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Autographen bei Stargardt : Was Kafka noch zu sagen hatte

  • -Aktualisiert am

Aus der Feder eines Genies: Rückseite eines Musikmanuskript von Mozart mit Entwürfen für ein Konzertprogramm, geschätzt auf 140.000 Euro. Bild: Stargardt,

Eine Mozart-Entdeckung, Kafka als Tourist und ein verliebter Brentano: Die Auktion mit Autographen bei Stargardt in Berlin.

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          „Gemüseomelette, Emmenthaler, Kaiserfleisch“ lauten Franz Kafkas Empfehlungen von der Speisekarte des Restaurants Neptun in Marienbad, so schrieb er es in die Broschur eines Reiseführers für die Kurstadt. Wenn am 15. und am 16. April bei Stargardt in Berlin Autographen berühmter Persönlichkeiten aus den Sektionen Literatur, Wissenschaft, Kunst, Geschichte und Musik versteigert werden, ist Kafka mit vier Losen vertreten, die auf ganz unterschiedliche Weise an Leben und Werk des Prager Schriftstellers erinnern. Den Reiseführer hatte Kafka bei seinem Aufenthalt im Juli 1916 mit seiner Verlobten Felice Bauer benutzt; mit seinen Anmerkungen versehen sollte er zur Orientierung für seinen Freund Max Brod und dessen Frau Elsa dienen, die den Kurort wenig später besuchten. Das historische Dokument wird auf 16.000 Euro geschätzt.

          Insidertipps für Max Brod: Titelblatt eines Reiseführers für Marienbad mit Anmerkungen von Franz Kafka, geschätzt auf 16.000 Euro.
          Insidertipps für Max Brod: Titelblatt eines Reiseführers für Marienbad mit Anmerkungen von Franz Kafka, geschätzt auf 16.000 Euro. : Bild: Stargardt

          Eine Zeitungsseite aus dem Jahr 1906 soll ebenso viel wert sein, da sie Kafka am Rand mit markant gezeichneten Figuren verziert hat. Auch bei einer Maschinenschrift kann es sich um ein wertvolles Autograph handeln: Kafka verzichtete üblicherweise auf Abstände nach Satzzeichen und ließ die Versalien über der Grundlinie schweben, wenn er seine Texte auf einer „Oliver“-Schreibmaschine seines Arbeitgebers abtippte. Diese typischen Merkmale sind auch auf dem Typoskript mit der Parabel „Eine kaiserliche Botschaft“ von 1917 zu sehen, das mit einer Taxe von 8000 Euro versehen ist.

          Briefe an Minna

          Der Höhepunkt des kleinen Kafka-Angebots ist ein mit 40.000 Euro bezifferter vierseitiger Brief, datiert auf den 1. Februar 1919. Es ist einer der wenigen Schreiben Kafkas an seine Schwester Ottilie, die es noch auf dem Markt gibt. Vor zehn Jahren gelang es dem Literaturarchiv Marbach mit der Bodleian Library Oxford, die fast vollständige Folge der Briefe vor ihrer geplanten Auktion zu erwerben. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart; geschätzt wurden die 111 Briefe und Karten auf 500.000 Euro.

          Für die Geschichte der deutschen Romantik bedeutsam ist die vollständige Folge der Liebesbriefe von Clemens Brentano an die siebzehnjährige Wilhelmine „Minna“ Reichenbach, die im Sommer des Jahres 1800 in Altenburg entstanden ist. Dort verbrachte der Dichter Tage mit Minna und ihrer Schwester, um ihr abends schriftlich sein Herz auszuschütten und zu träumen: „säße ich auf einem Sofaküßen, das Ihre süße Gefälligkeit mir hingelegt hätte“. Die Briefreihe endete mit einer Abweisung Minnas, worauf sich Brentano bei der Schwester beklagt: „Minna, die mir nicht aus dem Herzen will, sie verbot mir zu schreiben, und soll das verbot aufheben sonst schreib ich ein Buch an sie.“ Tatsächlich widmete Brentano den ersten Band seines Romans „Godwi“ den Reichenbach-Schwestern. Die Reihe aus elf Briefen, einem Gedichtmanuskript und einem Billet ist auf 30 000 Euro geschätzt.

          In der Sektion Geschichte findet sich ein inhaltsreiches Dokument aus Zeiten der Frankfurter Nationalversammlung. Damals unterhielt die Patrizierin Clotilde Koch, eine Tochter des Hauses Gontard, in der Stadt am Main einen politischen Salon, in dem sich zahlreiche Abgeordnete aller Parteien einfanden. Die Wertschätzung, die ihr die Besucher entgegenbrachten, sowie die politischen Entwicklungen der Zeit lassen sich anhand der 55 Eintragungen in ihrem auf 5000 Euro taxierten Stammbuch aus den Jahren 1848 bis 1852 verfolgen. Darunter ist ein Eintrag des Präsidenten der Nationalversammlung, Heinrich von Gagern, mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verband. Der hessische Politiker Richard Eigenbrodt schreibt passend: „Ihr Album, verehrte Frau, ist den Erinnerungen an eine Zeit großer patriotischer Bestrebungen, Hoffnungen – vielleicht Täuschungen gewidmet“.

          Musikalisches Spitzenlos

          Auf stolze 140.000 Euro ist ein Blatt von der Hand Wolfgang Amadeus Mozarts geschätzt. Bei dem Spitzenlos handelt es sich laut Katalog um „eine der bedeutendsten Mozart-Entdeckungen der letzten Jahre“, die der Forschung bislang unbekannt sei. Das Manuskript enthält Programmentwürfe auf der Rückseite und womöglich damit neue Erkenntnisse zur Planung eines der berühmtesten Mozart-Konzerte, das der Komponist am 23. März 1783 im Wiener Burgtheater spielte, sowie auf der Vorderseite die Violinstimme für zwei Orchestertänze.

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