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Auktionshäuser : Simon de Pury ist zurück – und landet einen Coup

  • -Aktualisiert am

Was wird wohl sein nächstes Projekt? De Pury überrascht mit einer Online-Auktionsplattform: Den Auftakt bildet eine Zusammenarbeit mit dem einstigen Konkurrenten Christie’s.

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          Als Simon de Pury das 2002 von ihm gegründete Auktionshaus PhillipsdePury, dessen Chairman er war, Ende 2012 verließ, wurde sein nächstes Projekt mit Spannung erwartet. Die jüngste Nachricht aber hat es in sich: De Pury wird am 14. Oktober gemeinsam mit Jussi Pylkkänen, dem weltweiten Präsident von Christie’s, in London auf dem Rostrum der französischen Auktionsfirma stehen. Die beiden einstigen Konkurrenten werden jeweils die Hälfte der 350 von der belgischen Lambert Art Collection (LAC) eingereichten Werke versteigern.

          Von 1986 bis 1997 war de Pury Chairman von Sotheby’s in der Schweiz. 1999 stieg er in das britische Auktionshaus Phillips ein, das von der französischen Luxusgruppe LVMH gekauft worden war. Der LVMH-Eigentümer Bernard Arnault verkaufte das Haus 2002, nach hohen Verlusten, an de Pury, der es für einen Dollar plus Schulden übernahm, so hieß es. 2008 griff die russische Mercury Group als neuer Investor PhillipsdePury & Company unter die Arme, 2012 übernahm Mercury die restlichen Anteile von de Pury. Seither heißt die Firma wieder Phillips.

          Simon de Pury gründete nach seinem Abschied mit seiner Frau Michaela, zuvor Senior Director bei Phillips de Pury, die Firma „dePurydePury“, die sich auf Privatverkäufe und Beratung konzentrierte. Es kamen kuratierte Ausstellungen in Galerien in New York und London hinzu. Für den Oktober plant dePurydePury eine Ausstellung mit Werken von Erik Bulatov in der Grafton Street, im imposanten Londoner Sitz der Familie des kürzlich gestorbenen, reichsten Mannes Polens, Jan Kulczyk.

          Hochkarätige private Sammlungen

          Jüngst wurde bekannt, dass Simon de Pury eine neue Online-Auktionsplattform gegründet hat. Den ersten Auftritt soll die Lambert Art Collection haben: Kunst, Design und Möbel vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, im Gesamtwert von zwanzig Millionen Pfund, ohne Minimumpreise. Die Verwalterin Marion Lambert, eine Freundin von de Pury, holte ursprünglich Angebote von Sotheby’s, Phillips und Christie’s ein, entschied sich aber für die neue Online-Plattform, so hieß es. „Die Geschichte hat sich dann ständig weiterentwickelt“, erklärt Simon de Pury im Gespräch. Christie’s kam mit einem neuen Angebot zu Lambert und de Pury. Der Vertrag für die Zusammenarbeit wurde in dieser Woche unterschrieben.

          Die Ausstellung der Werke wird bei der exklusiven Antiquitätenhandlung Mallett (die 2014 von der Fine Art and Auction Group übernommen wurde) in Ely House in Mayfair installiert. Die Auktion selbst findet am 14. Oktober bei Christie’s in der King Street statt. Es wird keinen gedruckten Katalog geben, und es kann im Auktionssaal und online über die Christie’s-Website geboten werden. Es fällt die bei Christie’s übliche Käuferkommission an, obwohl de Pury für seine Online-Plattform in Zukunft deutlich niedrigere Aufschläge plant. Die neue Online-Plattform will sich auf hochkarätige private Sammlungen konzentrieren. Als Investor tritt der Schweizer Risikokapitalist Klaus Hommels auf, der schon bei Spotify, Facebook und Skype einstieg. Zwei bis drei Auktionen pro Jahr sollen in London und New York stattfinden.

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