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Wiener Ergebnisse : Die Kunstgeschichte auf einen Blick

  • -Aktualisiert am

Die Frühjahrssaison in Österreich geht zu Ende. Das Wiener Dorotheum feiert Rekorde. Die Konkurrenz Im Kinsky schaut auf gemischte Ergebnisse.

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          Ewig lockt der Firn auf sonnigen Bergrücken: Gemälde von Alfons Walde steigen seit Jahren im Wert. Einem Fund aus Dänemark ist nun ein neuer Höchstpreis zu verdanken. Dem Skifahrermotiv „Aufstieg“ von 1930 glückte mit 500.000 Euro der Gipfelsturm. Tiefschnee samt braungebrannter Bergfexen zählt zu den begehrtesten Sujets des 1958 verstorbenen Künstlers: Unter den Top-Ten-Auktionsresultaten von Walde ist es gleich sechs Mal zu finden.

          Die Klassische Moderne gab dem Dorotheum insgesamt Grund zum Jubeln: Die letzte Auktion lieferte mit 3,4 Millionen Euro das historisch höchste Ergebnis in dieser Sparte. Von Jawlensky legte eine „Wasserburger Landschaft“ von 1907 eine rasante Steilfahrt hin, die erst bei 510.000 Euro (180.000/ 280.000) endete. Jawlenskys mit 200.000 bis 300.000 Euro höher geschätzter „Abstrakter Kopf: Sinnend“ fand um 340.000 Euro einen neuen Besitzer aus Italien.

          Paul Éluard gehörte einst das surreale Gemälde „La Couturière“ von Óscar Domínguez aus dem Jahr 1943, das 160.000 Euro (120.000/180.000) einspielte. Victor Brauners Spätwerk „Dépolarisation de l'intimité“ von wechselte für 120.000 Euro den Besitzer. Ein österreichischer Phantasieritt war mit Rudolf Hausners Bild „Alter Billardspieler“ vertreten, der 160.000 Euro (100.000/140.000) erzielte.

          Bei den Zeitgenossen punktete das Nagelbild „Superficie bianca n. 22“ von Castellani mit seiner oberen Taxe von 400.000 Euro. Auch Bonalumis auskragendes Bildobjekt „Rosso“ enttäuschte mit 120.000 Euro nicht (90.000/120.000). Die abstrakte Komposition von Tancredi löste nur 170.000 ein (180.000/ 250.000). Von Klaphek überzeugte das „Gesetz des Alltags“ von 1960 mit soliden 110.000 Euro. Ein Schüttbild von Nitsch aus dem Jahr 1963 wurde auf 65.000 Euro hochgekämpft (14.000/22.000).

          Rückgänge bei der Alten Kunst

          In der Genueser Patrizierfamilie Spinola war Rubens' Malkunst so begehrt, das er zwischen 1606 und 1608 mindestens sieben Porträts für das Adelsgeschlecht schuf. Auch sein Gemälde „Der Christusknabe mit dem kindlichen Johannes dem Täufer“ schmückte lange die Palazzi der Spinola, bis es 1862 veräußert wurde. Danach segelte es über den Atlantik und gelangte in die Chrysler-Sammlung. Mittlerweile ist er nur mehr als Rubens und Werkstatt eingestuft: Die niedrige Taxe von 100.000 bis 130.000 Euro wurde aber weit übertroffen, als ein Russe das Los für 450.000 Euro erkämpfte.

          Eigentlich hatte das Dorotheum alle seine Hoffnungen auf das feine Kabinettstück „Arkadien - Das Goldene Zeitalter“ gesetzt, an dem mit Frans Francken II vier andere Maler mitgewirkt haben. Für das auf 400.000 bis 600.000 Euro geschätzte Bild fand sich kein Interessent. An der Hürde von 700.000 bis 900.000 Euro scheiterte auch Carraccis Kopfstudie eines Alten Mannes. Dafür setzte sich bei den Italienern Valerio Castellos „Flucht nach Ägypten“ mit 420.000 Euro (200.000/300.000) durch.

          Eine Paradieslandschaft von Brueghel zur unteren Taxe

          Zwei Gemälde von Jusepe de Ribera hatten Erfolg: Der als frommer Jüngling dargestellte „Evangelist Johannes“ wurde mit 340.000 Euro honoriert (150.000/ 200.000) und auch sein „Jakobus der Ältere“ übertrumpfte mit 170.000 Euro die Erwartungen (80.000/120.000). Einen Volltreffer landete auch das Los „David mit dem Haupt des Goliath“ von Giovanni Francesco Barbieri, genannt Il Guercino, und Werkstatt mit stolzen 360.000 Euro (150.000/200.000).

          Eine auf Holz mit weichen Silhouetten gemalte „Paradieslandschaft mit der Verführung Adams durch Eva“ von Jan Brueghel d. Ä. wurde nur zur unteren Taxe von 180.000 Euro (200.000/300.000) versteigert, während sein mit Hans Rottenhammer geschaffenes Tableau „Die Taufe Christi im Jordan“ mit 140.000 Euro abschnitt (85.000/ 95.000). Das rare und exquisit komponierte „Blumenstillleben in einer Keramikschale auf einer Tischplatte“ von Jan Brueghel d. J. wechselte für 160.000 Euro den Besitzer (120.000/140.000).

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