https://www.faz.net/-gyz-zerc

Vom Museum verschmäht : Fünf Millionen Euro für einen Feininger

  • -Aktualisiert am

Ein Gemälde von Lyonel Feininger sollte ursprünglich als Schenkung ans Centre Pompidou. Doch das Museum bezweifelte die Echtheit, und eine Expertise war zu teuer. Jetzt ist das Bild für fünf Millionen Euro versteigert worden. Denn alle Zweifel sind ausgeräumt.

          2 Min.

          Mit dem Zuschlag bei fünf Millionen Euro - das sind inklusive Aufgeld 5,7 Millionen Euro - hat ein frühes Gemälde von Lyonel Feininger bei Artcurial-Briest-Poulain-F. Tajan dem Pariser Frühjahr einen glanzvollen Höhepunkt beschert. Der 75 mal 101 Zentimeter große "Hafen von Swinemünde" aus dem Jahr 1915 war auf 1,5 bis zwei Millionen Euro geschätzt; das Ölbild ging an einen amerikanischen Sammler. Der Käufer kann sich zweifellos glücklich schätzen: Denn ursprünglich war das Gemälde als Schenkung an das Centre Pompidou vorgesehen. Der Filmregisseur Roger-Jean Spiri, der 2007 kinderlos starb, vermachte sein Erbe dem Institut Curie, dem Secours Populaire und der Unesco-Stiftung für Aidsforschung; der "Hafen von Swinemünde" war für das Centre Pompidou bestimmt.

          Zur Authentifizierung des bis dahin noch unbekannten Werks baten die ehemaligen Pariser Auktionatoren Guy Loudmer und Daniel Boscher im Jahr 2008 den Galerist Achim Moeller, Autor des Werkverzeichnisses und Leiter des "Feininger Project" in New York, um ein Gutachten. Moeller schaute sich das Bild in Paris an und bat, es ihm nach Unterzeichnung eines Expertiseauftrags und gegen eine Gebühr von tausend Dollar zwecks eingehender Recherchen nach New York zu schicken.

          Das Gemälde sei aus dem ursprünglichen Rahmen geschnitten und auf einen neuen Keilrahmen aufgezogen gewesen, erklärt Moeller dazu. Über die Provenienz war ebenfalls nichts bekannt. Doch das Bild wurde nicht nach New York geschickt und kein Auftrag für ein Gutachten erteilt. Er habe Loudmer und Boscher daraufhin nur seine Meinung über das Gemälde mitgeteilt, sagt Moeller, die beim damaligen Stand seiner Erkenntnisse negativ ausfiel: Im Zweifel über die Echtheit hat das Centre Pompidou dann die Schenkung ausgeschlagen.

          Zwei Jahre später schickte das Pariser Auktionshaus Artcurial das Bild zwecks Expertise an Achim Moeller. Bei seinen Recherchen entdeckte er das Gemälde samt Abbildung im Katalog der Ausstellung "Neuere Deutsche Kunst aus Berliner Privatbesitz", die 1928 in der Nationalgalerie in Berlin stattfand. Ausgewiesener Leihgeber war der Bankier Hugo Simon, der als Jude 1933 nach Paris und 1941 weiter nach Brasilien emigrieren musste.

          Sie hätten womöglich selbst recherchieren müssen

          Seine Kunstsammlung wurde zum Teil von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Mit den Erben Hugo Simons wurde geklärt, dass keine Restitutionsansprüche bestehen. Achim Moeller wird nun von der französischen Presse vorgeworfen, durch seinen anfänglich negativen Bescheid eine Schenkung an das Centre Pompidou verhindert zu haben. Er rechtfertigt sich mit dem Argument, nach seinem damaligen Wissensstand habe er das Bild nicht für echt erklären können.

          Er habe allerdings auch gesagt, dass er seine Meinung mittels neuer Erkenntnisse ändern könne. Den Mittelsmännern Loudmer und Boscher kann man vorwerfen, die Kosten für eine eingehende Expertise gescheut zu haben. Und die Kuratoren des Centre Pompidou, die nun zu ihrem Unglück auch noch das Zertifikat zur freien Ausfuhr unterzeichnen mussten, hätten womöglich selbst recherchieren müssen. Der Erlös aus der Versteigerung ist für die von Spiri als Erben eingesetzten Institutionen und für wohltätige Zwecke bestimmt.

          Weitere Themen

          In der Vorhölle

          Dantes Verse : In der Vorhölle

          Schlechte Aussichten für zurückgetretene Päpste: Was Benedikt XVI. anstellte, empfand Dante als eine Scheußlichkeit.

          2,9 Millionen für Mona-Lisa-Kopie Video-Seite öffnen

          Bei Auktion : 2,9 Millionen für Mona-Lisa-Kopie

          Auf einer Versteigerung wurden 2,9 Millionen Euro für eine Kopie des Meisterwerks von Leonardo da Vinci gezahlt. Nach Angaben des Auktionshauses Christie's handelt es sich dabei um einen Rekordpreis für eine derartige Replik.

          Topmeldungen

          Erholung im Low-Covid-Sommer vor der vierten Welle: Cihan Çelik im Klinikum Darmstadt.

          Lungenarzt Cihan Çelik : „Unser Team ist dezimiert“

          In Deutschland sinken die Fallzahlen. Oberarzt Cihan Çelik berichtet, wie es jetzt auf der Isolierstation im Klinikum Darmstadt aussieht, was mit der Delta-Variante auf uns zukommt und wie sinnvoll die Maskenpflicht noch ist.
          Die 28 Jahre alte Annalena Baerbock 2009 auf dem Landesparteitag von Bündnis90/Die Grünen in Angermünde (Uckermark).

          Buch von Annalena Baerbock : Ein konsensfähiges Leben

          Wenn irgendwo was rumliegt, räumt sie es auf: Wie Annalena Baerbock in ihrem Buch „Jetzt“ die neue Rolle der Grünen zu verkörpern versucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.