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Auktionsergebnisse aus London : Die Zeitgenossen schlagen sich ordentlich

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Es muss nicht immer spektakulär sein: Die Ergebnisse der Londoner Auktionen mit Gegenwartskunst bei Phillips, Christie’s und Sotheby’s sind solide. Spannung brachte besonders ein Werk mit niedriger Taxe.

          Vor vollgepackten Auktionssälen gingen während dieser Woche die Zeitgenossen in London an den Start, und an drei Abenden wurden innerhalb von wenigen Stunden fast 250 Millionen Pfund in Kunst investiert. Christie’s spielte mit seiner Hauptveranstaltung 95,6 Millionen für 66 (der 76 angebotenen) Lose ein. Sotheby’s triumphierte mit dem höchsten Umsatz, den das Haus jemals in London mit Zeitgenossen einspielen konnte: 130,376 Millionen Pfund wurden mit 49 (von 58 aufgerufenen) Losen erzielt. Das kleinere Haus Phillips verkündete einen Umsatz von 22,8 Millionen Pfund mit 42 (von fünfzig) Losen.

          Phillips machte den Auftakt, in seinem neuen europäischen Hauptquartier am exklusiven Berkeley Square. Vier Werke wurden für mehr als eine Million Pfund verkauft, darunter das Spitzenlos „Circle of Animals / Zodiac Heads“ von Ai Wei Wei, das die untere Taxe von drei Millionen Pfund erzielte - ein Rekord für den chinesischen Künstler. Die untere Schätzung erklomm auch eine „Marilyn Monroe“ von Andy Warhol, beim Hammerpreis von einer Million Pfund. Phillips konnte seinen Umsatz vom vergangenen Juli verdoppeln: Damals waren mit 23 Losen 9,9 Millionen Pfund umgesetzt worden. Das Auktionshaus, das der russischen Mercury Group gehört, will sein Angebot im Spitzensegment ausbauen und hatte zu diesem Zweck siebzehn Garantien vergeben; elf davon waren mit einem unwiderruflichen Gebot abgesichert.

          Große Abwechslung, garantiert

          Eine der attraktivsten Arbeiten bei Phillips war Ed Ruschas „Ship Talk“ (Taxe 400.000/600.000 Pfund), drei geisterhafte Schiffe im Stil von Galeonen des 17. Jahrhunderts auf hoher See. Stefan Ratibor von der Gagosian Gallery setzte sich mit einem Gebot von 735.000 Pfund für das fast dreieinhalb Meter breite Mammutgemälde durch. Es hatte im November 2007 bei Christie’s in New York 1,7 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) gekostet. Zwei makabre „Hanging Heads #1 (Blue Andrew, Mouth Open / Red Julie with Cap)“ von Bruce Nauman legten zu. Sie waren zuletzt im Juni 2005 bei Christie’s für 680.000 Pfund vermittelt worden; nun lag der Hammerpreis bei 1,5 Millionen Pfund.

          Das abwechslungsreichste Angebot hatte Christie’s zusammengestellt und mit insgesamt fünfzehn Garantien abgesichert. Das Spitzenlos, Francis Bacons „Study for Head of Isabel Rawsthorne und George Dyer“, wurde zum Hammerpreis von 10,8 Millionen Pfund (8/12 Millionen) erfolgreich vermittelt. Bacons „Two Men Working in a Field“ verfehlten mit 9,5 Millionen (7/10 Millionen) nur knapp ihre obere Taxe, während Yves Kleins seltenes Feuerbild „Peinture de feu couleur sans titre (FC27)“ mit 5,2 Millionen Pfund seine Erwartung erfüllte. Zu den Sensationsmeldungen gehörte ein neuer Rekord für Chris Ofili: „The Holy Virgin Mary“ stieg auf 2,5 Millionen Pfund (1,4/1,8 Millionen).

          Sotheby’s war, wie sein Erzrivale, mit einem attraktiven Bacon als Spitzenlos ins Rennen gegangen, doch der floppte spektakulär: Ambitionierte 25 bis 35 Millionen Pfund sollte „Study for a Pope I“ zum Umsatz beitragen. Aber im Saal rührte sich keine Hand; das Werk war zuletzt bei einer Auktion aufgerufen worden, als Gunther Sachs es 2005 für zehn Millionen Dollar bei Christie’s in New York verkaufte. Zwei weniger hochpreisige Bacons, die erst kürzlich wiederentdeckt wurden, hatten mehr Glück: „Self-Portrait“ und „Three Studies for a Self-Portrait“ fanden beide innerhalb ihrer Taxen Abnehmer, zu Preisen von 13,5 und dreizehn Millionen Pfund.

          Eine niedrige Taxe sorgt fürs Bietgefecht

          Sotheby’s stellte auch das teuerste Lose der gesamten Auktionswoche: Warhols Unikat „One Dollar Bill (Silver Certificate)“, das mit 18,5 Millionen Pfund knapp seine obere Schätzung überstieg. Amerikanische Händler wurden bei Warhol aktiv. Larry Gagosian kaufte „Dollar Signs“ für 6,05 Millionen (4,5/6 Millionen) und Jose Mugrabi ein „Dollar Sign“ nahe der unteren Taxe für 4,05 Millionen Pfund. Beide kamen aus einer Sammlung, die dem Dollar gewidmet ist und die Sotheby’s unter dem Titel „To the Bearer on Demand“ vermarktete. Bei dem Einlieferer soll es sich, so heißt es, um den Milliardär Urs Schwarzenbach aus der Schweiz handeln.

          Zu den spannendsten Momenten des Abends gehörte die Versteigerung von Frank Auerbachs melancholischer Kohlezeichnung „Head of Gerda Boehm“. Sie stieg, unter Geboten von mindestens sechs Bietern, zu denen die Londoner Galeristin Pilar Ordovas gehörte, weit über ihre Taxe von 250.000 bis 350.000 Pfund hinaus. Der Hammer fiel erst bei 1,85 Millionen Pfund. Auerbachs Retrospektive in der Londoner Tate Britain steht im kommenden Oktober an. Gleich darauf wurde Lucian Freuds nur 10,2 mal 15,2 Zentimeter messendes Gemälde „Four Eggs on a Plate“ - ein Geschenk des Künstlers an die verstorbene Dowager Duchess of Devonshire - aufgerufen.

          Die Einlieferer hatten den Mindestpreis tief angesetzt, so dass Sotheby’s ein frenetisches Bietgefecht entfachen konnte. Bei ihm war die Sotheby’s-Ko-Chefin für Zeitgenossen, Cheyenne Westphal, mit einem Gebot von 820.000 Pfund erfolgreich. Baden ging dagegen die 2003/04 entstandene, attraktive Dschungellandschaft „Pelican“ von Peter Doig (6/8 Millionen). Doigs jüngste Werke sind gerade in Venedig in einer Schau zu sehen. Sein Kanu-Bild „Swamped“ aus dem Jahr 1990 stellte erst in diesem Mai bei Christie’s in New York mit 25,9 Millionen Dollar einen neuen Künstlerrekord auf.

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