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Aus dem ZADIK : Vierzig Meter Leben in der Welt der Kunst

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Kasper König hat dem Zentralarchiv in Köln seine gesammelten Papiere zur Erschließung überlassen. Was für ein Glücksfall für uns Zeitgenossen!

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          In Kürze wird Walter Grasskamps Buch „Kasper König“ erscheinen. Grasskamps Arbeit an dieser Biographie, für die ihm König Einblick in sein Privatarchiv gewährte, und Grasskamps Empfehlung einer professionellen Archivierung verdankt das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels (Zadik) in Köln das schönste Geschenk zu seinem zwanzigjährigen Bestehen: Seit März dieses Jahres hat das Zadik-Team im Büro von Kasper König, nicht selten während dieser am Schreibtisch saß, still und behutsam jene rund vierzig laufenden Meter mit Postkarten und Briefen von internationalen Künstlerpersönlichkeiten seit den sechziger Jahren aus den Regalen gezogen und gekennzeichnet, samt Projektskizzen von Künstlern, Königs schriftlich fixierten eigenen Überlegungen, Materialsammlungen, Dokumentationen, Kalender, Adressbücher, Fotos und alle möglichen anderen Dinge.

          In den Beständen des Archivs war König allerdings schon lange vorher präsent. So waren etwa mit dem Nachlass des Kunstkritikers Heiner Stachelhaus Kopien der auswärtigen Gutachten zur Besetzung des Direktorenpostens des Museums Ludwig ins Haus gekommen: Kein Wunder, dass König vor zwölf Jahren berufen wurde, denn alle Gutachten sind ausgesprochen positiv.

          Sie zeichnen seinen eindrucksvollen Werdegang nach, rühmen seine entscheidenden Karrierestationen, darunter seine Lehre am Nova Scotia College of Art and Design im kanadischen Halifax von 1972 bis 1976, seine „Skulptur.Projekte“ in Münster seit 1977, die Ausstellungen „Westkunst“ in Köln 1981 und „Von hier aus“ in Düsseldorf 1984, seine Berufungen auf den neu gegründeten Lehrstuhl „Kunst und Öffentlichkeit“ an der Kunstakademie Düsseldorf 1985 und 1988 an die Frankfurter Städelschule, deren Rektor er 1989 wurde.

          Nicholas Serota lobt ihn als erfolgreichen Diplomaten, dessen Stärke in der Anerkennung liege, die ihm von Künstlern und Kuratoren zuteil werde; andere preisen seine ebenso engmaschigen wie weitreichenden internationalen Vernetzungen. Und nur selten gibt jemand zu bedenken, er sei eigentlich kein Museumsmann oder Kunsthistoriker.

          Das brauchte König, wie man spätestens heute am Ende seiner erfolgreichen Ära am Museum Ludwig weiß, auch nicht zu sein. Seine Lebensleistung - 2009 durch den erstmals vergebenen „Lifetime Achievement Award“ der Guggenheim Foundation gewürdigt - und sein Archiv dokumentieren vorzüglich, dass er von Anfang an mehr auf der gestaltenden als auf der beobachtenden Seite der Kunstgeschichte stand. Nicht wenige Künstler, Kuratoren, Museumsleute und Kunsthistoriker haben ihm ihren Werdegang in entscheidenden Stationen zu verdanken. Viele Karrieren hat er über mehr als vier Jahrzehnte hinweg begleitet, wie sich etwa an seinen Sammlungen zu Gerhard Richter oder Dan Graham (allein 135 Autographen!) nachvollziehen lässt.

          Wie ließe sich ein solches kunstereignisreiches Leben zusammenfassen? Gar nicht. Aber um das sprichwörtliche „Königsformat“ schon in seiner Anlage zu erkennen, reicht es, ins Frühjahr 1964 zurückzublicken: König war zwanzig Jahre alt, hatte ein Volontariat in der Galerie von Rudolf Zwirner hinter sich, war nach London gegangen, um am Courtauld Institute zu studieren und in der Robert Fraser Gallery zu jobben. Nebenbei hat er Kunst gekauft, Künstler gemanagt, als Auslandskorrespondent gearbeitet. Am 9. April 1964 stempelte das Londoner Home Office das „Certificate of Registration“ für Rudolf - so sein amtlicher Vorname - König ab. Bald darauf besuchte ihn der frischgebackene Münchener Galerist und spätere Mitbegründer der „Dia Art Foundation“ Heiner Friedrich und bat ihn um Empfehlungen junger englischer Künstler: Aber König empfahl ihm Gerhard Richter.

          „Herr Friedrich war inzwischen da“, schreibt Richter an König auf einer Postkarte vom 23. Mai 1964 - das Ergebnis war Richters erste Ausstellung bei Heiner Friedrich, die am 10.Juni 1964 eröffnet wurde. Dieser Termin und Friedrichs Adresse sind in Königs Terminkalender notiert, und dort steht auch - auf der Doppelseite vom 26. bis zum 29. April -, dass er für 300 Pfund einen Yves Klein gekauft und 50 Pfund dabei verdient hat. Dass schon damals die Kunst Kasper Königs natürlicher Lebensraum war, wird vollends deutlich in einem Brief, den er am 8. Mai 1964, zusammen mit einem Exemplar des Katalogs der Ausstellung „1954-1964. Painting and Sculpture of a Decade“ der Calouste Gulbenkian Foundation in der Londoner Tate Gallery an Albert Schulze Vellinghausen schickte, den damaligen Grandseigneur der deutschen Kunstkritik, der seit 1953 für diese Zeitung schrieb: „Ich habe zum erstenmal die Amerikaner Jasper Johns, Lichtenstein, Jim Dine, Oldenburg in einer großen Ausstellung gesehen. Das ist die Stärke der Schau. Jasper Johns hat mich sehr beunruhigt. - Der Amerikaner, der die schon entworfene und entwickelte Fahne seines Landes malte, war mir sehr verständlich. Auch der Mann Lichtenstein, der Comic Strips in Übergröße an die Leinwand projiziert. - Jetzt habe ich diese Bilder unter vielen anderen Bildern der gleichen Entstehungsjahre gesehen, und speziell diese Bilder der beiden Amerikaner haben mich physisch aufgeregt. - Wir leben im Jahre neunzehnhundertundvierundsechzig.“

          Mit Mitteln der Kunststiftung NRW wird das Zentralarchiv nun Kasper Königs Archiv erschließen. Diese Arbeiten bilden die Basis für die kunsthistorische Auswertung des Bestands durch junge Forscher der Universität Köln unter der Leitung von Ursula Frohne - und für sicherlich viele weitere Recherchen.

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