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Autographen : Briefgeheimnisse: Stargardt in Berlin feiert sein 175. Jubiläum mit einem Katalog

1830 von dem Königlichen Musikdirektor Johann Carl Klage gegründet und 1847 von dem Buchhändler Joseph A. Stargardt übernommen, ist die auf Autographen spezialisierte Firma seit 1885 im Besitz der Familie Mecklenburg.

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          Was den Berliner Staatlichen Museen recht war, durfte einem traditionsreichen Auktionshaus billig sein: werbewirksam an das gemeinsame Gründungsdatum 1830 zu erinnern. Während die Nationalgalerie das Jubiläum mit etlichen Ausstellungen feierte, legte J. A. Stargardt inen Sonderkatalog vor, der dem Anlaß entsprechend 175 Handschreiben von Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern enthält.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Ein ausführlicher Rückblick auf die Geschichte des Unternehmens, das von dem Königlichen Musikdirektor Johann Carl Klage gegründet wurde, ehe es 1847 der Buchhändler Joseph A. Stargardt übernahm, rekapituliert Aktivitäten, Geschäftserfolge und Durststrecken der auf Autographen spezialisierten Firma. Nach dem 1885 vollzogenen Verkauf an Eugen Mecklenburg blieb der ursprüngliche Besitzername erhalten - und lebt bis heute fort.

          Klassisches und Romantisches

          Die durchweg moderaten Preise für die nicht selten von prekären Lebenssituationen der Absender kündenden Briefe kontrastieren 28 000 Euro für einen Zwölfzeiler Goethes, dessen Vortrag durch junge Damen im Kostüm von Marketenderinnen den Herzog Carl August überraschen sollte. Mit 6000 Euro beziffert ist eine unveröffentlichte Einladung Wielands an den Kollegen Zacharias Werner, gemeinsam mit dem Weimarer Schauspieldirektor Goethe „eine Mittagssuppe bey mir zu essen“. Anmerkungen des Romanciers Christian August Vulpius, Goethes Schwager, der an den vorgeblichen Studienerfolgen seines Sohns Rinaldo zweifelt, komplettieren den Blick auf die Weimarer Klassik.

          Vom 30. September 1836 datiert die der Pianistin Henriette Voigt vorgetragene Bitte Robert Schumanns, seiner nach väterlichem Ratschluß entrückten Braut Clara Wieck insgeheim die Partitur eines „Concertes“ zu zeigen: „Ich möchte wissen, was sie dazu meint und ob sie es versteht.“ Ein Vierteljahrhundert später offenbart Richard Wagner einer Gönnerin, der Fürstin Pauline von Metternich: „Ich brachte noch niemand Glück, und Sorge, ernste Sorge, war das Los eines Jeden, der sich mir noch theilnehmend erwies.“ Schumanns Versuch einer Kontaktaufnahme kostet 4800 Euro, Wagners undiplomatisches Lamento 4200 Euro.

          Else Lasker-Schüler von Indianern flankiert

          Zurück zu den Ursprüngen der Autographen-Sammelleidenschaft führt ein vereinzeltes Stammbuchblatt mit einem Bibelzitat, das der Reformator Philipp Melanchthon auswählte und unterschrieb (6000 Euro). Eine handschriftliche Ergänzung zur zweiten Auflage von Schopenhauers „Welt als Wille und Vorstellung“ - „Alles Urdenken geschieht in Bildern: darum ist die Phantasie ein so nothwendiges Werkzeug desselben“ - wäre bei 4800 Euro abrufbar.

          Zu guter Letzt streift der Jubiläumskatalog mit illustrierten Briefen die Sphäre des Bildnerischen: Else Lasker-Schüler zeichnet sich selbst als „trauriger Prinz Jussuf“, von zwei Indianern flankiert (6000 Euro). Horst Janssen schmückt den Wunschzettel an einen „lieben Keinachtsmann“, der „eine Handfull billige kleine Borstenpinsel“ bescheren möge, mit einem Doppel-Selbstporträt aus jungen und gereiften Jahren (3600 Euro).

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