https://www.faz.net/-gqz-9svjf

Ausstellung in Berlin : So macht Bauhaus Spaß!

Bauhaus-Klassiker neben zeitgenössischen Arbeiten: Ulrich Fiedler und Annette Kicken zu Gast bei Mehdi Chouakri in Berlin.

          2 Min.

          Glaubt man dem Galeristen Mehdi Chouakri, dann hatte er eigenen Erledigungen wegen den Baumarkt besucht und seinen Künstler Mathieu Mercier nur zufällig im Schlepptau. Doch während nun er sein Material zusammensuchte, begann der französische Bildhauer an einem Regal mit Kupferrohren ein Knie ins andere zu stecken, bis eine Art doppelt verdrehtes Möbiusband entstand. Chouakri war begeistert, packte dreihundert dieser kupfernen Teile in seinen Einkaufswagen und brachte die Skulptur in einer Auflage von dreißig Exemplaren auf den Markt. Das ist jetzt fünfzehn Jahre her, und die Edition ist lange schon ausverkauft.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Eine der Arbeiten ist dennoch in der Ausstellung „A Bauhaus Project“ zu sehen. „Die Teile stammten ja aus dem ,Bauhaus‘“, begründet Chouakri die Entscheidung mit dem Namen des Baustoffhändlers. Zugleich aber gibt die verkordelte Form der kleinen Plastik gewissermaßen das Programm der Präsentation vor, für die sich Chouakri mit den Berliner Galeristen Ulrich Fiedler und Annette Kicken zusammengetan hat, denn sie überrascht mit wunderbaren Volten und etlichen Anspielungen, bisweilen voller Ironie.

          Fast hundert Stücke werden präsentiert, von Haushaltsgegenständen über Plastiken der konkreten Kunst bis zu Fotografien. Von einer Türklinke nach dem Entwurf von Walter Gropius (150 Euro) über ein gläsernes Teeservice von Wilhelm Wagenfeld (2000 Euro) bis zu Marianne Brandts Schirmständer (15.000 Euro) reicht die Bandbreite nützlicher Gegenstände. Aber wie sie hier präsentiert werden, in einem Regal wie einem überdimensionierten Setzkasten, gleichen sie eher den Schätzen einer neusachlichen Wunderkammer. Dazwischen schmeicheln sich zeitgenössische Arbeiten einer ähnlich strengen Ästhetik, etwa das schwarzweiße Puzzle eines Schachbretts (120 Euro) und das verrückt-bunt-fröhliche Objekt von Sylvie Fleury aus farbigen Lockenwicklern und Haarspangen (18.000 Euro). Ebenfalls von Sylvie Fleury stammen zwei mit metallic-violettem Autolack gespritzte Damenbeine samt Minirock, die sich mehr als einen Meter aus der Wand schieben und mit ausgestreckten Zehen auf das wohl berühmteste Bild des Fotografen Umbo deuten: zwei Puppenbeine in Pantoffeln – so seltsam schwebend, wie es nur ein Traum plausibel erklären kann (55.000 Euro).

          Die Aufnahme entstammt einem Portfolio, das Rudolf Kicken 1980 gemeinsam mit dem Fotografen zusammengestellt und herausgegeben hat. Zwei weitere Portfolios aus dem Jahr 1985 mit jeweils zehn signierten Arbeiten von Bauhausfotografen bilden einen weiteren Schwerpunkt (je 25.000 Euro). Regelrecht museal aber wird die Ausstellung mit Vintage Prints einiger der mithin bekanntesten Künstler des Dessauer Bauhauses. Darunter Lucia Moholy, Erich Consemüller und Walter Peterhans. Die Preise beginnen bei 5000 Euro. Nur László Moholy-Nagy lässt diese Liga weit hinter sich. Eine Variante seines berühmten Blicks hinunter vom Berliner Funkturm auf geräumte Wege im Schnee ist mit 280.000 Euro das teuerste Stück der Ausstellung.

          Bis zum 15. Dezember; Galerie Mehdi Chouakri, Mommsenstraße 4, Berlin

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.