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Ausstellung : Und dann macht es peng

Besser geht es nicht: Sante D’Orazio öffnet seine „private Schatzkammer“, im Schirmer/Mosel Showroom in München sind etliche seiner Polaroids zu sehen.

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          In der Branche zwischen Glamour, Mode und Werbung ist die Polaroidfotografie wie ein Spiel, dessen Regeln erst formuliert werden müssen. Das Brett ist aufgeklappt, die Figuren stehen in Position. Doch noch weiß niemand, was passiert, wenn der Würfel erst gefallen ist. Wie man zieht. Wohin man sich bewegt. Und was genau geschieht, wenn zwei Figuren auf demselben Feld landen. Im Idealfall macht es peng! Dann wird der Spaß zum Ernst, und der Fotograf schießt mit schwererem Equipment weiter.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Sante D’Orazio ist der Fotograf, den man in der Branche zwischen Glamour, Mode und Werbung gern engagiert, wenn es möglichst oft peng machen soll. Dabei ist bei ihm häufiger ein Bett, als ein Brett aufgeklappt. Und wenn die Figuren ziehen, dann sind es meist Kleider, und zwar aus. Der „Playboy“ zählt zu seinen Kunden, aber auch die „Vogue“, „Esquire“ oder „Vanity Fair“, und als das Dessous-Unternehmen „Victoria’s Secret“ nach der Form für einen neuen Auftritt suchte, wandte es sich ebenfalls an ihn. Geheimnis ist, trotz aller augenfälligen Offenheit solcher Models wie Tricia Helfer, Rachel Williams und Pamela Anderson, zu seinem Markenzeichen geworden. Man sieht viel, erfährt aber wenig. Auch ein Akt gibt sich bei ihm keine Blöße.

          Der Weg vom Spiel zum Ernst

          „Polaroids“ heißt eine Ausstellung im Schirmer/Mosel Showroom in München, für die Sante D’Orazio neunundvierzig Polaroidaufnahmen ausgewählt hat. Die meisten von Frauen und allesamt aus seiner „privaten Schatzkammer“, wie es in begleitenden Zeilen heißt. Kleine Bilder, eher als Objekte zu bezeichnen denn als fotografische Abzüge. Sie sind Mementos aus der Aufwärmphase zwischen Modell und Fotograf, Testbilder für Licht und Posen, Dokumente, mit denen sich der Weg vom Spiel zum Ernst nachzeichnen lässt. Entstanden sind sie zwischen 1991 und 2014, zum Großteil in der prädigitalen Zeit der Fotografie, als das Sofortbild die einzige Möglichkeit war, augenblicklich ein Ergebnis in Händen zu halten. Und man sieht förmlich, wie der Fotograf und sein Modell über dem Bild die Köpfe zusammengesteckt haben. „Schau, so sieht das aus“, hat er gesagt. Denkt man. Und sie oder er antwortet: „Besser geht’s nicht. Lass es uns genau so machen.“

          Das ist das Erstaunliche an diesen Bildern: wie sich die Leichtigkeit des Erprobens bereits in die vollendete Komposition fügt. Da sind Profis am Werk, vor wie hinter der Kamera. Das Spiel, das sie spielen, heißt Verführung. Die Regeln werden erst erfunden. Kate Moss, noch ganz vorne in der Aufwärmphase, recht Laub in einem Garten, während Naomi Campbell bereits gut lachen hat. Eva Herzigová verstrubbelt sich das Haar, und Heidi Klum bläst einen Kaugummi so weit auf, dass es jeden Moment peng machen wird.

          Die Bilder sind Unikate, das bringt diese Technik mit sich. Und gewissermaßen sind sie auch Reliquien, von ihm signiert und womöglich von beiden in Händen gehalten. (Die Preise liegen zwischen 4200 Euro für Susan Sarandon und 6000 Euro für Pamela Anderson.)

          Schirmer/Mosel Showroom: Sante D'Orazio - Polaroids 1991-2014, Galeriestr. 2, München, noch bis zum 7. Mai.

          Der Begleitband „Polaroids“ mit einer anderen und größeren Auswahl kostet 29,80 Euro.

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