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Auktionsvorschau : Schwere Zeiten erfordern neue Sitten

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Sie brauchen das Geld für andere Zwecke: Besonders viele Museen bestücken die New Yorker Auktionen für Impressionismus und Klassische Moderne.

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          Wie in jedem November findet das Rendezvous von Impressionismus und Moderne, von Kunstwerken und Sammlern, von Angebot und Nachfrage vor aller Augen in den großen Auktionshäusern in New York statt. In dieser Saison heißen die Hoffnungsträger bei Sotheby’s und Christie’s Klimt, Degas, Matisse und Picasso, während auch Max Ernst, René Magritte, Tamara de Lempicka und Henry Moore ihre Momente im Licht der Scheinwerfer haben werden. Dabei geht es wieder um viel Geld. Vor einem Jahr betrug der Umsatz beider Häuser in New York mit Impressionismus und der Moderne in den Abendauktionen jeweils rund 230 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld). Die Erwartungen bei Christie’s liegen jetzt noch höher: Der Katalog umfasst 84 Lose, genauso viele wie im November 2010, mit einer Gesamttaxe von 215 bis 310 Millionen Dollar. Sotheby’s rechnet bei 71 Losen (2010 waren es 61) mit mindestens 185 Millionen Dollar (ohne Aufgeld).

          Das Titellos bei Christie’s ist am Abend des 1. November eine der Ballerina-Plastiken mit Tüllrock von Degas. Es ist die teuerste der vielen Bronzen, die an diesem Abend von Rodin, Maillol, Laurens, Arp, Brancusi, Giacometti und Moore versteigert werden. Die Darstellung der „Petite danseuse de quatorze ans“ in zwei Drittel ihrer Lebensgröße wurde postum nach einer bekleideten Wachsfigur von 1880 gegossen. Die Kritiker waren sich damals einig, dass das junge Modell zu den „rats de l’opéra“ gehörte und eine moralisch zweifelhafte Zukunft vor sich hatte; ihr Leben in der Prostitution war vorgezeichnet. Bei Degas ist das Mädchen jedoch auf kindlich uneitle Weise ganz in sich selbst versunken. Die Hälfte der 26 bekannten Bronzen, die ebenfalls ein echtes Tutu und eine Satinschleife tragen, stehen in Museen. Der Guss, der jetzt bei Christie’s zum Aufruf kommt, wurde zuletzt im Sommer 2000 bei Sotheby’s in London versteigert und kostete seinen derzeitigen Besitzer rund 7,7 Millionen Pfund, also etwa 11,5Millionen Dollar. Die Schätzung liegt jetzt bei 25 bis 35 Millionen Dollar.

          Der Erlös finanziert Stipendien

          Ein zauberhaftes Pastell von Degas aus dem Jahr 1895 zeigt, wie sich eine Frau tief über eine Waschschüssel beugt, um sich den Rücken mit einem Schwamm zu waschen, ohne zu viel Wasser zu verspritzen. Mit lebendigen Strichen hat er das Farbspiel der roten Haare und der blauen Schatten auf das Papier gebannt. „Femme s’épongeant le dos“ (Taxe 3,5/5,5 Millionen Dollar) stammt aus der Sammlung des Hollywood-Moguls Lew Wasserman und seiner Frau Edie. Ein halbes Jahrhundert lang zierte das Bild ihre Villa in Beverly Hills. Sieben Lose mit Wasserman-Provenienz kommen während des Abends zum Aufruf. Apart ist Chaim Soutines „Le valet de chambre“ - ein junger Mann mit zerknautschter Visage und rotem Haar (4/6 Millionen) -, von großer Leichtigkeit dagegen „Robe orientale violette sur la robe blanche, à la fenêtre“ von Matisse, ein Sommertraum bei halbgeöffneten Fensterläden (4/6 Millionen).

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