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Wiener Ergebnisse : Waldmüller oder Schiele?

  • -Aktualisiert am

Wenn auch die großen Rekorde ausblieben: Der Winter in Wien zeigte sich freundlich für die Auktionen im Dorotheum, bei Im Kinsky und bei Hassfurther. Ein Blick zurück auf die Herbstsaison.

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          Die großen Wiener Auktionshäuser konnten hochzufrieden in die Weihnachtsferien gehen: 2010 war ein Spitzenjahr. In der kalten Saison lief der Betrieb erst langsam warm, aber das Marktthermometer schnellte dann doch wiederholt nach oben.

          Der große Werbeaufwand, den man bei Im Kinksy für das Toplos „Die Prozession“ von Egon Schiele international betrieben hatte, war nicht umsonst: Das auf 3,5 bis sieben Millionen Euro geschätzte Gemälde erreichte seine untere Taxe - und darf damit immerhin als teuerstes Bild eines österreichischen Künstlers in einer heimischen Auktion gelten. Im Dorotheum, das seinen Millionenrekord schon im Frühjahr mit Frans Francken II eingefahren hat, konnte Ferdinand Georg Waldmüllers „Kranzljungfer“ die herbstliche Bestmarke von 360.000 Euro (Taxe 300.000/ 400.000) setzen.

          Das Dorotheum lobte seine Altmeisterversteigerung im Oktober als „eine der besten Auktionen in der Geschichte des Hauses“: Den Höchstpreis erzielte das Gemäldepaar „David und Abigail“ und „König David übergibt einen Brief an Uriah“ von Giovanni Francesco Barbieri, genannt Il Guercino, aufgrund seines schlechten Erhaltungszustands waren das aber nur 280.000 Euro (300.000/400.000).

          Die Grazie, mit der Carlo Maratti in „Venus und Cupido“ die Liebesgöttin vor eine Landschaft bettete, wurde mit 240.000 Euro (170.000/190.000) honoriert. Das erfolgreichste Los niederländischer Herkunft stellt eine „Weite Landschaft mit Reisenden“ von Jan Brueghel d. J. und Joos de Momper dar, die auf 150.000 Euro (85.000/95.000) hochgefochten wurde. Auf 135.000 Euro (90.000/120.000) sauste ob ihrer Farbpracht wenig überraschend die „Heilige Familie“ von Denys Calvaert.

          Eine Waldlandschaft Adriaen van Stalbemts

          Auch bei Im Kinsky enttäuschte das Hauptlos der Alten Meister nicht: Für Jan van Goyens „Große Wassermühle“ wurde mit 100.000 Euro die obere Schätzung bewilligt. Allerdings reichte kein anderes Werk an diese Summe heran. Dafür konnte eine Grisaille auf Holz von einem Anthonis van Dyck-Nachfolger ihre obere Taxe von 4000 Euro mit dem siegreichen Gebot von 44.000 Euro mehr als verzehnfachen. Ihrer Erwartung gemäß wurde dann im November noch Adriaen van Stalbemts auf eine Holztafel gemalte „Waldlandschaft“ für 170.000 Euro abgesetzt.

          Bei den Werken des 19. Jahrhunderts setzte das Dorotheum das oben erwähnte Waldmüller-Spitzenlos ab, aber die hohen Erwartungen in Leopold Carl Müllers „Ägyptischen Wasserträger“ wurden enttäuscht; die Taxe war mit 350.000 bis 450.000 Euro wohl übertrieben. Russischer Naturalismus setzte sich mit Iwan Iwanowitsch Schischkins „Landstraße“ zur unteren Taxe von 120.000 Euro durch.

          Kleinbronzen von Jörg Immendorf

          Ein neuer Höchstpreis konnte mit 110.000 Euro für den Münchner Maler Michael Neher fixiert werden. In der Sparte Klassische Moderne lag Gino Severinis „Stillleben mit der Kuppel von Sankt Peter“ mit 120.000 Euro (100.000/150.000) vorne. Jeweils 110.000 Euro spielten die auf nur 45.000 bis 80.000 Euro geschätzten Gemälde „Im Schlosspark Schönbrunn“ von Carl Moll und eine Landschaftsstudie von Koloman Moser ein.

          Und unter den Zeitgenossen siegte im Dorotheum knalliges Orange aus den sechziger Jahren - 190.000 Euro für Agostino Bonalumis Objektbild „Arancione“. Für 160.000 Euro (180.000/250.000) fand eine achtzehnteilige Serie von Kleinbronzen der „Malerstamm“-Affen Jörg Immendorffs einen neuen Besitzer.

          Nationaler Künstlerrekord für Hundertwasser

          Das stimmungsvolle Bild „Sommerabend“ von Olga Wisinger-Florian, das zuletzt Rudolf Leopold gehört hat, war bei Im Kinsky nicht unter 380.000 Euro zu haben. Eher niedrige 320.000 Euro brachte Waldmüllers höher taxiertes Gemälde „Besuch der Großeltern“. Einen Preisrekord bedeuteten hingegen die 100.000 Euro für Marie Egners Bild „Apfel- und Kirschblüte“. In seiner erfolgreichen Schiele-Auktion konnte das Haus auch noch ein gezeichnetes Porträt seiner Schwester Gerti samt Neffen bei 400.000 Euro vermitteln sowie einen „Akt mit Strümpfen“ bei 350.000 Euro.

          Rudolf Wackers „Herbststrauß“ erzielte beachtliche 195.000 Euro, und auch Alfons Walde erwies sich wieder als beliebt: Sein Bild „Schwarzsee, Kitzbühel“ brachte 170.000, der „Sommer in Tirol“ 150.000 Euro. Bei den Zeitgenossen brachte Friedensreich Hundertwassers Gemälde „Cyclon Veena“ mit 210.000 Euro einen nationalen Künstlerrekord ein. Auch die auf 120.000 bis 200.000 Euro geschätzte Bronzestatue „Große Liegende für Luzern“ von Fritz Wotruba enttäuschte nicht und ging für 165.000 Euro weg.

          Rudolf von Alts „Eisengießerei“ bei Hassfurther

          Unter den Antiquitäten sorgte bei Im Kinsky ein barockes Elfenbeinpferd aus dem Umkreis von Matthias Steinl für eine Überraschung: Statt der taxierten 15.000 bis 30.000 Euro sprang es heiß umkämpft auf 245.000 Euro. Das Dorotheum dagegen blieb auf seinem hochpreisigen Boulle-Luster (600.000/800.000) sitzen, konnte aber ein Paar französischer Kandelaber für 110.000 Euro (30.000/40.000) absetzen.

          Endlich wurden im kleinen Auktionshaus von Wolfdietrich Hassfurther im Dezember 235.000 Euro (130.000/ 170.000) für das eindrucksvolle Aquarell „Die Eisengießerei Kitschelt in der Skodagasse“ von Rudolf von Alt bezahlt. Albin Egger-Lienz' Ölbild „Sämann und Teufel“ belegt mit 205.000 Euro dort Platz zwei der Bestlose und „Die Quelle“ vom selben Künstler mit 145.000 Euro Rang drei.

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