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Münchner Auktion : Baronin mit Früchtekranz

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Am 5. Juli auktioniert Neumeister in Münchner zahlreiche Lose zur Alte Kunst - darunter 240 Werke aus einer fränkischen Privatsammlung mit Gemälden des 19. Jahrhunderts.

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          Sie muss viel Platz zur Verfügung haben, die fränkische Privatsammlung, die bei Neumeister am 5. Juli im Rahmen der Auktion Alter Kunst rund 240 Losnummern versteigern lässt. Je die Hälfte der im Sonderkatalog vorgestellten Offerte entfällt auf Kunsthandwerk und Malerei, hier vorrangig süddeutsche Gemälde des 19. Jahrhunderts. Als ein Favorit ragt Heinrich Bürkel allein mit sieben Werken heraus. Seine Bildanekdoten vom Bauernleben im Gebirge schmückte er mit vielen Details. So kratzt das Hündchen des Sennerpaars, das gerade eben mit Vieh, Sack und Pack erschöpft die Alm erreicht, kräftig an der Tür der Hütte, von deren Dach der bereits hinaufgekletterte Hüterbub in die Voralpenlandschaft herabwinkt; bei 20 000 bis 30 000 Euro rangiert die Erwartung für die „Alm“. Vom berühmtesten der Münchner Biedermeiermaler, Carl Spitzweg, ist die satirische Schilderung eines „Gutsherrn mit Gemahlin“ auf dem Spaziergang durchs Kornfeld zu haben (Taxe 25 000/30 000 Euro), und Franz von Defregger beobachtet in ländlichen Stuben „Lesestunde“ (20 000/30 000) und „Kartenspiel“ (18 000/22 000).

          Ganze Herden treten an: Rinder von Johann Friedrich Voltz gemalt, Schafe von Otto Gebler und Pferde von Ludwig Hartmann. Auch an Landschaften fehlt es nicht, besonders malerisch ruht der Chiemsee auf Joseph Wopfners Ansicht aus den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts still im weichen Licht vor den Bergen (7000/9000). Beim Kunsthandwerk der Sammlung dominieren historische Waffen: Vornehmlich aus dem 18. Jahrhundert stammenden Radschlossbüchsen und Steinschlosspistolen mit ihren schönen Einlegearbeiten und Messinggarnituren (Taxen von 150 Euro an bis 2500 Euro) folgen Degen und Hirschfänger en masse, manche gleich im Doppel- bis Fünferpack. Neben einem schönen Corpus Christi, den ein deutscher Künstler zu Beginn des 18. Jahrhunderts vollrund in Elfenbein schnitzte (1500/2000), bietet die Privatsammlung Keramik, Silber und fränkische Barockmöbel.

          Neumeisters Renommee auf dem Terrain des 19. Jahrhunderts, dem das Haus Einlieferungen wie diese Sammlung aus Franken verdankt, bekräftigt der Hauptkatalog. Auf dem Titel lächelt Charlotte Baronin von Oven, gemalt 1850 von Joseph Stieler mit Blüten- und Früchtekranz im Haar und nackten Schultern (65 000/70 000). Bereits zum zweiten Mal saß die Schauspielerin dem Maler Modell: Einige Jahre zuvor hatte er sie für König Ludwigs I. berühmte Schönheitengalerie porträtiert. Noch einmal Wopfner und der Chiemsee: Diesmal schlägt das sogenannte „bayerische Meer“ hohe Wellen und macht fünf Menschen im Boot die „Stürmische Überfahrt“ schwer (45 000/50 000). Doch blickt das Angebot auch über den bayerischen Tellerrand hinaus, etwa nach Berlin, wo Eduard Gaertner 1836 Marianne Kuntze, das Töchterchen eines Freundes, mit ihrer Puppe im Salon der Frau Mama malt (7000/10 000). Gustave Colins „Stierkampf in der Arena von Bilbao“ gilt einem Lieblingsthema dieses Schülers von Thomas Couture (16 000/20 000). Von einem nicht identifizierten Deutsch-Römer stammt die qualitätvolle Baumlandschaft bei Ariccia, die zeitweise zur Sammlung Georg Schäfer in Schweinfurt gehörte (8000/10 000), und Antoine Marie Perrot zeigt uns topographisch exakt, wie im Jahr 1837 das in Abendlicht gehüllte Florenz über den Arno hinweg aussah (16 000/20 000).

          Die Partie Alter Meister enthält eine auf Goldgrund gemalte, vielleicht im Schwäbischen zu verortende Maria mit Jesuskind aus dem 15.Jahrhundert (8000/12 000) oder auch ein Trompe-l’Œuil des Gaspard Grésely, der auf diesem Augentäuscher einen Kupferstich zwischen Schere, Schlüssel und weiteren Dingen ans Holzbrett hängt (8000/10 000). Zu den Spitzen beim Kunstgewerbe zählt ein Meissener Hausmaler-Reiseservice mit 39 goldstaffierten Teilen aus dem 18. Jahrhundert, sein mit Leder bezogener Koffer trägt das Wappen der Familie Albani, was laut Katalog Anlass zur Vermutung gibt, dass der Sächsische Hof das Service dem Kardinal Annibale Albani schenkte (15 000/20 000).

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