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Vorschau: Sammlung J. J. Ludwig : Aus dem Geist der Tradition

Bei Nagel in Stuttgart kommt die Sammlung des Kunsthändlers J. J. Ludwig zum Aufruf. Ausgewählte Schätze finden sich im Angebot. Dazu zählt ein kleines Amethystdöschen für Kaiserin Eugénie.

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          Das Stuttgarter Auktionshaus Nagel versteigert am 27. und 28. Februar die Sammlung des Regensburger Kunsthändlers J. J. Ludwig. In den knapp 800 Losen, die in zwei schönen, dicken, gebundenen Katalogen sorgfältig verzeichnet sind, ersteht ein Stück deutscher Sammlertradition des 20. Jahrhunderts, leise und kenntnisreich, abseits des Jahrmarkts der Eitelkeiten. Aber hochgeschätzt werden die handverlesenen Stücke, die überwiegend aus dem 16. bis 19. Jahrhundert stammen, von Kennern und Liebhabern sein - von der internationalen Armee der Innendekorateure, auch das gewiss. Die Versteigerung beginnt mit Humpen und Pokalen, was so behäbig klingt, aber oft bezaubernde handwerkliche Fertigkeiten enthüllt.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Da findet sich ein elfenbeinerner Prunkdeckelhumpen aus demWien des Jahres 1699, auf dem im Flach- und Hochrelief der Raub der Proserpina dargestellt ist, auf dem Deckel hockt ein kleiner Bacchant. Die Schätzung liegt bei 15.000 Euro; die Provenienz lautet „aus den Rothschild-Sammlungen erworben“. Dann tänzelt zierlich ein Lamm auf einer silbernen Abendmahlskanne von 1728 mit den Wappen von Nassau-Saarbrücken und Hanau-Lichtenberg (Taxe 6000 Euro), ehe das teuerste Stück überhaupt seinen Auftritt hat: Das ist ein mit Cloisonné-Email geschmückter Deckelpokal des frühen 20. Jahrhunderts, den Zar Nikolaus II. und seine Frau Alexandra Feodorowna, geborene Prinzessin Alix von Hessen und bei Rhein, dem Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, Bruder der Zarengattin, im Jahr 1906 zum Geschenk machten. Die Herkunft nennt dänische Verwandte des Zarenhauses, nach der Revolution; die Schätzung ruft 80.000 Euro auf.

          Ein Döschen für die Kaiserin

          Es folgen Krüge über Krüge, Steinzeug von der Renaissance an; Teller, Becher, Vasen bis ins 20. Jahrhundert - zu bebieten von ein paar hundert Euro an. Und als letztes Los des ersten Tags ein gerade 5,5 Zentimeter langes Amethyst- und Diamantdöschen von 1861 des Pariser Hofjuweliers Mellerio mit dem Hochrelief-Porträt der Kaiserin Eugénie von Frankreich für 8000 Euro. Der zweite Tag ruft die Liebhaber von Skulpturen, Gemälden und Devotionalien auf den Plan, es gibt Kunsthandwerk und zum Abschluss Möbel des deutschen Barocks. Über allem thront da eine gerade fünfzig Zentimeter hohe Madonna mit dem Kind, um 1520 entstanden, die dem Tiroler Meister Michael Parth aus Bruneck gegeben ist; für sie, in außergewöhnlich gut erhaltener Originalfassung, werden 25.000 Euro erwartet.

          Eine undatierte Fotografie in einem der Auktionskataloge, in denen auch die Biographie von Josef Johann Ludwig (1904 bis 2007) nachzulesen ist, zeigt den Schriftsteller Erich Maria Remarque an dessen Stand auf der Deutschen Kunst- und Antiquitätenmesse in München. Das ist ein Bild wie aus sehr fernen Zeiten, von sprödem Charme, ein Gegenpol gewissermaßen zur verordneten Lässigkeit heutiger Auftritte im Kunstmarkt; es wird wohl in den sechziger Jahren aufgenommen sein. Was immer der Mann, der 1928/29, gerade dreißig Jahre alt, „Im Westen nichts Neues“ schrieb, dort gesucht haben mag: Gut vierzig Jahre später darf man gespannt sein auf das Publikum in Stuttgart für solch stille Kunst.

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