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Bassenge : Mit Tieren

Masayo Fukuda, „Oktopus“, 2018, Scherenschnitt aus Tanto-Papier, 72 mal 54 Zentimeter, 7.500 Euro. Bild: Bassange Katalog

Auktion mit alter und moderner Kunst bei Bassenge in Berlin. Ein Highlight ist ein Katalog voller Tierdarstellungen.

          Termingerecht zur Hiobsbotschaft vom Artensterben überrascht Bassenge in Berlin unter dem Titel „Creatures“ mit einem Katalogband voller Tierdarstellungen. In den vom 29.Mai bis zum 1.Juni dauernden Auktionen mit Alter und moderner Kunst werden Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgraphiken sowie Präparate, Materialcollagen und einschlägige Literatur angeboten. Die Offerte umfasst Realistisches – wie Wenzel Hollars Radierung „Der tote Maulwurf“ (Taxe 12.000 Euro) –, Phantastisches – wie Agostino Venezianos Kupferstich „La carcasse“ (6500) – oder schier Unvorstellbares – wie Dürers Holzschnitt „Das Tier mit den Lammshörnern“ (18.000); dazu gibt es Preiswerteres von weniger prominenten Zeitgenossen. Und Max Fergusons vierzig mal sechzig Zentimeter großes, fotorealistisches Ölgemälde auf Platte aus diesem Jahr führt in die 1831 in Paris gegründete Naturalienhandlung „Deyrolle“ (20.000).

          Ein marktfrische Aquarell von Emil Nolde

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Bei der Druckgraphik des 17.Jahrhunderts führen Dürer und Rembrandt. Der Nürnberger Meister ist mit dem Kupferstich „Der heilige Hubertus (Eustachius)“ vertreten (24.000). Vom Niederländer kommen zwei herausragende Blätter, „Christus lehrend (La petite tombe)“ und die „Windmühle“ (Taxe je 24.000 Euro). Mit 18.000 Euro beziffert, erhofft Martin Schongauers „Taufe Christi““ Abnahme; 6000 Euro gelten Hendrick Goltzius’ Clair-obscur-Holzschnitt mit dem Kampf zwischen Herkules und dem Rinderräuber Cacus. Ein Porträt der Tochter des Münchner Hofmalers Joseph Karl Stieler, dem das Schloss Nymphenburg seine „Schönheitengalerie“ verdankt (35.000), schmückt den Umschlag des Gemäldekatalogs. Dort dürfen auch kleinere Talente zeigen, welche italienischen Motive sie besonders beeindruckten, bei den meisten war das der Golf von Neapel. In alphabetischer Reihenfolge zwischen Barlach und Zille tritt die Moderne in Erscheinung. Vom Hype für Emil Nolde, den die aktuelle Berliner Ausstellung ihm beschert, profitiert vielleicht auch sein marktfrisches Aquarell „Mohnblüten, Iris und violette Astern“, taxiert auf 100.000 Euro: Direkt nach ihrer Entstehung vom Dresdner Unternehmer Willy Bethke erworben, war die rote Blütenpracht nie öffentlich zu sehen. Ein zweiter Nolde, das Aquarell „Santa Maria della Salute“, blieb im November 2018 unverkauft und wird jetzt, im Preis reduziert, für 40.000 Euro angeboten; und es gibt einen Christuskopf von ihm, Vorstudie zum Gemälde „Abendmahl“ (12.000).

          Emil Nolde, „Mohnblüten, Iris und violette Astern“, 1925/30 Aquarell auf dünnem Japan, 47,8 mal 34,5 Zentimeter, Taxe 100.000 Euro.

          Mit Otto Muellers Farblitho „Fünf gelbe Akte am Wasser“ bietet Bassenge eine Rarität, die 1921 in Hunderter-Auflage erschien (24.000). Spätwerke sind Karl Hofers Gemälde „Mädchen en face“ (30.000) und Hans Purrmanns „Kamelienstillleben“ (25.000). Max Ernsts bronzener Scherzbold „Chéri Bibi“ (13.000) besitzt in Alfred Hrdlickas „Buon Diavolo“-Bronze ein erschwinglicheres Pendant (1.200). Gut vertreten sind Kleinplastiken von August Gaul und Renée Sintenis. Eine Sonderabteilung widmet sich mit mehr als hundert Losen der „Vergessenen Moderne“, jener „Verlorenen Generation“, der nach dem Zweiten Weltkrieg wenig kunsthändlerische Aufmerksamkeit zuteilwurde. So erfuhr das koloristische und kompositorische Feingefühl des 1966 gestorbenen Stuttgarters Hans Spiegel erst postum die angemessene überregionale Beachtung; allmählich stimmen inzwischen auch die Schätzungen: 15.000 Euro für die Dame „In der Sektbar“, 12.000 Euro für die gruppendynamisch agierenden „Ruderer“.

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