https://www.faz.net/-gyz-xpyu

Was für ein Start ins neue Jahr : Madonna!

  • -Aktualisiert am

Vor den Auktionen der Alten Meister in New York herrscht Hochspannung: Es stehen herausragende Werke im Angebot. Der Star unter den Sternen ist eine „Sacra Conversazione“ von Tizian.

          4 Min.

          Wenn Ende Januar in New York wieder die Auktionen der Alten Meister stattfinden, wird Tizian bei Sotheby's am 27. Januar an der einsamen Spitze stehen. Die „Madonna mit dem Kind und den Heiligen Katharina und Lukas“ hat er wohl um 1560 geschaffen, als er mit mehr als siebzig Jahren längst ein weltberühmter Malerfürst war. Das rund 128 mal 170 Zentimeter große Gemälde auf Leinwand gilt als Tizians letzte „Sacra Conversazione“ - eine Bildgattung, mit der er sich schon länger als ein halbes Jahrhundert beschäftigt hatte.

          Der leicht angestaubten Formelhaftigkeit setzt Tizian lebendige Details und Souveränität im Farbauftrag entgegen: die kindlichen Bewegungen des Knaben, dessen weichen Schenkel die Mutter zärtlich berührt, das duftige Inkarnat, die glänzenden Gewänder der Frauen und das Abendlicht auf der wolkenverhangenen Landschaft im Hintergrund.

          Das Werk stammt aus der schon lange im schweizerischen Kreuzlingen beheimateten Sammlung des verstorbenen Kölner Radio-Fabrikanten, Kunstsammlers und -händlers Heinz Kisters. Dessen berühmtester Kunde war übrigens Konrad Adenauer, der als „Kölscher Doge von Bonn“ auch Alte Meister sammelte. Mit einer Schätzung von fünfzehn bis zwanzig Millionen Dollar versehen, wurde das Bild von der erst im vergangenen November gegründeten „Stiftung Heinz Kisters“ eingeliefert.

          Zu deren Sammlung, die durch die Stiftungsgründung gepflegt und erhalten werden soll, gehören Werke von Martin Schongauer, Albrecht Dürer und Hans Baldung Grien, ebenso wie Tizians berühmtes Porträt der Laura de' Dianti. Nur die Sacra Conversazione wird jetzt bei Sotheby's veräußert. Ihre Provenienz gleicht streckenweise einem Abenteuerroman: Tizian soll sie für einen befreundeten „Cavaliere Orologio“ in Padua gemalt haben, dessen Nachkommen das Bild Ende des 18. Jahrhunderts an den englischen Politiker Sir Richard Worsley verkauften.

          Ein geheimnisvolles Bild von Willem van der Vliet

          Worsley lebte als Diplomat in Venedig und kehrte, als Venedig 1797 an Österreich fiel, nach England zurück. Das Schiff, mit dem ihm ein Teil seiner Kunstsammlung folgen sollte, wurde jedoch gekapert und nach Málaga umgeleitet. So gelangte das Bild Anfang des 19. Jahrhunderts nach Rom in die Sammlung von Napoleons jüngerem Bruder Lucien Bonaparte. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde es in London versteigert und zierte im Lauf des nächsten Jahrhunderts verschiedene englische Adelshäuser - bis Heinz Kisters es 1956 in der New Yorker Galerie Rosenberg & Stiebel erwarb.

          Aus einer amerikanischen Privatsammlung stammt ein geheimnisvolles Gemälde, vielleicht eine Allegorie, von dem Delfter Künstler Willem van der Vliet aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Noch ist nicht entschlüsselt, was den bärtigen Gelehrten mit den maskierten Figuren an seiner Seite verbindet. Handelt es sich um einen Dramatiker mit Schauspielern aus einem seiner Stücke? Oder ist es ein Philosoph, der den Avancen der irdischen Liebe und anderen Versuchungen ausgesetzt ist? Seine Rätselhaftigkeit trägt gewiss zum Zauber dieses Bilds bei (Taxe 1,2/1,8 Millionen Dollar).

          Cranachs Porträt einer Aristokratin

          Von Rubens kommt eine barock bewegte Ölskizze mit dem Martyrium des heiligen Paulus zum Aufruf, die 1998 bei Christie's in New York rund 700.000 Dollar gekostet hat und nun 1,5 bis zwei Millionen einspielen soll. Der anonyme Einlieferer eines Porträts vom jüngeren Cranach dagegen wäre anscheinend auch bereit, einen Verlust hinzunehmen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Impfzentrum in Gera, aufgenommen Mitte März.

          Beschämende Impfbilanz : Das Haus, das Verrückte macht

          Die deutsche Impfbilanz ist beschämend, die Kampagne kommt viel langsamer voran als es nötig wäre. Aber die Politiker stört ihr Unvermögen offenbar noch nicht einmal. Darin liegt der eigentliche Affront.
          Amerikanische Soldaten im August 2015 in der afghanischen Provinz Nangarhar

          Amerikas Abzug aus Afghanistan : Erschöpfte Kapitulation?

          Joe Biden will in Kürze den Abzug der Soldaten aus Afghanistan verkünden. Der Einsatz dort gilt als gescheitert, die Zukunft ohne amerikanische Truppen ist ungewiss.
          Leere Bänke und Tische vor einer Kneipe in Halle/Saale am 12. April

          Corona-Politik : Die Bundes-Notbremse ist schädlich

          Das Gesetz über bundeseinheitliche Regeln zur Bekämpfung der Pandemie schafft keine Möglichkeiten, die es nicht schon gibt. Aber es nimmt den Landkreisen die Chance zum flexiblen Handeln. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.