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Autographen : Irren verwirrt

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Ein Bittbrief von Goya, Noten von Gustav Mahler und eine Portätfotografie von Caruso : Das werden nicht die einzigen Schmankerln sein, wenn am 21. und 22. November die Autographen-Auktion von J.A. Stargardt im Berliner Opernpalais stattfindet.

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          Gut 1200 Lose umfaßt der Katalog für die Autographen-Auktion von J.A. Stargardt im Berliner Operpalais am 21. und 22. November. Besonders spektakulär ist dabei ein Stück aus der Wissenschaft - genauer, wäre es gewesen: Ein 65 Seiten langes Manuskript Martin Heideggers, nebst 140 Seiten an Zusatzblättern und Notizen, versehen mit einer Taxe von 75.000 Euro. Stargardt mußte das Konvolut aber auf Veranlassung des Rechteinhabers aus der Auktion herausnehmen. Deshalb wird man sich nun doch vorerst nicht am Original darüber informieren können, was Heidegger kurz nach seinem Rücktritt als Rektor anstelle des angekündigten Themas „Der Staat und die Wissenschaft“ zu sagen hatte. Bislang war vermutet worden, daß von der Freiburger Logik-Vorlesung des Philosophen aus dem Sommer 1934 nur studentische Nachschriften existieren.

          In der Auktion bleiben ein Handexemplar von Ernst Blochs „Durch die Wüste“ mit zahlreichen Beiblättern (Taxe 6000 Euro), ein Brief Sigmund Freuds von 1923 an den Psychiater Jan van den Hoop über dessen Lehrer C. G. Jung (8000) und ein Brief des Begründers der Homöopathie, Samuel Hahnemann, über die „schleichende Pest“ des Kaffees (6000) bemerkenswert.

          Wuchtige Widmungen

          An der Spitze der Musik steht ein Manuskript des Lieds Nr. 11, von Gustav Mahler, „Es sungen 3 Engel einen süßen Gesang“ aus „Des Knaben Wunderhorn“ (35.000). Eine wuchtige, mit Widmung versehene Porträtfotografie Enrico Carusos in voller Montur als Rudolf in „La Bohème“ von 1913 ist dagegen schon für 600 Euro zu haben. Die vollständige Niederschrift von Max Regers Klavierstück „Perpetuum mobile“ ist auf 6000 Euro geschätzt. Man Ray hat Arnold Schönberg fotografiert, und Schönberg schreibt eine Widmung an seinen Schüler Roberto Gerhard (3000). Eine Klavierkomposition Robert Schumanns in b-Moll mit vier Satzanfängen ist im Werkverzeichnis nicht nachgewiesen, aber durch seine Tochter Eugenie als von seiner Hand bestätigt (12.000).

          Die Literatur bildet traditionell den Schwerpunkt: Unter den zahlreichen Goethe-Dokumenten findet sich die gedruckte Todesanzeige, aufgegeben von der Schwiegertochter Ottilie (400 Euro), ein Albumblatt mit einer Strophe aus dem Westöstlichen Divan - „Mich verwirren will das Irren“ - für geschätzte 8000 Euro und zwei Seiten aus Goethes Aufsatzmanuskript über die Oper „Die Athenerinnen“ von Spontini (3500). „Ich bin ein gehetzter Hund“ - Heinrich Heines Brief von 1836 an den Verleger Campe, der so einsetzt, ist auf 12.000 Euro taxiert und damit eines der Hauptstücke.

          Bittbrief aus dem französischen Exil

          Erhaben sind die Verse von Karl Kraus auf den Tod seines Freundes Peter Altenberg im Frühjahr 1919 - „Er konnte toben; ihr jedoch seid stumm. / Ein Narr verließ die Welt, und sie bleibt dumm.“ (3500). Eine Brief- und Ansichtskartenfolge mit 26 Autographen von Thomas Mann an den Schriftsteller Hans Reisiger mit zahlreichen Bemerkungen über Manns Romanwerk soll es auf 30.000 Euro bringen. 1645, Pietro da Cortona arbeitete bereits seit fünf Jahren an seinen Fresken im Palazzo Pitti, schreibt er aus Florenz an seinen Gönner Cassiano del Pozzo: Eigenhändige Briefe Cortonas mit Unterschrift sind von größter Seltenheit - dieser wurde zuletzt 1962 bei Stargardt versteigert (6000).

          Courbets vierseitiger Autograph an einen befreundeten deutschen Maler, in dem es um Politik geht, wird auf 2000 Euro geschätzt. Degas berichtet in Losnummer 688 von einer fürchterlichen Hitze, aber es bleibt, bis die Degas-Forschung mehr weiß, sein Geheimnis, von welchem Jahrhundertsommer die Rede ist (2000).

          Goyas aus dem französischen Exil geschriebener Bittbrief an Joaquin Ferrer wird auf 16.000 Euro geschätzt. Toulouse-Lautrec hingegen beklagt gegenüber seiner Mutter, es sei zu kalt im Pariser Januar 1894 und er stehe deswegen gar nicht erst auf: „Suis resté au lit comme une marmotte“ (2000). Ein Konvolut umfaßt mehr als 180 Autographen von Hermine, zweite Gattin Wilhelms II., an den befreundeten Maler Wilhelm Beckmann in Berlin (2000). Und Friedrich II. versichert noch als Kronprinz seinen Vater eigenhändig (8000) seines Respekts: „Meine Frau leget sich gantz untherthänigst Meinem aller Gnädigsten Vahter zu fühsen und ich ersterbe mit allem ersinnlichsten respect und Devotion.“

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