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Autographen und Bücher : Vom Bärlein: Vorschau auf die Auktion bei Bassenge in Berlin

Bassenges Frühjahrsofferte glänzt vor allem durch die kompletten Jahrgänge illustrer Kunstzeitschriften, darunter Harry Graf Kesslers „Pan“, erschienen zwischen 1895 und 1900 und beziffert mit 35 000 Euro.

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          Von lockerer Künstlerhand mit Rostschutzfarbe besprüht, soll der Ausstellungskatalog zu Gerhard Richters „Grauen Bildern“ nächste Woche bei Bassenge in Berlin 1200 Euro erzielen. Den Preis erklärt der Umstand, daß es sich bei dem bekleckerten Buch um ein Exemplar aus einer Edition handelt, die nach einer Ausstellung im Städtischen Museum von Mönchengladbach auf den Kunstmarkt gelangte.

          Camilla Blechen
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Bei der Versteigerung wertvoller Bücher vom 26. bis 29. April in Berlin kommen außerdem vier Radierungen zum Verkauf, die Georges Braque 1958 zu Gedichten des französischen Symbolisten Saint-Pol-Roux schuf (Taxe 4000 Euro), oder die zum gleichen Preis abrufbaren Lithographien, mit denen Henri Matisse die „Poèmes“ des Charles d'Orléans schmückte. Zu Recht weitaus teurer angeboten werden Probedrucke von Max Beckmanns „Apokalypse“ (18 000). Eine druckgraphische Delikatesse, Robert Indianas Siebdruckfolge „American dream“, wäre für den Einsatz von 6000 Euro zu gewinnen.

          Pan und Minotaurus

          Bassenges Frühjahrsofferte glänzt vor allem durch die kompletten Jahrgänge illustrer Kunstzeitschriften. Harry Graf Kesslers „Pan“, erschienen zwischen 1895 und 1900, ist mit 35 000 Euro beziffert. Zuständig für „Arts, modes & frivoltés“, verlocken elf Hefte der „Gazette du Bon Ton“, Paris 1912/13, zur Anlage von 4500 Euro. Zwei Jahrzehnte später ebenfalls in der französischen Hauptstadt herausgebracht, galt der „Minotaure“ (6000) als zentrales Forum für namhafte Künstler und Intellektuelle, während sich „Derrière le miroir“ (2500) um die Zelebritäten der École de Paris kümmerte. Die üppige Kino-Kultur der Weimarer Republik spiegeln vier Jahrgänge des „Illustrierten Film-Kuriers“ wider, die auf 2200 Euro taxiert sind.

          Nicht ganz zufällig ins Ressort der Pflanzen- und Tierbücher geraten ist das von Wilhelm-Friedrich von Gleichen-Rußwurm verfaßte Prachtwerk der Mikroskopie, die es Wissenschaftlern erlaubte, die „geheimen Zeugungsteile der Pflanze in ihren Blüten“ vielfach vergrößert zu betrachten; der Schätzpreis für die 1763/66 in Nürnberg erschienene Rarität liegt bei 9000 Euro.

          Briefe an Kulmchen

          Nicht weniger als 12 000 Euro erwartet man für den ersten Druck der ersten Ausgabe von Goethes „Leiden des jungen Werthers“, das zum Kultbuch des Sturm und Drang avancieren sollte. Als weitere Kostbarkeit im Klassiker-Angebot erscheinen Friedrich Hölderlins Übersetzungen der Trauerspiele des Sophokles, Frankfurt, 1804, die für 5500 Euro zu ersteigern wären. Ein Dutzend Ausgaben von Werken des Österreichers Thomas Bernhard zu Preisen zwischen sechzig und 1300 Euro (für ein signiertes Exemplar des Romans „Frost“) dürfte die Gemeinde der Fans in Aufregung versetzen.

          Unter den in dreihundert Losen vorliegenden Autographen verdienen neunundsiebzig Briefe, die der Philosoph Ernst Bloch, der „letzte Träumer der alten Welt“, zwischen 1929 und 1949 an seine dritte Ehefrau Karola richtete, besondere Betrachtung. In unterhaltsamen Formulierungen unterrichtet das „Bärlein“ sein „Kulmchen“ über die Begegnungen mit namhaften Zeitgenossen, die Mühsal konzentrierten Arbeitens bei rasch wechselnden Aufenthaltsorten und alltägliche Mißgeschicke („Die Putzfrau hat Manuskripte zusammen mit Kartoffelschalen in den Mülleimer geworfen“). Der Schätzpreis des biographisch wie zeitgeschichtlich aufschlußreichen Konvoluts beträgt 18 000 Euro. Als „bedeutende Sammlung von Briefen aus Familien des preußischen und baltischen Hochadels“ annonciert, sollen für 4000 Euro angebotene Dokumente neues Licht vornehmlich auf das weitverzweigte Geschlecht der Radziwill werfen.

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