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Auktionshaus im Kinsky : Der fremdartige Charme junger Modelle

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Vorschau auf die Auktionen Alte Meister und neunzehntes Jahrhundert im Wiener Kinsky.

          Ein Lockenkopf führt die Frühlingsauktion im Wiener Kinsky an, bei der Alte Meister und Werke des 19.Jahrhunderts zum Aufruf kommen. Der Titelheld von Carl Agricolas Bild „Amor mit Pfeil und Bogen in einer Landschaft“ verführt mit einem kecken Blick, wie man ihn eher aus Genremalerei kennt. Das 134 mal 99 Zentimeter große Bild läuft, obwohl 1827 entstanden, bei den Alten Meistern mit. Es ist eines der größten Gemälde Agricolas, reüssierte der doch mit Porträtminiaturen; der Liebesgott in der Waldlichtung wird auf 50.000 bis 80.000 Euro geschätzt. Rosige Wangen leuchten auch aus dem Damenbildnis „Die Lesestunde“, das wohl der Franzose Gabriel François Doyen als Hofmaler von Zarin KatharinaII. schuf; die Holztafel trägt rückseitig noch Reste eines Wachssiegels mit der russischen Kaiserkrone. Doyen verließ Paris bei Ausbruch der Französischen Revolution und machte am St.Petersburger Hof Karriere. Seine Mademoiselle bettet ihre Lektüre auf ihr Schoßhündchen (Taxe 20.000/40.000 Euro).

          Eines der ältesten Lose ist die Tafel „Die Zahnmarter der heiligen Apollonia“ aus dem Umkreis von Rueland Frueaufd.Ä., mit einer interessanten Historie: Sie entstammt einem Flügelaltar aus dem 15.Jahrhundert, dessen drei zugehörige Teile seit den dreißiger Jahren in Museumsbesitz sind (15.000/25.000). Aus der flämischen Kunst locken eine Winterlandschaft von Frans de Momper (25.000/ 40.000) und eine „Allegorie der Vier Elemente“ in Öl auf Kupfer von Jan Bruegheld.J. und Hendik van Balen (15.000/ 25.000). Erwähnung verdient auch ein Jagdstillleben mit Pfau, das Jan Weenix vor einer Parklandschaft mit Skulpturen arrangiert hat (18.000/36.000).

          Die Toplose beim 19.Jahrhundert verströmen fremdartigen Charme: Karl von Mediz’ „Waldfee“ von 1894 bringt Symbolismus und Wiener Flächenkunst zusammen. Das fast quadratische Großformat tritt für stattliche 180.000 bis 280.000 Euro an. Friedrich von Amerlings „Regine im griechischen Kostüm“ von 1842 wirkt auf den ersten Blick orientalisch; in ihrer golddurchwirkten Verkleidung lässt das Modell eher an Harem als an Hellas denken. Das 124 mal 105 Zentimeter große Gemälde, das einst König WilhelmII. von Württemberg gehörte, soll 100000 bis 150000 Euro einspielen. Von Amerling stammt auch die „Junge Italienerin mit Perlenkette“ (13.000/20.000). Eine andere Schönheit mit mediterranen Zügen kommt vom Biedermeierkünstler Johann Baptist Reiter. Sein Ölbild „Der Morgen“ von 1869/70 zeigt eine junge Frau im Nachthemd, die sich an einem Blumengruß erfreut (10.000/15.000).

          Ferdinand Waldmüller siedelt seine Szene „Ein alter Invalide mit Kindern“ bei einer Weinberghütte an. Das Kleinformat mit dem ordensgeschmückten Veteranen wurde 1938 durch die Gestapo für das geplante „Führermuseum“ beschlagnahmt, im Jahr 1959 restituiert und gelangt nun aus österreichischem Privatbesitz auf den Markt (80.000/120.000). Zu den Landschaften steuert Friedrich Gauermann das alpine Idyll „Des Landmanns Mittagsruhe“ von 1847 (35.000/50.000) bei und Carl Spitzweg das Kleinod „Mühle im Gebirge“ auf Holz (15.000/25.000). Der Stimmungsimpressionismus führt mit Tina Blau nach „Taufers in Südtirol“ (28.000/50.000); Robert Russ verewigt um 1910 einen „Brunnen bei Voscol am Gardasee“ (18.000/36.000) und Marie Egner antike Säulen und Palmen auf Korfu (18.000/25.000).

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