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Autographen : Katja und ihr Zar

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Anfangs waren sie ein geheimes Liebespaar: Zar Alexander II. und Jekaterina Dolgorukaja. Insgesamt sieben ihrer Briefe werden am 23. März bei Venator und Hanstein in Köln versteigert. Eine in Verlangen glühende und in der Erinnerung schwelgende Konversation.

          „Ich brauche Dir nicht zu erklären, denn Du hast es selbst gesehen und gefühlt“, schrieb Zar Alexander II. im Februar 1869 an seine Geliebte, „dass unsere Bingerles mir, so wie Dir, den Taumel der Lust gegeben haben.“ Die Adressatin des mit brauner Tinte in gepflegter Handschrift verfassten Briefes mit Prägestempel und Monogramm des Zaren war die knapp dreißig Jahre jüngere Jekaterina Dolgorukaja, eine Nachfahrin des Gründers von Moskau, Fürst Dolgorukij.

          Das Verhältnis begann im Juli 1866 - der Zar war siebenundvierzig - und hielt vierzehn Jahre an und ist belegt durch eine intensive Korrespondenz, die sich größtenteils im Moskauer Staatsarchiv befindet. Ein kleiner Teil der Liebesbriefe verblieb in Privatbesitz. Venator & Hanstein kann am 23. März in Köln mit Briefen, vier aus der Hand des Zaren und drei von Jekaterina Dolgorukaja, von 1869 und 1871 aufwarten - eine in Verlangen glühende und in der Erinnerung schwelgende Konversation. Alexander und Katja nennen sich aus Gründen der Diskretion nie mit Namen und schreiben auf Französisch, hier und da gespickt mit russischen Ausdrücken.

          Beschreibung des Zarenalltags

          „Bingerle“ ist das von Katja erfundene so zärtliche wie verspielte Zauberwort für den Liebesakt, dem beide jeden Tag aufs Neue entgegenfiebern. „Dein lieber Brief hat mich heute zur gewohnten Stunde erreicht und mich mit Sonne erfüllt“ - so begann Alexander am 2. Februar 1869 seinen Brief an Katja; die Beschreibung des Zarenalltags zwischen Paraden, Schlittenfahrten und Haareschneiden wechselte ab mit Liebesschwüren und Tröstungen, dass die „Bingerles“ der „Schatz“ seien, der „uns die Kraft und den Mut gibt, alle Entbehrungen unserer gegenwärtigen Existenz zu ertragen, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft“.

          Kurz nach dem Tod der Zarin Maria Alexandrowna im Juni 1880 heiratete Alexander II. seine Geliebte; sie hatten bereits drei Kinder. Aus den Briefen geht hervor, dass die Liebenden längst insgeheim einen eheähnlichen Bund geschlossen hatten: Alexander bezeichnete sich als „petit mari“ und nannte Katja seine „adorable petite femme“, während sie in ihrem Brief vom 25. Oktober 1871 versicherte, „vor Gott und unserem Gewissen einander anzugehören“. Das Kind, das sie im Mai 1872 zur Welt brachte, wurde als schon früh als Quelle erhöhter Freuden empfunden: „Mein kleiner Bauch wird Deine Tollheit verdoppeln.“

          Obszöne Beschreibungen

          Während der Zar seine Liebesglut in relativ gezügelter Sprache zu Ausdruck bringt, wusste Katja die Leidenschaft mit expliziten, aber nie obszönen Beschreibungen zu schüren. Freimütig bekannte sie ihre Lust, „ihn zu trinken“ oder ihre Magenschmerzen mit seinen „Säften“ heilen zu wollen. Wahrscheinlich hat der Gebrauch der französischen Sprache, die im 18. Jahrhundert von Crébillon Fils über Diderot, Sade bis hin zum Comte de Mirabeau erotische Literatur salonfähig gemacht hat, den beiden die Feder gelöst.

          Alexander und Katja suchten in der Liebe höchste Erfüllung, physisch wie auch moralisch. Als Katja 1870 in den Winterpalast einzog, suchte sie der Zar bei jeder Gelegenheit über eine Geheimtreppe in ihrem „Nest“ auf. Nach ihrer Heirat war Alexander II. und Jekaterina, nunmehr Fürstin Jurjewskaja, nur ein kurzes Glück beschieden: Am 13. März 1881 fiel der Zar einem Sprengstoffattentat zum Opfer; seine Witwe emigrierte mit ihren Kindern nach Frankreich. Die große Liebe des Zaren, die von der kaiserlichen Familie nie akzeptiert wurde, starb 1922 im Alter von 75 Jahren. Die Briefe des Zaren sind auf jeweils 13.000 Euro geschätzt, für die expliziteren „Bingerle“-Beschreibungen Katjas sind bis zu 19.000 Euro anzulegen.

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