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Spitzenzuschläge Österreich : Es gibt keine Rangliste ohne Alfons Walde

  • -Aktualisiert am

Das erste Halbjahr ist ausgezeichnet gelaufen für die Auktionshäuser in Österreich: Das Dorotheum meldet Rekordumsätze, und die Konkurrenz Im Kinsky punktet mit ihrer „Meisterwerke“-Veranstaltung. Hier sind die höchsten Zuschläge der Frühjahrssaison in Wien.

          Im ersten Halbjahr hat sich auf dem österreichischen Kunstmarkt einiges getan. Das Multi-Sparten-Haus Dorotheum konnte die Auktionswoche im Mai zu einer der besten in der Geschichte des Unternehmens ausrufen. Bei den Auktionen mit moderner und zeitgenössischer Kunst sowie beim Silber konnten Rekordumsätze erwirtschaftet werden. Die Konkurrenz Im Kinsky begeht heuer bereits ihr zwanzigjähriges Jubiläum, und obwohl die zur Feier abgehaltene Auktion erst Ende November stattfinden wird, lief bereits das Frühjahr sehr zufriedenstellend. Der Halbjahresumsatz aus dem Vorjahr von dreizehn Millionen Euro konnte gehalten werden. Das Dorotheum brachte es im Mai mit sechs Sparten auf 15,2 Millionen, publiziert aber nie die Umsatzsumme der Jahreshälfte.

          Mit der vorsichtigen Taxe von 70.000 bis 90.000 Euro startete Mitte April im Dorotheum bei den Gemälden des 19. Jahrhunderts Hans Makarts opulentes Tableau „Der Tod der Kleopatra“. Die 640.000 Euro, die ein Saalbieter aus Amerika nach langem Gefecht schließlich bewilligte, katapultierten das orientalistisch anmutende Ölbild auf Platz eins der Halbjahres-Bestenliste (F.A.Z. vom 27.April). Der Rekordpreis bestätigt den Aufwärtstrend des lange als schwülstig betrachteten Malerfürsten. Die große Doppelausstellung, die Makart 2011 in Wien gewidmet war, dürfte ebenfalls Einfluss auf das jetzige Interesse gehabt haben.

          Auch die Ergebnisse der frühjährlichen Altmeister-Auktion des Dorotheums können sich mehr als sehen lassen: Aus der zweitbesten jemals in dieser Sparte abgehaltenen Veranstaltung konnten drei Lose Bestplätze einnehmen. Bei der dramatischen Darstellung der „Verhöhnung Christi“ von Jusepe de Ribera handelte es sich um eine Neuentdeckung im Werk des neapolitanischen Künstlers. Mit dem Zuschlag bei 600.000 Euro (Taxe 300.000/ 500.000) wurden die höchsten Erwartungen überflügelt und Rang zwei erobert.

          Erfolge fürs Dorotheum

          Einen Überraschungserfolg stellte das liebliche „Bildnis einer Dame als Allegorie der Abundantia“ des Bolognesers Giuseppe Maria Crespi dar, das mit einem Gebot von 300.000 Euro seine Taxe von 80.000 bis 120.000 Euro vervielfachte. Auf Platz zehn rangiert eine „Belebte Dorflandlandschaft mit Bäumen“ von Jan Brueghel d.J., die unerwartet auf stolze 260.000 Euro kletterte. Keinen Listenplatz, aber eine neue Künstlerbestmarke für den niederländischen Meister Cornelis van Cleve bedeuteten die 200.000 Euro, die für sein Ölbild „Madonna mit Kind, dem heiligen Johannes und Putten“ bewilligt wurden.

          Aus der attraktiven Offerte Klassische Moderne, die im Mai umsatzmäßig neue Standards setzte, wurde die in Grüntönen changierende „Paesaggio“ von Giorgio Morandi von 1941 zum Spitzenreiter. Im Gesamtranking österreichischer Toplose belegt die Landschaft mit Zuschlag 320.000 Euro Platz sechs. Danach folgt die surrealistisch anmutende „Composition au fond jaune“ von Fernand Léger; die schwebenden organischen Formen von 1932 fanden zur Untertaxe von 300.000 Euro einen neuen Besitzer. Interessanterweise wurde auch das 1969/70 entstandene Holztableau „Die Witwe(II)“ des phantastischen Realisten Wolfgang Hutter der Moderne - anstatt den Zeitgenossen - zugeordnet. Um das auf 18.000 bis 26.000 Euro angesetzte Bild entbrannte ein Bieterkampf, der erst beim sensationellen Rekordpreis von 195.000 Euro entschieden wurde.

          Aus der Veranstaltung mit Zeitgenossen, deren Angebot sehr international war, findet sich nur ein Werk in der Bestenliste. Mit dem an eine Architekturzeichnung erinnernden Großformat „Die Toilette“ erinnerte Ilya Kabakov 2001 an seine Untergrundprojekte aus der Sowjetzeit; das mit Öl und Graphit gemalte Bild löste bei 300.000 Euro den unteren Schätzwert ein. Werke Kabakovs fanden bereits mehrmals im Dorotheum guten Absatz, ebenso wie die Reliefbilder der italienischen Avantgarde, von denen Enrico Castellanis „Superficie nera“ bei 230.000 Euro reüssierte.

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