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Auktionsergebnisse : In London lief es recht gut

  • -Aktualisiert am

Die Auktionen mit Zeitgenossen bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips in London können wieder mit einigen Künstlerrekorden glänzen.

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          Die Zeitgenossen-Auktionen Im Londoner Herbst liefen erfolgreich, allerdings konnte nur Phillips seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr steigern. Mit seiner Abendauktion machte Phillips den Auftakt und setzte mit 40 von 42 Losen im Angebot insgesamt 25,83 Millionen Pfund um, 28 Prozent mehr als vor einem Jahr. Es begann energiegeladen mit Rekorden, wie für Derek Fordjours „Green Horn“ von 2017, das mit 110.000 Pfund (Taxe 30.000/50.000) eine Höchstmarke für den Künstler setzte. Alex Katz’ psychologisch aufgeladenes Porträt seiner Frau Ada unter blauem Regenschirm, „Blue UmbrellaI“, gemalt 1972, schoss über die Erwartung von 800.000 bis 1,2 Millionen hinaus auf 2,8 Millionen Pfund, ein Rekord auch für Katz. Er überholte damit die drei höchsttaxierten Lose: Hurvin Andersons „Beaver Lake“ und Mark Bradfords abstraktes „Value 35“ gingen für 1,6 Millionen (1,5/2 Millionen) und 1,8 Millionen Pfund (1,5/2 Millionen) weg. Thomas Schüttes Installation „Maschine“ aus dem Jahr 1993 erklomm knapp ihre untere Taxe von einer Million Pfund. Ein „Abstraktes Bild“ Gerhard Richters ließ seine obere Taxe von einer Million locker hinter sich, der Hammer fiel erst bei 1,4 Millionen Pfund.

          Der folgende Abend bei Sotheby’s spielte 54,7 Millionen Pfund ein. Von 39 Losen wurden 34 vermittelt. Der Umsatz liegt damit zwar am oberen Ende der Erwartung, allerdings um knapp die Hälfte unter dem der gleichen Veranstaltung 2018 – was einmal mehr die Schwierigkeiten bei der Akquise kurz vor dem Brexit-Termin offenbarte. Gleich zu Beginn stieg Nicole Eisenmans Gemälde „Close to the Edge“ auf 520.000 Pfund (120.000/180.000). Zur Sensation wurde, wie berichtet, Banksys monumentales „Devolved Parliament“, die Darstellung des von Schimpansen besetzten britischen Unterhauses, für das erst bei 8,5 Millionen Pfund (1,5/2 Millionen) unter Applaus der Hammer fiel. Damit teilt sich Banksy die Spitzenposition mit Basquiat, dessen Gemälde „Pyro“ nach nur einem Gebot ebenfalls 8,5 Millionen (9/12 Millionen) erzielte. Passend zu Thema Affen gab es noch Francis Bacons „Figure with Monkey“, die im Saal für 2,3 Millionen Pfund (1,8/2,5 Millionen) wegging.

          Christie’s hatte zu Beginn der Woche in einer separaten Auktion schon Werke aus der Jeremy Lancaster Collection für insgesamt 23 Millionen Pfund verkauft, mit Arbeiten von Josef Albers bis Howard Hodgkin. Die Abendauktion mit internationalen Zeitgenossen und italienischer Nachkriegskunst spielte dann zwei Tage später weitere 89 Millionen Pfund ein. Auch bei Christie’s liegt der Umsatz deutlich unter dem des Vorjahrs; von 78 Losen wurden 70 verkauft. 37 Prozent der Bieter, die sich an der Auktion beteiligten, kamen aus Asien. Spitzenlos des Abends war ebenfalls ein Basquiat: Für „Four Big“ bewilligte die New Yorker Galerie Acquavella 7,4Millionen Pfund (7,5/ 9,5 Millionen). Gerhard Richters 65 mal 65 Zentimeter messendes „Brautpaar (blau)“ von 1966 war umworben, und der Zuschlag erging erst bei 2,6 Millionen Pfund (1,2/1,8 Millionen) an den Händler Anthony Grant. Gleich darauf wurden Sigmar Polkes „Alpenveilchen“ aufgerufen, ein Rasterbild aus dem Jahr 1967, eingereicht von einer deutschen Sammlung. Es konnte mit den gebotenen 4,8 Millionen Pfund allerdings nicht ganz die Taxe von fünf bis sieben Millionen erklimmen.

          Das zweitteuerste Los des Abends war ein „Abstraktes Bild“ von Richter, aus der Sammlung des Finanzunternehmens UniCredit; es blieb mit dem Hammerpreis von sechs Millionen Pfund knapp unter der Taxe von 6,5 bis 9,5 Millionen hängen. Zu den Gewinnern gehörten Nachwuchskünstler und im Auktionsmarkt weniger etablierte Künstler. Insgesamt acht neue Rekorde wurden aufgestellt, darunter für den deutschen Künstler Thomas Bayrle, Jahrgang 1937, dessen „Tassenfrau (Milchkaffee)“ – die abstrahierte Darstellung einer Kaffee trinkenden Frau, die ganz aus gedruckten Kaffeetassen zusammengesetzt ist – für 190.000 Pfund (80.000/120.000) wegging. Eine monumentale Collage aus Barbie-Puppen, „Trophies (Doll Factory)“ aus dem Jahr 2000, eingereicht von der amerikanischen Schauspielerin Jane Fonda, stellte mit 180.000 Pfund (160.000/200.000) einen Rekord für den 2016 im Alter von 87 Jahren gestorbenen afroamerikanischen Künstler Thornton Dial auf. Unter den Jüngeren setzte die 1990 geborene Tschabalala Self mit einem Rekordpreis von 320.000 Pfund (100.000/150.000) für die große Stoff-Collage „Sapphire“ ihren Aufstieg fort.

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