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Van Goghs „Pont de Clichy“ unterm Hammer : Das Museum als Wertsteigerungsmaschine

  • -Aktualisiert am

Wie kommt van Goghs „Pont de Clichy“ aus dem Wallraf-Richartz-Museum in Kollers Juni-Auktionen? Das Bild schien einer der wenigen Höhepunkte der Schenkung des Sammlers Corboud an die Stadt Köln zu sein.

          Zwölf Jahre lang hing das strahlend gelbe Bild, das im Zürcher Auktionshaus Koller im Rahmen der Moderne-Auktion am 21.Juni angeboten wird, immer wieder an den Wänden des Wallraf-Richartz-Museums in Köln - neben der anderen, berühmteren Brücke, die Vincent van Gogh 1888 in Arles gemalt hatte. Die gelbe entstand ein Jahr zuvor, noch in Paris, kurz vor der Abreise des Malers nach Südfrankreich.

          Es hing im Museum, reiste mit der Sammlung des Museums, wurde in den Katalogen des Museums veröffentlicht. Und gelegentlich wurde das Museum auch als Besitzer angegeben: Im Herbst 2009 zum Beispiel, als van Goghs gelb strahlender „Pont de Clichy“ in der Ausstellung „Impressionismus - Wie das Licht auf die Leinwand kam“ in der Wiener Albertina zu sehen war: „Wallraf-Richartz Museum & Fondation Corboud“ lautete die Besitzerangabe. Und so glaubte man irgendwann, dass die 2001 übergebene Sammlung Corboud der Stadt Köln nicht nur eine kleinformatige, frühe und unbedeutende Bauernkate aus Nuenen, sondern auch das bedeutende Brückenbild aus Paris beschert habe. In dem ansonsten mit kunsthistorischen Höhepunkten eher spärlich gesegneten Schenkungskonvolut, von dem trotzdem ein bestimmter Prozentsatz ständig in den Schauräumen gezeigt werden muss, wäre dieses Bild eines der wenigen wirklich bedeutenden gewesen.

          Tatsächlich aber ist das Van-Gogh-Gemälde nie in Kölner Besitz gelangt, es gehörte immer der privaten „Fondation Surpierre“, die Gérard Corboud ebenfalls gegründet hatte und in der er jene Werke versammelte, die er privat besaß. So auch der „Pont de Clichy“, der im Mai 1988 bei Sotheby’s in New York unverkauft geblieben und anschließend durch die amerikanische Investorengruppe „Fine Arts Collectors Ltd.“ übernommen worden war. Später erwarb Corboud das Bild, das van Goghs Begeisterung für die reduzierte farbflächige Kunst japanischer Holzschnitte feiert, für eine ungenannte Summe.

          Schon vor einiger Zeit begann dann, so bestätigt ein New Yorker Kunsthändler, ein Mitglied der Sammlerfamilie, das Gemälde international anzubieten - zu einem Preis, der über den von Koller nun geschätzten fünf bis sieben Millionen Franken gelegen habe. Er selbst, so der Händler, habe sich beim damaligen Direktor in Köln telefonisch erkundigt, ob sich das Museum tatsächlich von dem Bild trennen wolle. Dieser habe erst durch den Anruf überhaupt von den Verkaufsabsichten erfahren. Seither wurde der „Pont de Clichy“ in Köln nicht mehr gezeigt.

          Dem Vorwurf, ein nun verkäufliches Werk weiterhin museal zu nobilitieren, wollte sich das Wallraf-Richartz-Museum nicht aussetzen. In der Auktion bei Koller im Juni gibt es neben dem Bild von Vincent van Gogh weitere Gemälde mit derselben Provenienzangabe „bedeutende Privatsammlung Schweiz“: eine Flussansicht von Caillebotte „Petit bras de la Seine, effet d’automne“, versehen mit einer Erwartung von 1,6 bis 2,5 Millionen Franken, eine baumbestandene Landschaft „A la lisière de la forêt - Les Sablons“ von Alfred Sisley aus dem Jahr 1884/5 für geschätzte 1,5 bis zwei Millionen Franken, ein blaues Tor von Raoul Dufy mit dem Titel „La Grille“ aus dem Jahr 1930 für 600.000 bis 800.000 Franken und das Gemälde „Un clos à Varengeville avec vache“, 1899, von Camille Pissarro für 700.000 bis eine Million Franken. Sie alle haben, anders als van Goghs „Pont de Clichy“, zuvor nicht im Wallraf-Richartz-Museum gehangen.

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