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Aus dem ZADIK : Die Spur führt von Köln nach New York und wieder zurück

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Das Galeristenleben nach dem Goldrausch: Die Fotografien von Caroline Nathusius erzählen von harter, nächtelanger Kneipenarbeit.

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          In der Zeitrechnung der Archive treffen neue Bestände in der Regel mit der Verzögerung einer Generation ein. Heute liegt dieser Generationenabstand bei rund dreißig Jahren. Im Zadik aber klopften sie schon an im Mai 2011, in Gestalt des Fotoarchivs von Caroline Nathusius: Viereinhalbtausend Fotonegative nämlich, belichtet zwischen März 1991 und April 2004, wurden seither digitalisiert und erschlossen. Mit dem nächsten Relaunch der Zadik-Datenbank zum Jahreswechsel werden die ersten Bilder auch über die Zadik-Website einsehbar sein.

          Mit der Ausstellung von rund dreihundert Fotos, die das Jahrzehnt der Neunziger und die „Art-Bridge Köln - New York“ wieder lebendig werden lassen, gibt das Zentralarchiv derzeit einen analogen Vorgeschmack auf den digitalen Bestand. Diese erste Ausstellung von Nathusius’ Fotos, bereichert um aussagekräftige Memorabilien, konzentriert sich auf Schauplätze in Köln und New York, wo sie fast zu gleichen Teilen das Jahrzehnt als Ausstellungsmacherin und Chronistin ihrer Zeit verbracht hat.

          Ein Markt „im Goldrausch“

          In der Weltgeschichte beschäftigte die Menschen am Beginn der neunziger Jahre die Auflösung der Sowjetunion, der Fall der Mauer, die Wiedervereinigung und Berlin als (wieder) Hauptstadt, die Wirtschaftskrisen in Amerika und Japan, der Golfkrieg - und auch die Krise im globalen Kunstmarkt. In Köln markiert den Epochenwechsel die Schließung der Galerie von Paul Maenz; die letzte Ausstellung zeigte bis Januar 1990 Werke von Anselm Kiefer und trug den ominösen Titel „Der Engel der Geschichte“. Als Maenz 1984 die Berliner Künstlergruppe mit dem ähnlich ominösen Namen End-Art ausgestellt hatte, war der Kunstmarkt noch „im Goldrausch“, wie die Zeitschrift „Kunstforum International“ im November 1989 konstatierte. Nicht zuletzt die offensive Vermarktung der neuen figurativen Malerei trug dazu bei, das gesamte Kunstsystem in Frage zu stellen. Erstmals wurde offensichtlich, dass mit der fortschreitenden Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche auch die Kunst zu einer Art „innovativem Finanzprodukt“ wurde.

          Die Reaktion darauf manifestierte sich in der kritischen Überprüfung der „Produktions- und Rezeptionsbedingungen“ der Kunst und überhaupt des gesamten Betriebs: angefangen bei den Akademien, über die Galerien, die (Selbst-)Vermarktung, das private und öffentliche Sammeln, die traditionellen und alternativen Institutionen für Ausstellungen, bis hin zur Stellung der Kunst in Gesellschaft und Politik und ihren Möglichkeiten, sie zu verändern. Ein nicht unwesentlicher Teil dieser programmatischen Reflexion fand in harter nächtelanger Kneipenarbeit statt: Das dokumentieren die Fotos anschaulich. „Kontextkunst“ und „Institutionskritik“ lauten zwei der Begriffe, in denen man die Kunstprogramme dieser Dekade zu fassen versuchte.

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