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Ausstellung in Pariser Galerie : Zeichen in der Gefühlslandschaft

  • -Aktualisiert am

Natürlich ist Schwarz eine Farbe. In der Galerie Karsten Greve in Paris sind neue Arbeiten der Künstlerin Pierrette Bloch zu sehen.

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          Die aktuelle Ausstellung in der Pariser Galerie von Karsten Greve zeigt die jüngsten Arbeiten auf Papier von Pierrette Bloch, einer großen alten Dame der französischen Abstraktion.

          Einmal sind es Reihen mit Komma-Strichen, dann wieder ganze Schreiblinien in einem mehr oder weniger dichten Schlingenmuster oder Folgen von punktförmigen Zeichen, die einer geheimen Schrift gleichen könnten. Diese Zeichen, die in ihrer Form und Disposition zu Elementen einer subtilen Emotionslandschaft werden, sind einfach nur schwarz oder weiß: auf Kalkpapier, Kartonpapier, Seidenpapier, wieder in Schwarz, in Weiß, allenfalls einmal im Braun von Packpapier. Das Format kann ein Normformat sein, aber gerne auch ungewöhnlich in die Länge gezogen, zufällig vorgefunden, etwa mit den leise ausgefransten Rändern von handgeschöpftem Seidenpapier oder den Spuren einer scheinbar beliebigen Malunterlage, wie sie der kartonierte Rücken eines Spiralblocks bietet.

          Arbeiten auf Papier gehören von Anfang an zur bevorzugten Ausdrucksform von Pierrette Bloch. Bei Greve sind nun ihre jüngsten Werke, seit 2012 entstanden, zu sehen. Mit 86 Jahren hat die gebürtige Pariserin, deren Eltern aus der Schweiz stammen, die gesamte Nachkriegsmoderne durchlaufen, in der Abstraktion, Minimalismus und Konzept-Kunst im Vordergrund standen. In den fünfziger Jahren bilden großformatige Collagen den Mittelpunkt ihres Schaffens, dann folgen Phasen, in denen sie bevorzugt mit Tusche arbeitet und das grundlegende Vokabular ihres Werks entwickelt.

          In der Wiederholung und rhythmischen Streuung minimalistischer Zeichen - sich nie gleichender Punkte, Striche, Schleifen - gelingt es ihr, Emotionen mitzuteilen. In den siebziger Jahren entdeckt die Künstlerin Rosshaar und Maschenstrukturen für sich, die ihr die Möglichkeit bieten, die dritte Dimension zu erobern und ihre so eigene Zeichensprache - nun in Form von Knoten, Vernetzungen, Verstrickungen - im Raum zu entfalten. Die zarten Schatten, die an Nylonfäden verschlungene Haarsträhnen auf eine weiße Wand werfen, werden Teil solcher skulpturalen Zeichnungen.

          In Pierrette Blochs Universum gibt es keine Spektralfarben, aber mit ganzer Vorliebe Schwarz. „Ich habe es immer sehr gemocht, wie ein Blatt vom Schwarz angebrochen wird“, bemerkt die Künstlerin selbst dazu - und natürlich sei Schwarz eine Farbe. Frappierend bleibt, bei allen Unterschieden gerade in dieser Einschätzung, die geistige und künstlerische Nähe zu ihrem lebenslangen Freund Pierre Soulages. Sie treffen sich auch in ihrer je eigenen Suche nach der höchsten Reduzierung, in deren Verdichtung Poesie und in deren Rhythmus eine innere Musik erlebbar werden.

          Sie würde weder Geschichten noch Landschaften malen, sondern Momente, erklärt Pierrette Bloch mit dem unwiderstehlich offenen Lächeln der Menschen, die ihr Denken jenseits von Bewertungen eingerichtet haben. Es geht ihr um den unzensierten Ausdruck eines momentanen Geisteszustands, einer Tageskondition. Dabei wird jede spontane Entscheidung zu einem Ausdruckselement: Ist die Unterlage sanft oder kartoniert, hell oder dunkel, weist sie Unebenheiten auf, oder ist sie genormt, wird zur pastosen Ölkreide gegriffen oder zur weich verwischbaren Kohle? Das Vergnügen, sich von den Substanzen der Malerei sinnlich führen und ins eigene Unbewusste verführen zu lassen, blitzt in allen Arbeiten Pierrette Blochs auf.

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