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Zeitgenossen in New York : Sind die goldenen Zeiten zurück?

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Als wäre (fast) nichts passiert: Das Angebot der Auktionen mit Gegenwartskunst bei Sotheby's und Christie's in New York knüpft an die Jahre des Booms an. Mit ganz großen Ambitionen geht diesmal Phillips de Pury an den Start.

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          Die Auktionen zeitgenössischer Kunst in New York versprechen, mit exquisiten Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Mark Rothko, Gerhard Richter und Jeff Koons so spektakulär zu werden wie zu den goldenen Zeiten vor drei Jahren. Sie sollen in der zweiten Novemberwoche mehr als eine halbe Milliarde Dollar umsetzen. Dabei hat sich das dritte Auktionshaus in der Riege, Phillips, de Pury & Company, ein besonders hohes Ziel gesteckt. Hier wird die Abendauktion nicht wie üblich nach Sotheby's und Christie's abgehalten, sondern am 8. November, vor den beiden Konkurrenten.

          Zusammen mit dem Kunsthändler Philippe Ségalot veranstaltet Phillips de Pury unter dem Titel „Carte Blanche“ eine Sonderauktion, mit der die neuen Räume an der Ecke Park Avenue und 57. Straße eingeweiht werden: Unter den 33 Losen sind Werke von Cindy Sherman, Louise Lawler, Martin Kippenberger und Thomas Schütte. Die mehr als zwei Meter hohe Figur „Miss ko2“ aus dem Jahr 1997 (Taxe 4/6 Millionen Dollar) stammt von Ségalots Freund Takashi Murakami.

          Den Umschlag des Katalogs ziert Maurizio Cattelans barbusige Skulptur des Fotomodells Stephanie Seymour, die der Künstler für ihren Mann, den Sammler Peter Brant, als Trophäe inszenierte, gerade so, als würde sie an eine Wand voll ausgestopfter Hirschkühe und Antilopen passen (Auflage 3+1; 1,8/2,5 Millionen). Der Star des Abends ist ein 211 mal 214 Zentimeter messender, schwarzweißer Siebdruck von Warhol aus dem Jahr 1962: In „Men of Her Life“ hat der Künstler das Bild von Liz Taylor zwischen ihrem früheren Gatten Mike Todd und ihrem damaligen Mann Eddie Fisher so oft aneinandergereiht, dass er den Eindruck eines hängengebliebenen Filmbilds hervorruft.

          Es heißt, hinter der anonymen Einlieferung stehe die Kunsthändlerfamilie Mugrabi, deren Warhol-Bestände zu den umfangreichsten Sammlungen weltweit gehören. Mit der Hilfe von Liz sollen allein die Werke, die Ségalot ausgesucht hat, achtzig Millionen Dollar einspielen, mehr als Phillips de Pury je zuvor in einer Abendauktion generiert hat: Denn „Men in Her Life“ zielt - versehen mit einer von dritter Seite finanzierten Garantie - auf sensationelle fünfzig Millionen Dollar ab. - Zum Vergleich: Das aktuelle Rekordbild „Green Car Crash“, ebenfalls von 1962, spielte im Mai 2007 bei Christie's einen Hammerpreis von 64 Millionen Dollar ein, bei einer Taxe von „nur“ 25 bis 35 Millionen, und auch Warhols zweitteuerstes Werk, „200 One Dollar Bills“, ebenfalls von 1962, trug bei Sotheby's im November 2009 eine Schätzung von gerade mal acht bis zwölf Millionen Dollar, als es auf 39 Millionen Dollar kletterte.

          Campbell's-Suppendose mit dem Charakter eines Stilllebens

          Das bedeutet, dass es noch nie zuvor so hohe Schätzungen für Werke von Warhol gegeben hat wie jetzt. Bei Christie's, wo in der Abendauktion am 10. November mehr als 240 Millionen Dollar angepeilt sind, stammen fünfzehn der 76 Lose von Warhol. Die Spitzenstellung nimmt eine monumentale Campbell's-Suppendose ein, mit einer Taxe von dreißig bis fünfzig Millionen Dollar. Warhol hat drei Serien von Campbell's-Suppendosen geschaffen, wobei die Bilder der letzten Serie durch individuelle Merkmale - wie von der Dose abgerissenes Papier oder einen Dosenöffner - den Charakter von Stillleben annehmen.

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