 in Murnau gemalte „Berglandschaft mit Haus“, die ihr siegreicher Saalbieter erst bei 450 000 Euro (240 000/280 000) sicher hatte. Noldes Aquarelle brachten auch diesmal fast ausnahmslos gute Preise, den höchsten schaffte mit 190 000 Euro (140 000/180 000) eine „Landschaft um Utenwarf . . .“. Enorm steigern konnte sich im international ausgefochtenen Kampf Kirchners Holzschnitt „Die Geliebte“ von 1915. Das Blatt lag als einziger bekannter, vom Künstler kolorierter Handabzug des ersten Zustands vor; einem deutschen Sammler war das 370 000 Euro (100 000/150 000) wert.

          Zwar beherrschte deutscher Expressionismus das Feld, aber beachtlichen Erfolg verbuchte auch der Schweizer Cuno Amiet, dessen „Landschaft II mit roter Wolke“ von 1909 mit 120 000 Euro die obere Schätzung verdreifachte. Oder Heinrich Maria Davringhausens kubistisch beeinflusstes, eine lodernd berstende Stadt zeigendes Werk „Krieg“ von 1914, für das ein amerikanisches Museum 230 000 Euro (100 000/150 000) bewilligte. Und Fritz Klimschs lebensgroße Bronze „Nereide auf der Muschel“ zieht für 165 000 Euro (30 000) in einen anderen Garten. Die 54 (von siebzig) verkauften „Ausgewählten Werken“ Klassischer Moderne brachten mit 7,13 Millionen Euro (inklusive Aufgeld) hinter dem Komma noch ein bisschen mehr als die 75 Verkäufe der Partie ausgewählter Kunst nach 1945.

          Dort bestätigte die Nachfrage nicht nur in der Spitzengruppe fast immer die Schätzung. Eine Ausnahme machten Baselitz’ „Zwei halbe Kühe“, 1968 in der Werkphase der „Frakturbilder“ gemalt, für die am Ende des Gefechts ein Schweizer Sammler erst bei 720 000 Euro (500 000/600 000) den Zuschlag bekam. Platz zwei belegt Gerhard Richters Farbschlingenmalerei „Rot-Blau-Gelb“ von 1973, mit 600 000 Euro mitten in der Taxmarge; für Richters „Stadtbild“ in Grautönen blieb es beim Aufrufpreis von 280 000 Euro (300 000/400 000). Gefragt war Qualität der fünfziger und sechziger Jahre: Ein Spätwerk Baumeisters aus der „Montaru“-Reihe bekräftigte mit 190 000 Euro seine Taxe, ebenso wie Nays „Irisches Märchen“ von 1951 mit 150 000 und Josef Albers’ Squares in „Blue and Cobalt Green in Cadmium Green“ mit ebenfalls 150 000 Euro. Dass Serge Poliakoff Evergreens malte, beweisen 250 000 Euro (250 000/300 000) für eine mehrfarbige „Composition abstraite“ wie auch 210 000 Euro (180 000/ 210 000) für eine weitere in Blutrot. Bei Zero-Werken geht es mittlerweile ruhiger zu, nur Heinz Mack sorgte für mehr Schwung im Geschehen: Seine gemalte „Dynamische Struktur Grau-Weiß“ verdoppelte mit 145 000 Euro die Obertaxe, und ein im Plexiglas schwebender Aluminiumnetz-Flügel erzielte diese mit 155 000 Euro. Einen Volltreffer landete Lüpertz’ dicker „Fußball“, denn es katapultierte ihn von 30 000 auf 110 000 Euro. Eine andere Kugel, nämlich Robert Longos mit Kohle fotorealistisch gezeichnete „Earth for Zander“ ging mit 200 000 Euro ins Ziel und nach England. Auf 21,4 Millionen Euro, das Aufgeld eingerechnet, beziffert Ketterer den Umsatz der diesjährigen Frühjahrsauktion. Mehr als zeitgenössische Produktion – Daniel Richters abstrakte Öl- und Lackkomposition „Stählerne Erbsen“ besetzt mit 90 000 Euro (70 000/90 000) eine der einsamen Spitzenpositionen, die andere stellt der surreale „Zyklus-Potsdam (dreiteilig)“ des Berliners Jonas Burgert mit 95 000 Euro (70 000/90 000) – half zum Saisonstart, Kunst des 19. Jahrhunderts die Kasse zu füllen.

          Wieder einmal stand Franz von Stuck als großer Star da, umworben aus vielen Ecken Europas. „Susanna im Bade“, Stuck malte sie um 1913 als erschrocken die beiden alten Lustmolche hinter sich Entdeckende, sprang dank massiven Bietereinsatzes und des finalen Gebots von Schweizer Handel auf 300 000 Euro (80 000/120 000). Schon vorher wechselte „Aschenbrödel“, eine hübsche Dunkelhaarige im Profil, für 105 000 Euro im Taxrahmen an ein britisches Privatgebot. Und als Dritte im Märchen- und Mythenreigen reist die Prinzessin mit ihrem Frosch unter dem Titel „Es war einmal“ für 56 000 Euro (40 000/60 000) in die Schweiz. Eine schöne Karriere gelang Stielers „Königin Therese von Bayern“, indem eine „bayerische Institution“ für das postume Porträt 54 000 Euro (25 000/35 000) lockermachte. Als Rosinen im breiten Angebot vierstelliger Lose stachen Friedrich Kallmorgens hübsches Kindergenrestück „Die Schule ist aus“, das mit 50 000 Euro in etwa das Achtfache seiner Taxe erzielte, und Karl Hagemeisters luftig frische „Märkische Seenlandschaft“ von 1887 mit 31 000 (9000) hervor. Aber die süddeutsche Privatsammlung, aus der auch Stucks „Aschenbrödel“ stammte, hatte mit anderen Hauptlosen weniger Glück: Werke Waldmüllers und Rudolf von Alts fanden keine Interessenten.

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