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Bassenge : Afrikanische Spiele, Dada-Erinnerungen

Vorschau auf die Auktionen wertvoller Bücher und Autographen bei Bassenge in Berlin.

          Gleich zu Beginn der Versteigerung von rund 4000 Büchern und Autographen bei Bassenge in Berlin vom 16. bis zum 18. April verbinden sich zwei prachtvolle Ansichtenwerke mit bevorzugten Reisezielen des 18. und 19.Jahrhunderts. Auf 45000 Euro taxiert, erscheinen die „Campi phlegraei“ des als englischer Gesandter in Neapel residierenden Sir William Hamilton, der sich seine eigenen Gedanken über die Entstehung der Vulkane Süditaliens gemacht hatte. Der hohe Preis resultiert aus 59 Kupfertafeln „in grandiosem zeitgenössischen Kolorit“, mit dem die Ausbrüche des Vesuvs und der feuerspeienden Berge auf umliegenden Mittelmeerinseln festgehalten sind.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Nicht nur das imposante Panorama Rio de Janeiros, sondern auch Land und Leute des „Pittoresken Brasilien“ rühmt Charles Ribeyrolles 1861 in Paris ediertes Vedutenwerk, dessen 75 meisterhaft gedruckte Lithographien auf Fotos des Franzosen Jean-Victor Frond basieren, der 1853 nach Brasilien ausgewandert war (Taxe 30.000 Euro). Auf 40.000 Euro taxiert sind zwei Ausgaben von Maria Sibylla Merians „Surinamischen Insekten“. Auf kolorierten Umdrucktafeln fesselt exotische und europäische Fauna bis heute durch ihren dem Phantastischen benachbarten Realismus.

          Der Offerte mit Literatur und Buchillustration des 17. bis 19.Jahrhunderts aus Anlass des 200. Geburtstags Theodor Fontanes vorangestellt ist das 1896 datierte Porträt von Max Liebermann (300). Unter den dreißig moderat taxierten Publikationen Fontanes liegen die vier Bände der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ (750) an der Spitze. Der diesmal ein wenig mageren Abteilung „Moderne Literatur und Kunstdokumentation“ folgen die Autographen. Unter knapp 400 Losen sticht die für 12.000 Euro angebotene Abhandlung über die altgriechische Hirtenflöte Syrinx von Philipp Melanchthon heraus.

          Brisante, aber der Forschung nicht ganz unbekannte Einblicke in die schriftstellerische Praxis des „Stahlgewitter“-Autors Ernst Jünger gewähren Korrekturexemplare der Frühwerke „Gärten und Straßen“ und „Afrikanische Spiele“. In den originalen Druckfahnen der „Tagebücher 1939 bis 1940“ entfernt Jünger beleidigende, vulgäre Passagen für die Erstausgabe bei E. S. Mittler in Berlin. Problematischer erscheinen die Veränderungen, mit denen er seine 1936 in der Hanseatischen Verlagsanstalt edierten „Afrikanischen Spiele“ dem gewandelten Geist in der Nachkriegszeit anglich und Forderungen nach „Umarbeitung“ von Tonfall und Handlung erfüllte. Die beiden literarhistorisch bedeutsamen Dokumente wurden aus verschiedenem Privatbesitz eingeliefert (Taxe je 9000 Euro).

          Zwiespältige Erinnerungen an die Blütezeit des Dadaismus weckt der Briefwechsel zwischen Raoul Hausmann und dem Basler Galeristen Carl Laszlo. Einerseits stolz auf Einladungen zu Vorträgen über die Protestbewegung, lässt er doch kein gutes Haar an einstigen Mitstreitern und behauptet: „Mir wächst Dada schon drei Meter zum Hals heraus!“ (1800). Richard Wagner dagegen geht es um Vorausreklame: Schon im Dezember 1863 unterrichtet er Wiener Musikfreunde mit Handzetteln über das erst zwei Jahre später realisierte Opernprojekt „Tristan und Isolde“ (15.000).

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