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Basel zur Messezeit : Ein Bett im Kunstfeld

  • -Aktualisiert am

Zur Art Basel herrscht akuter Mangel an Schlafstätten. Das führt in der Stadt zum Ausnahmezustand zwischen Luftmatratze und Luxussuite. Es gibt verschiedene Arten das Problem anzugehen.

          7 Min.

          Ungefähr 60 000 Besucher zählt die Art Basel Jahr für Jahr. Hinzu kommt das angereiste Personal von knapp dreihundert Galerien, ungezählte Künstler, deren Werke hier gezeigt werden, und mehr als 2300 Journalisten aus vielen Teilen der Welt. Parallel zur Kunstmesse haben sich weitere Satelliten-Messen etabliert, und ortsansässige Galerien bauen jetzt parallel zur Art wieder ein spezielles Programm. Die Stadt am Rheinknie wird im Juni zum temporären Epizentrum der Kunstszene. Und alle Akteure - Galeristen und Kuratoren, Künstler und Sammler, Kunstenthusiasten und Zaungäste - wollen während dieser vier Nächte zwischen fünf Messetagen möglichst vor Ort schlafen.

          Weil die Stadt Basel aber nur 4000 Hotelbetten zu bieten hat, beginnt die Jagd nach brauch- und bezahlbaren Quartieren spätestens im Winter. Nicht wenige Gäste gehen gleich auf Nummer sicher, buchen ein Hotelzimmer in Zürich und kommen jeden Tag mit einer Stunde Zugfahrt nach Basel. Während nun die Neulinge erst an die Pforten der Kunstwelt klopfen und sich bei den Hotelzimmern ganz hinten anstellen müssen, haben die Etablierten vorsorglich schon bei der Abreise 2007 ihre Zimmer für dieses Jahr reserviert. Diese 39. Ausgabe der wichtigsten internationalen Kunstmesse macht es den Besuchern dabei doppelt schwer, eine passende Unterkunft zu finden: Denn am 7. Juni, also noch während der Messe, wird die Fußball-Europameisterschaft in Basel und Genf angepfiffen.

          Zusätzlich die Fußballfans

          Das verschärft den Übernachtungsengpass noch, weil dann Tausende Tschechen, Türken und Portugiesen vor Ort mit ihren Teams mitfiebern wollen. Basel ist also im Ausnahmezustand, wenn sich für einmal Kunst- und Sportwelt in der Nordwestschweiz gute Nacht sagen. Rheinufer, acht Uhr morgens: Aus einem Kleinbus mit englischem Kennzeichen schälen sich drei schwarz gekleidete Gestalten und mischen sich verschlafen ins beginnende Leben der Basler Altstadt. Gleich um die Ecke liegt die ehemalige Brauerei Warteck, die auch dieses Jahr wieder die Messestände der „Liste 08“ aufnimmt, der „Young Art Fair“, die seit 1996 als frische Parallelmesse zur Art Basel stattfindet.

          Wer hier ausstellt, hat ein junges Programm - mit Künstlern unter vierzig Jahren - und ist erst seit maximal fünf Jahren im Kunstgeschäft unterwegs. Wer es auf die „Liste“ schafft, ist aber gleichzeitig schon im Vorhof zur Art; nicht wenige Galerien oder Künstler werden hier entdeckt und schaffen den Sprung zur großen Messeschwester. Vor den Erfolg hat man aber die Improvisation gesetzt - speziell beim Versuch, in Basel zu übernachten. Nicht wenige der jungen Galeristen schlafen im Campingbus, damit dieser Kunsttermin für sie überhaupt bezahlbar wird.

          Zu Gast bei Sammlern

          Der in Leipzig und Berlin ansässige Eigen + Art-Galerist Gerd Harry Lybke hatte Glück und musste in Basel nie eine Schlafstätte suchen: Seit seiner ersten Art-Teilnahme kurz nach dem Fall der Mauer bis heute legt Lybke sein müdes Haupt als privater Gast einer Basler Sammlerin in deren Wohnung nieder. Auch einige von Lybkes Künstlern sind regelmäßige Art-Gäste und nicht auf die ortsansässige Hotellerie angewiesen, so nutzen die Brüder Carsten und Olaf Nicolai ebenfalls ihre privaten Kontakte für die Messe. Das spart Geld und vor allem die mühsame Suche nach einem Hotelzimmer.

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