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Auktionswoche in Wien : Da ist Twist im Relief

  • -Aktualisiert am

Max Ernst schwingt den Spachtel und Keith Haring bemalt eine Tür. Die Vorschau auf die Auktionswoche im Wiener Dorotheum.

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          Ein für Wien beachtlich internationales Angebot fährt das Dorotheum in seiner zweiten Auktionswoche vom 21. bis zum 24.Mai auf, und das kommt nicht nur durch Einbringungen aus den italienischen Filialen zustande. So stammt das Titellos der Klassischen Moderne aus einer Londoner Privatsammlung: Max Ernsts „Les jeunes et les jeux twistent“ von 1964 trägt neben anderen ein Etikett der Basler Galerie Beyeler. Die bewegte Oberfläche in Gelb-Grün schuf der Künstler durch untergelegte Brettchen, der Einsatz des Spachtels sorgt für noch mehr „Twist“ im Relief. Das vielfach ausgestellte Strukturbild soll 500.000 bis 600.000 Euro bringen. In Experimentierlaune zeigte sich Ernst auch in „Wüsten-Räuber“ von 1938, für das er auch Kleisterfarbe auf Zeitungspapier benützte (Taxe 120000/ 160000 Euro). Sein Surrealistenkollege Victor Brauner blieb 1961 für die dunklen Zwitterwesen seiner „Interconnaisance“ bei Öl auf Leinwand (140.000/180.000).

          In sich gekehrt hat Egon Schiele 1912 seinen „Sitzenden weiblichen Akt von oben gesehen“ gezeichnet, der auf 250.000 bis 320.000 Euro geschätzt ist. Von Tamara de Lempicka wird ein Kleinod ausgerufen: Ihr Akt auf rot gemustertem Diwan markiert im Jahr 1923 den Übergang zu ihrer typischen kühlen Erotik (150.000/200.000). Zu den hochkarätigen Kleinformaten zählen auch ein Tahiti-Aquarell von Gauguin (90.000/120.000) und ein Gemüsestillleben von Renoir (80.000/120.000).

          Ein marktfrisches „Concetto spaziale“, für das Lucio Fontana 1968 das Messer zückte, führt die 235 Lose starke Zeitgenossen-Offerte an. Die in Rosa bemalte Leinwand mit den beiden parallelen Schnitten kommt auf 400000 bis 600000 Euro. Zu den späten Schöpfungen des Raumkonzeptualisten zählen die „Teatrini“, von denen ein blitzblaues mit Perforationen und gewelltem Rahmen vorliegt (200.000/300.000). Agostino Bonalumis strukturierte Leinwände waren im Dorotheum wiederholt erfolgreich: Nun wird mit „Bianco“ eine Objektbild von 1981 aufgerufen (70.000/100.000).

          Erweiterte Raumwahrnehmung ermöglicht auch Anish Kapoors runde lackierte Edelstahlscheibe, die ihre Außenwelt in tiefem Blau spiegelt (400.000/600.000). Im Vorjahr erzielte Ilya Kabakov im Dorotheum einen Spitzenpreis für ein Ölbild seiner Serie über die fiktive Künstlerfigur Charles Rosenthal. Nun wird aus diesem Zyklus das Gemälde „Im Park 1930“ aufgerufen, das in einem Kasten mit Lampe montiert ist (270.000/320.000). Hochkarätige Kunst aus Amerika ist durch Warhols Porträt der Filmemacherin Linda Cossey (200000/ 300000) und Robert Indianas Schriftbild „Decade: Autoportrait 1969“ vertreten. Von Keith Haring wurden drei Arbeiten eingebracht, darunter eine 1984 charmant bemalte Schwingtür (38000/ 48000). Der Wiener Aktionismus tritt mit einer frühen gestischen Tuscharbeit von Günter Brus (35.000/40.000) sowie einer Fotosammlung zu dessen Aktion „ANA“ 1964 (50.000/70.000) auf.

          Knallige Farben leuchten auf dem Katalog zur Design-Auktion: Die zwei Meter hohe Stehlampe „Frammenti Rossi“ von Fernando und Humberto Campana wurde 2011 mit einem vielteiligen Schirm aus Murano-Glas produziert; das handgefertigte Unikat soll 60000 bis 70000 Euro bringen. Die Stadtlandschaft von Bagdad hat den israelischen Designer Ezri Tarazi zu einem Couchtisch inspiriert, der aus nicht weniger als 700 Aluminiumprofilen besteht (26.000/32.000). Unter den vielen Antiquitäten locken rare Möbelstücke wie ein spiralig gedrechselter Thonet-Stuhl für die Wiener Weltausstellung 1873 (5000/6000) oder ein achtbeiniger Eichentisch von Adolf Loos (18.000/ 25.000). Charlotte Perriands massiver Mahagonitisch stammt aus ihrem Haus in Brasilien (20.000/25.000) und Oscar& Anna Maria Niemeyers elegant gewellte Chaiselongue „Rio“ aus Bugholz von 1970 erlaubt Wippen bis zum Nickerchen - Traum von der Copacabana inklusive (17.000/19.000).

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