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Vorschau : Zu viel gute Kunst nur für Amerika

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Vor den Auktionen mit Gegenwartskunst in New York herrscht Optimismus. Der schwache Dollar verspricht wahre Höhenflüge. Gerhard Richters „Düsenjäger“ hat dabei ebenso Rekordpotential, wie die funkelnden Stahlskulpturen von Jeff Koons.

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          Jetzt noch mehr, noch teurer! Bei den New Yorker Auktionen zeitgenössischer Kunst Mitte November erwarten die Auktionshäuser mit Werken von Koons, Warhol, Rothko, Richter, Bacon und Basquiat gewaltige Umsätze. Christie's obere Gesamttaxe liegt bei rund 525 Millionen Dollar, so hoch wie noch nie zuvor, verteilt auf mehr als 500 Lose und vier Auktionen. Bei Sotheby's sind es fast 500 Lose, drei Auktionen und immerhin fast 400 Millionen Dollar. Phillips de Pury folgt mit einer oberen Gesamttaxe von fast fünfzig Millionen Dollar. Für die Abendauktionen zeitgenössischer Kunst haben die Auktionshäuser wohl rund 300 Millionen Dollar in Garantien verteilt.

          Der Gewinn - oder auch Verlust - bei diesem riskanten Spiel könnte beachtlich sein, aber der Optimismus ist ungebrochen: „Der schwache Dollar ist ein Segen“, sagt die Direktorin für Post-War and Contemporary bei Christie's, Amy Cappellazzo, „die ganze Welt kann jetzt bei uns einkaufen.“ Das muss auch so sein, denn Amerika allein kann so viel Kunst kaum verkraften. Die steigenden Preise für Gegenwartskunst haben zur Folge, dass sich auch die „Day Sales“ allein bei Sotheby's mit mehr als einem Dutzend Werken in die Millionenkategorie emporgeschwungen haben.

          Auswahl aus der Sammlung Stone

          Der Reigen der zeitgenössischen Auktionen beginnt am 12. November mit der Sonderauktion „Selections from the Allan Stone Collection“ bei Christie's. Der im Dezember 2006 verstorbene New Yorker Galerist war ein obsessiver Sammler mit dem Hang zur schrulligen Mischung. Christie's bringt eine hochkarätige, aber ungewöhnliche Auswahl unter den Hammer: Der eindrucksvolle Nagelfetisch aus dem Kongo (Taxe 120.000 /180.000 Dollar) und der geschwungene Wandschirm von Antoni Gaudí (1,5/2,5 Millionen) tauchen neben den Künstlern auf, die Stone vertrat. Von John Chamberlain stammt die frühe Skulptur „Hatband“ (2,5/3,5 Millionen), von Wayne Thiebaud ein Gemälde mit sieben knallbunten Lutschern (1,4/1,8 Millionen). Spitzenstück ist Willem de Koonings „Untitled“ von 1942, eine frühe meisterhafte Abstraktion, für sechs bis zehn Millionen Dollar.

          Am nächsten Tag folgt der reguläre „Post-War and Contemporary Art Evening Sale“ bei Christie's. Schon seit einigen Tagen prangt eines der Highlights vor dem Haupteingang der Firma am Rockefeller Center: Jeff Koons' übermannshoher „Diamond (Blue)“ aus gefärbtem, verchromtem Edelstahl kommt vermutlich aus der Sammlung von Benedikt Taschen. Der blau glänzende Mega-Diamant ist Teil der Serie „Celebration“. Es gibt ihn noch in vier anderen Versionen: Der pinkfarbene gehört dem Hedge-Fonds-Manager David Ganek. Die Schätzung wird auf Anfrage mit zwanzig Millionen Dollar angegeben, mehr als das Dreifache des bisherigen Auktionsrekords für Koons. (Aber Insider sagen, Bernard Arnault habe privat schon ebenso viel für einen seiner „Balloon Dogs“ bezahlt.)

          Rekordtaxe für Lucian Freud

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