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Auktionsbilanz Wien : Österreich gibt sich nun sehr international

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Die Zeitgenossen haben die Nase vorn: Spitzenergebnisse der Auktionen bei den Wiener Häusern Dorotheum und Im Kinsky brachten im letzten Jahr vor allem internationale Künstler.

          Die österreichische Auktionsbilanz wartet 2014 mit einer erstaunlichen Bestenliste auf: Kein Klimt, Schiele oder Walde weit und breit, stattdessen dominieren erstmals internationale Zeitgenossen. Werke österreichischer Künstler fehlen in den Top Ten. Damit fährt das Dorotheum die Ernte seiner Investitionen in ausländische Repräsentanzen ein. Im Vorjahr wurde erfolgreich in London Mayfair ein Büro eröffnet, das dem Haus seither neue Kunden beschert. Da die Akquise von Spitzenwerken aus der - einstigen - Königssparte Alte Meister immer härter wird, konzentriert sich das Wiener Auktionshaus verstärkt auf „Kunst nach 1945“.

          Aber zunächst zu den beiden Spitzenreitern, wo der wenig bekannte Frans Verbeeck für eine Sensation sorgte: Über die Londoner Dorotheum-Filiale gelangte das seltene und großformatige Ölgemälde „Der Narrenhandel“ nach Wien. Die erfindungsreiche Satire auf die menschliche Dummheit konnte ein flämischer Privatsammler an sich bringen, der das Hauptwerk für 2,6 Millionen Euro ersteigerte. Die Taxe hatte bei 900.000 bis 1,2 Millionen Euro gelegen; der Zuschlag setzt eine neue Künstlerbestmarke. Ein Rekord gelang der Konkurrenz Im Kinsky mit einem prächtigen „Blumenstrauß in Tonvase“ von Jan Brueghel d. Ä., der Platz zwei einnimmt. Das in einer deutschen Sammlung wiederentdeckte, früh entstandene Bouquet wanderte erst für 1,85 Millionen - statt der veranschlagten 350.000 bis 700.000 - Euro in englischen Handel. Dieser Zuschlag toppt das Preisniveau, das in der Vergangenheit in Londoner Auktionen für diesen Spross der Künstlerfamilie aufgestellt worden war.

          Damit ist es aber auch schon zu Ende mit der Konkurrenz, die das Kinsky 2014 darstellte, denn neun Plätze im Ranking eroberte das Dorotheum. Das Kinsky gab einen Jahresumsatz von 25,2 Millionen Euro bekannt, der das Ergebnis von 23,5 Millionen 2013 beachtlich überrundet. Das Dorotheum macht schon seit geraumer Zeit keine Zahlen mehr publik, erklärt aber einen Zuwachs gegenüber dem vergangenen Jahr. Ein sattes Plus verbuchte die herbstliche Zeitgenossen-Auktion, deren Umsatz alle früheren Veranstaltungen dieser Sparte übertraf. Nachschub dafür verschafften Filialen in Mailand und Düsseldorf, sowie die heimischen Firmensammlungen des Möbelhauses Kika/Leiner und der Bank Bawag PSK, die etliche Filetstücke aus ihren Kollektionen lösten. Auf dem umkämpften Gegenwartsmarkt punktet das Haus bei mittlerer Qualität bekannter Künstler, für die es das Maximum herausholt.

          Exportmeister Italien

          So geschehen mit Lucio Fontana, der in den Charts gleich dreimal aufscheint: darunter mit dem Rekordpreis für ein Werk der „Barocchi“-Serie, die der Mailänder Künstler Mitte der fünfziger Jahre schuf. Für das 1957 entstandene Hochformat wurden im Mai 920.000 Euro genehmigt. Zitronengelb strahlend überzeugte auch ein mit 46 mal 55 Zentimetern kleineres „Concetto spaziale, Attese“ auf Platz sieben der Top Ten; das Querformat mit einem Quartett von Schnitten von 1965/66 ging für 630.000 Euro weg. Gleich dahinter reiht sich ein Exemplar der „Pietri“-Serie ein, das mit 550.000 Euro die untere Taxe einlöste.

          Mit seinem fünf Stützpunkten in Italien hat das Dorotheum sehr gute Karten bei dem internationalen Run auf die Nachkriegsavantgarden. Einen Künstlerrekord stellte das Haus für den jung verstorbenen Paolo Scheggi auf. Sein heißumkämpftes Bildobjekt „Zone Riflesse“ war erst für sensationelle 480.000 Euro zu haben, eine Vervierfachung der oberen Taxe. Auch für Giuseppe Uncini wurden neue Standards gesetzt: Sein Reliefbild „Cementoarmato“ kostete 240.000 statt der erwarteten 80.000 bis 120.000 Euro. Das Dorotheum konnte 2014 auch ein neu erwachtes Engagement amerikanischer Kunden feststellen, was sich konkret beim vierten Rang für Robert Indianas Aluminiumskulpturen „Numbers One through Zero“ niederschlug. Ein, wie es heißt, „großer amerikanischer Sammler“ habe bei den Zahlenfiguren von 1978/2003 zugegriffen, die ihre unteren Erwartungen mit dem Hammerschlag von 750.000 Euro erfüllten. Aus der Bawag PSK-Sammlung kam Sean Scullys Großformat „Lucia“ auf den Markt. Die abstrakte Komposition aus grauen Farbblöcken belegt mit taxkonformen 750.000 Euro Platz fünf des Rankings.

          Dem Verkauf der Möbelkette Kika/Leiner hatte das Dorotheum indes Martin Kippenbergers 1989/90 geschaffenes Ölbild aus der Serie „Fred the Frog“ zu verdanken, für das die Telefonbieter erst bei hohen 720.000 Euro (Taxe 280.000/350.000) aufgaben. Während Kippenberger damit Platz sechs der Top Ten belegt, musste sich die Mischtechnik auf Karton von Sigmar Polke mit dem unteren Schätzwert von 450.000 Euro begnügen - und nimmt dennoch Rang neun ein.

          Nicht mehr in die Liste schaffte es der Künstlerrekord für Maria Lassnig, der an einem Tag gleich zweimal erzielt wurde: So jubelte zunächst das Kinsky, das seinen hauseigenen Rekord aus dem Jahr 2007 mit 330.000 Euro für das Ölbild „Brettl vor dem Kopf“ übertraf. Bei der folgenden Abendauktion legte das Dorotheum aber noch ein gutes Stück zu, als dort 400.000 Euro für Lassnigs Gemälde „Im Wald“ bewilligt wurden. Wenngleich im Ranking schwach vertreten, so blickt das Kinsky doch auf ein starkes Jahr zurück. Besonders die Zeitgenossen sowie die Moderne-Sparte liefen gut, wo die Bronze „Aetas Aurea“ von Medardo Rosso für 280.000 Euro an das Frankfurter Städel Museum wanderte. Die österreichischen Künstler befinden sich im Aufwind, wie nicht nur Lassnig bewies. Und nach dem Altmeisterrekord kann das Kinsky für seine kommende Juni-Auktion wieder einen bestens erhaltenen Brueghel ankündigen.

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