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Banksy bei Sotheby’s : Im Parlament der Affen

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Banksy, „Devolved Parliament“, 2009, Öl auf Leinwand, 250 mal 420 Zentimeter, Taxe 1,5/2 Millionen Pfund bei Sotheby’s Bild: Sotheby’s

Das britische Unterhaus voller Schimpansen: Für das Gemälde des Künstlers Banksy hatte das Auktionshaus mit einem Erlös von 1,5 bis 2 Millionen Pfund gerechnet. Die fünffache Summe ging über den Tisch.

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          Der Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt sein können: Vier Wochen vor dem Brexit-Datum und kurz nachdem der britische Premierminister sein Parlament zeitweilig in die Zwangspause geschickt hatte, hat Sotheby’s in London ein Bild versteigert, auf dem Schimpansen die Regierungsgeschäfte in Westminster übernommen haben. Die Schätzung für „Devolved Parliament“, das bisher größte Gemälde auf Leinwand vom anonymen britischen Street Artist Banksy, lag bei 1,5 bis zwei Millionen Pfund.

          Inoffiziell hatte Sotheby’s schon mit bis zu fünf Millionen Pfund gerechnet; der Hammer fiel jedoch, nach einem feurigen Bietgefecht, erst bei 8,5Millionen Pfund. Inklusive des Aufgelds fallen für den ungenannten Käufer, der am Telefon von Emma Baker, die die Abendauktion leitete, mitbot, 9,9 Millionen Pfund an, umgerechnet 11,1 Millionen Euro. Der bisherige Rekord für ein von ihm allein gefertigtes Werk Banksys lag bei 1,04 Millionen Pfund für „Girl with Balloon“, das im vorigen Oktober am selben Ort sich selbst zur Hälfte geschreddert hatte.

          Als am vergangenen Donnerstagabend „Devolved Parliament“ zum Aufruf kam, schnellten überall die Arme nur so in die Höhe. Hinten im Saal sprang ein junger Mann auf – im dunklen Jackett mit rotem Einstecktuch in der Brusttasche – und rief dem Auktionator lauthals seine Gebote zu. Das war Matyáš Kodl, selbst Galerist und der Sohn der tschechischen Sammlerfamilie Kodl, die in Prag übrigens auch ein Auktionshaus führt. Der ganze Saal war wie elektrisiert. Mindestens zehn Bieter beteiligten sich. Beim Stand von sechs Millionen Pfund blieben aber nur noch drei im Rennen; auch Matyáš Kodl musste sich schließlich geschlagen geben.

          Insgeheim mag manch einer darauf gehofft haben, dass Banksy Sotheby’s wieder einen spektakulären Streich spielen würde: Überall im Saal filmten die Mobiltelefone mit. Doch diesmal hatte das Auktionshaus nicht nur das Bild mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln untersucht, sondern auch die üblichen Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Bombenspürhunde hatten das Gebäude abgelaufen, jeder Besucher war mit Reisepass registriert, und das Gemälde wurde in einem Nebenraum unter Verschluss gehalten.

          Das breite Großformat war zum ersten Mal im Jahr 2009 in Banksys Solo-Schau in Bristol zu sehen, bevor er es im 2011 an den Sammler verkaufte, der es nun bei Sotheby’s eingereicht haben soll. Mit Zustimmung dieses Sammlers, der, so heißt es, kein Brite sei, nahm Banksy kurz nach dem Verkauf Änderungen daran vor, wie der Auktionator Oliver Barker im Anschluss dann auch erklärte. Er übermalte zwei Deckenlampen, drehte die Banane in der Hand eines der Affen nach unten, und machte das Bild im Ganzen dunkler. Am 29. März dieses Jahrs, dem ursprünglichen Termin des britischen Austritts aus der Europäischen Union, war es noch einmal für einen Tag in Bristol zu sehen.

          Zwar hat Banksy weltweit seine Fangemeinde, aber hinzu kommt, dass das Gemälde einen Symbolcharakter hat, der zweifellos auch Bieter anzog, die ein Stück Zeitgeschichte kaufen wollten. Sotheby’s gibt an, dass sich auch Institutionen beteiligten. Obwohl es eigentlich schon 2009 gemalt wurde – und sich kaum als attraktiv bezeichnen lässt –, wird das Bild lange mit dem Moment verbunden bleiben, in dem die Rolle und die Entscheidungsmacht der „Mutter aller Parlamente“ so fundamental in Frage gestellt wurden.

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